Was bringt der Saab 9-3 in der 1000-Euro-Challenge?
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Oldtimer gibt es schon für 1000 Euro, doch was taugen sie? Vier AUTO BILD-KLASSIK-Redakteure haben die Challenge angenommen und machen den Selbsttest mit einem Billig-Klassiker. Der Saab 9-3 vom Kollegen Andreas May macht den Anfang.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Die "1000-Euro-Challenge" ist ganz einfach erklärt: Vier AUTO BILD KLASSIK-Kollegen haben sich vier nicht zu alte Oldtimer gekauft, das Budget betrug maximal 1000 Euro – und schauen nun, wie alltagstauglich die Autos im Betrieb wirklich sind.
Bei der Challenge, die man auch über Instagram unter @autobildklassik verfolgen kann, werden die vier Billig-Oldies allen möglichen Tests unterzogen. Es geht also darum, zu prüfen: Kann man mit so einer Kiste komfortabel lange Strecken abreißen? Was geht kaputt? Wie viel verbrauchen die Old- und Youngtimer? Hier gleich schon mal ein Pro&Kontra zu der Challenge: Lohnt sich ein Oldie für 1000 Euro?
Der rustikale Rennstall besteht aus einem Saab 9-3 mit 250.000 km, einem Audi 80 Baujahr 1988, einem Citroen AX mit 45 (!) PS und einem ebenso starken Volvo-Opa, einem Typ 66 von 1978.
Wir starten mit dem Saab. Der waschechte Millennial kam im Jahr 2000 zur Welt und schöpft seine Lebenskraft aus einem Zwei-Liter-Vierzylinder mit Turbolader. Bis zu 154 PS haben ihn bislang 251.202 km weit gebracht.
Die vier von der Tankstelle: Hier wird noch einmal aufgefüllt, bevor es 1000 km durchs Land und in die Berge geht. Der Saab hat bei Steigungen dank Turbo natürlich immense Vorteile.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Da erübrigt sich beinahe schon die Frage, welches der vier Autos wohl das höchste Langstrecken-Talent aufweist? Natürlich der Saab 9-3. Er ist das modernste, größte, leistungs- und drehmomentstärkste Auto in unserem Low-Budget-Quartett. Das sicherste auch. Dennoch sollte man nicht vergessen: Es geht um die Zuverlässigkeit – die kann auch dem besten, theoretisch vorhandenen Langstreckenpotenzial einen Strich durch die Rechnung machen. Anders gesagt: Aus Reiselust wird bei verschleppter Pflege und Wartung schnell Pannenfrust.
Ursprünglich war er Silber – doch für einen Folier-Test haben wir den Saab rot folieren lassen. Die Aktion steht in keiner Verbindung zur 1000-Euro-Challenge.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Um gleich mal die unterschiedlichen Farben des Autos auf den Bildern zu erklären: Ein Oldie, der zwischendurch die Farbe wechselt, hat natürlich Seltenheitswert. Doch hier handelt es sich nicht um ein Chamäleon-Auto, sondern um eine Folierung für Fotozwecke. Sie war nicht Bestandteil der 1000-Euro-Challenge und hat – wen überrascht's? – auch keinen Einfluss auf die Qualität des Autos. Die Lösung ist einfach: Drei Teilnehmer sind von Haus aus rot, nur der Saab führt eine andere Farbe. Da haben wir ihn eben mit der notwendigen Camouflage versehen.
Rostlöcher zuschweißen, Verschleißteile erneuern
Wobei es sich eigentlich um eine "sie" handelt: Wir haben den Saab 9-3 kurzerhand SAABine getauft. Die erweist sich als extrem jugendlich, nämlich haltbar: Sie verbrennt kein Öl, nur Super. Zweieinhalb Jahre verbrachte die Schwedin im Vorruhestand an der nordhessischen frischen Luft, sommers wie winters, in ihrem Kofferraum nistete sich eine Wespen-Gemeinde ein. Sie stand fast vergessen zwischen zwölf anderen Saab 9-3, alle im Zustand zwischen Retten und Ausschlachten. Dann holte Cousin Olaf (56, Mechaniker und Saab-Spezi) SAABine zurück ins Leben.
Andi May am Steuer seines 1000-Euro-Reisewagens. Auf den langen Geraden hat er SAABines 5. Gang lieben gelernt.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Unterboden durchgerostet, Bremssattel hinten rechts fest, beide Scheiben und Beläge hinten am Ende, Batterie tot, Reifen runter.
Auf Autobahnen fühlt SAABine sich wohl
Nach 2171 Kilometern gilt für den 9-3 der alte Werbeslogan, mit dem das Unternehmen seinerzeit schon den 9000 bewarb: Auf langen Strecken zu Hause! Dass es mir beim Vier-Tages-Trip abends deutlich besser ging als den Kollegen, dass Fotograf Christian nur bei mir mitfahren wollte und nicht bei den Kollegen, lag einerseits an der komfortablen Federung, andererseits an den fulminanten Sitzen. Leder! Nicht abgenutzt! Straffe Polster, nicht ausgelutscht nach 250.000 Kilometern. Das ist auch ein Qualitätsmerkmal.
So glänzt der Saab nach der Fahrt zum Folien-Schneider. Das Rot steht ihm sehr gut, wenn es sein ruhiges Temperament auch nicht eben widerspiegelt.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Die SAABine hat einen Rückwärtsgang und fünf Vorwärtsgänge, wobei Nummer fünf Geschick verlangt. Geht hakelig rein und nur mit Kraft wieder raus, aber wenn man mit 2300 Touren bei Tempo 120 dahinrollt, die Tanknadel wie mit Pattex festgeklebt erscheint, dann macht Langstrecke Spaß. Und wenn die Kasseler Berge nach dem vierten Gang verlangen, kommt der nötige Turbopunch dazu. Der 9-3 ist so nah am Niveau aktueller Neuwagen, dass man kaum einen Unterschied spürt.
Allenfalls das Unterhaltungsprogramm nervt: Das rauschige Originalradio ist Teil des Cockpit-Mobiliars, Nachrüstung einer modernen DIN-Alternative? Schwierig. Zudem funktioniert nur einer der vier Lautsprecher... Und der Verbrauch? Bei sinniger Fahrweise unter sieben Liter, bei einem Leergewicht von 1,4 Tonnen, finden wir akzeptabel.
Im Saab 9-3 finden die Mitbewerber der 1000-Euro-Challenge ihren Meister – wenn es um die Langstreckentauglichkeit und den Reisekomfort geht. Dessen Zweiliter-Turbobenziner mit 154 PS fühlt sich im Vergleich zu 66, AX und Audi wie aus einer anderen Zeit an. Was er auch ist. Der sanft und früh einsetzende Turbo-Schub lässt insbesondere auf der Autobahn ein überlegenes Fahrgefühl entstehen. Dazu umschmiegt der Saab seine Insassen mit Luxusausstattung und Lederpolstern. Dass die Materialqualität bei genauem Hinsehen mit der des Audi nicht mithalten kann, ist gemessen am enormen Saab-Gegenwert geschenkt. Die Sitze sind top, das markentypisch gestaltete Armaturenbrett begeistert nicht nur Saab-Fans. Und mit 7,1 Liter Durchschnittsverbrauch beweist der Saab, dass ein Turbobenziner nicht säuft, wenn man ihm nicht ständig Volllast abfordert, sondern ihn gemächlich rollen lässt. Dabei sind gelegentliche Genuss-Gasstöße durchaus drin.