Audi Cabriolet (8G) als Hochzeitsauto
Andreas, Carina und ihr Audi Cabrio

Andreas und Carina Blecher wollten eigentlich einen Audi 80 Avant als Hochzeitsauto. Dann kam ein Audi Cabriolet – so entstand eine Dreiecksbeziehung.
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So ist das mit der Liebe: Zwei treffen sich zufällig, einer verliebt sich, dann kommt eine Dritte, einer muss gehen, die nächste Beziehung beginnt ... das ist bei Menschen so und oft auch zwischen Menschen und Autos.
Audi 80 Avant in "Laserrot": Der Anfang einer Liebesgeschichte
Bei Andreas und Carina Blecher aus dem Donau-Ries begann alles mit Andreas' altem Audi 80 Avant (Baureihe B4) in "Laserrot". Kein Sammlerstück, kein Garagengold, kein fein abgestimmter Klassiker mit dreiseitigem Wertgutachten. Ein alter Kombi, 2.0 E, 115 PS, Schaltgetriebe. Andreas hatte ihn damals von einer Familie in Aichach bei Augsburg gekauft, erzählt er. Für 850 Euro.

Mit ihm fing alles an: Audi 80 Avant, der letzte Mittelklasse-Audi mit dem Namen 80 und der erste in dieser Klasse mit dem Namen Avant.
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Viel Auto, wenig Geld, noch weniger Luxus. Aber irgendwie genau richtig.
Dann trat Carina in Andreas' Leben. Zunächst sah nichts nach einer polyamorösen Dreiecksgeschichte aus. Carina sagt heute: "Als ich den Avant zum ersten Mal sah, war es für mich einfach nur ein altes Auto ohne viel Schnickschnack."
Das änderte sich.
Mit dem Audi 80 Avant nach Kroatien – ohne Klimaanlage
Der Audi wurde zum gemeinsamen Abenteuerauto. Ihr erster Pärchen-Urlaub führte Carina und Andreas im Hochsommer 2015 nach Kroatien, auf die Insel Krk. 14 Stunden Fahrt. 35 Grad. Stau. Keine Klimaanlage.
Wer so etwas gemeinsam übersteht, weiß, ob man zueinander passt.

Links die dalmatinische Adria, rechts Andreas' treuer Audi 80 Avant.
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Der Audi brachte sie zuverlässig hin und zurück nach Hause. Aber einen Tag nach der Rückkehr war alles tot. Batterie kaputt. Ursache: ein defekter Nachlauftemperaturschalter, der den Lüfter laufen ließ, bis nichts mehr lief.
Das war nur der Anfang.
Marderbiss, Panzertape und destilliertes Wasser
In Köln parkten Andreas und Carina einmal in der Tiefgarage am Dom. Auf dem Rückweg bemerkte Andreas eine Wasserspur. Er dachte noch an den armen Kerl, dem da wohl der Kühler geplatzt sein musste. Dann liefen sie der Spur hinterher. Bis zum eigenen Audi.
Motorhaube auf, Dampfwolke raus. Ein Marder hatte in der Nacht zuvor den Hauptkühlerschlauch an fünf Stellen angefressen. Also zum Drogeriemarkt, destilliertes Wasser, Panzertape. Notreparatur in der Tiefgarage. Für den Hubschrauberelektriker keine große Aufgabe. Hielt sechs Monate.
Seitdem lagen immer Werkzeug und zwei, drei Liter destilliertes Wasser im Auto.
In Ingolstadt dann die nächste Tiefgarage, die nächste Pfütze, das nächste Kühlsystemproblem. Diesmal spritzte Andreas nach dem Öffnen der Haube ein feiner Wasserstrahl entgegen. Carina lachte. Wieder Panzertape, wieder Improvisation, wieder Heimfahrt.
So lernt man ein Auto kennen. Und sich selbst.
Carina beschreibt die beiden Audis heute so: "Bei jeder Fahrt fragt man sich, ob es eine ganz normale Autofahrt wird oder ob wieder ein neues Abenteuer auf einen wartet, über das man später schmunzeln kann."
2017 musste der Avant gehen. Eine Neuanschaffung stand an, der Platz reichte nicht, das Leben zog weiter. Aber das Auto blieb in den Köpfen. Carina sagt: "Es fühlte sich an, als würde ein Teil von uns mit ihm gehen."

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Die Suche nach einem Audi 80 als Hochzeitsauto
Nach dem Heiratsantrag und Carinas Ja kam Andreas eine Idee. Er wollte seine Frau überraschen. Mit einem Audi 80 Avant in Laserrot als Hochzeitsauto. Genau so einem Auto wie damals.
Nur: Carina hatte die gleiche Idee!
Andreas suchte heimlich von der Arbeit aus. Immer wieder tauchte bei seiner Suche eine Anzeige auf, allerdings nicht für einen Avant, sondern für ein Audi Cabriolet. Das auf dem Audi 80 B4 basiert, also eng mit dem Avant verwandt. "Laserrot", Baujahr 1992, Fünfzylinder. Es stand in der Nähe von Hamburg. Mehr als 700 Kilometer entfernt.
Irgendwann erzählte Andreas seiner Frau von seinem Plan. Da schaute sie ihn mit großen Augen an, grinste, boxte ihm in die Seite und sagte: "Du Depp! Ich suche seit Monaten jemanden, der uns für einen Tag einen Audi 80 Avant in Laserrot als Hochzeitsauto ausleiht, um dich zu überraschen."
Andreas sagt dazu nur: "Ich liebe sie einfach."
Statt Vierzylinder-Kombi ein Fünfzylinder-Cabriolet
Statt eines Avant wurde es ein Cabrio. Genauer: ein Audi Cabriolet 2.3 E, Fünfzylinder, 133 PS, Automatikgetriebe, heute rund 128.000 Kilometer. Passend dazu: Baujahr 1992, genau das Geburtsjahr von Carina. Kann man Zufall nennen. Muss man aber nicht.

Liebe in "Laserrot": das Audi Cabriolet (Typ 8G) von Carina und Andreas. Winterpause von November bis März hatte es schon länger, inzwischen trägt es ein H-Saison-Kennzeichen.
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Freunde halfen beim ersten Blick auf das Auto. Sabrina und Sven waren gerade im Norden im Urlaub, fuhren einen Umweg, sahen sich den Audi an, machten Fotos und Videos, Sven fuhr Probe. Beziehung zu Audi-Youngtimern? Nein. Aber offenbar genug Gefühl für eine gute Einschätzung.
700 Kilometer zum Audi Cabrio nach Hamburg
Dann wurde es ernst. Andreas und Carina fuhren im Juni 2022 mit dem ICE nach Hamburg, kauften das Cabrio für 8600 Euro (Buchhaltungsprofi Carina stimmte zu) mit frischer HU-Plakette und machten sich noch in derselben Nacht auf den Heimweg nach Bayern.
Die Heimfahrt war kein gewöhnlicher Gebrauchtwagen-Transfer. Es war die Rückfahrt mit dem künftigen Hochzeitsauto.
Bei jeder Pause auf dem Rastplatz wurde Carina unruhig. Andreas erinnert sich, wie sie mehrfach zum Audi blickte: Steht er da gut, wer parkt da jetzt neben unserem Auto, lass uns mal lieber zurück zum Auto gehen.
Wer so redet, hat kein Auto gekauft. Sondern Verantwortung übernommen.
Am nächsten Morgen standen sie bei der Zulassungsstelle. Müde, fertig, glücklich.
Das Cabrio war in altersgerechtem Zustand. Das Verdeck hatte kleine Risse, das Rückleuchtenband kleinere Beschädigungen, der Innenraum sah gut aus. Alles beherrschbar.
Dachten sie.
Reparatur-Panik kurz vor der Hochzeit
Drei Wochen vor der Hochzeitsfeier wurde ein Problem an der Lenkung festgestellt. Zwei Wochen vor dem Termin begann die Reparatur. Schlechter Zeitpunkt? Gibt kaum einen besseren, wenn man seine Nerven testen will.
Der Vorbesitzer hatte sechs Monate zuvor bei einer VW-/Audi-Werkstatt im Hamburger Raum eine neue Lenkung einbauen lassen. Nur: Es war die falsche. Eine Lenkung für den 2.0 E, nicht die passende für den 2.3-E-Fünfzylinder. Andreas, der Vorbesitzer und die Werkstatt redeten miteinander, die Audi-Werkstatt lieferte Fotos, am Ende gab die Hamburger Werkstatt laut Andreas den Fehler zu und übernahm die Kosten: 2600 Euro für eine komplett neue Lenkung von Audi.
Andreas sagt: "Da ist uns ein großer Stein vom Herzen gefallen."
Hochzeit in Corona-Zeiten: allein auf dem Standesamt
Aber der andere Stein lag noch: Würde das Audi Cabrio bis zur Hochzeitsfeier fertig werden? Oder müssen sie ohne ihr Herzensauto feiern?
Die standesamtliche Hochzeit war schon am 1. April 2020 in Donauwörth gewesen. Corona-Zeit. Strenge Einschränkungen. Im Standesamt durften nur drei Personen dabei sein: Carina, Andreas und die Standesbeamtin. Keine Feier, keine Versammlung. So stellt man sich seine Hochzeit eher nicht vor.

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Am 30. Juli 2022 wurde die Feier nachgeholt. Und diesmal sollte alles besonders werden. Vor allem für Carina.
Kurz davor purzelte der zweite Stein: Das Cabrio war gerade rechtzeitig fertig.

Das Nardi-Holzlenkrad war 1991 schon sehr retro, Blumenschmuck auf der Motorhaube ist ebenso klassisch.
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Hochzeitsauto mit Hindernis: Die Braut und das Cabrio
Zuerst ging es zum Fototermin. Andreas (damals 41) fuhr allein im Audi zum Treffpunkt, Carina (30) kam mit ihrer Mutter. Erstes Aufeinandertreffen, Fotos, große Gefühle. Dann sollte die Braut ins Cabrio.
Es gab nur ein Problem: Das Kleid wollte nicht. Die Reifringe waren zu weit für den Beifahrerfußraum.
Mit Hilfe der Fotografin und unter viel Gelächter gelang das Einsteigen schließlich doch. Andreas beschreibt die anschließende Fahrt so: "In dem Cabrio sah man einen Mann am Steuer und auf dem Beifahrersitz einen großen weißen Puschel, aus dem eine Frau herausschaute. Drei Ortschaften weit."

Bis Carina im Hochzeitskleid auf den Beifahrersitz passte, war einiges an kreativer Einpackarbeit nötig. Laut Andreas sah es aus wie ein weißer Puschel, aus dem eine Frau herausschaut. Das Rückleuchtenband hatte das Paar schon ersetzt.
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Warum dieses Audi Cabriolet niemals verkauft wird
"Heute ist das Cabriolet ein Teil unserer Familie, und wir möchten es nicht mehr missen", bekennt Carina.
Und Andreas? Der sieht das genauso. Nach Avant, Kroatienhitze, Marderbiss, Panzertape, ICE-Fahrt, Nachttransfer, falscher Lenkung und Hochzeitskleid im Beifahrerfußraum steht fest: Dieses Auto bleibt.
Oder, wie die beiden sagen: "Dieses Cabrio wird niemals verkauft. Es ist ein Teil unserer Geschichte, ein Teil von uns und mittlerweile ein Familienmitglied."
Es gibt nüchternere Gründe, ein Audi Cabriolet zu behalten. Einen Fünfzylinder zum Beispiel. Die klassische Form. Die Farbe. Den Zustand. Die überschaubare Technik.
Aber bessere Gründe gibt es kaum.
Technische Daten Audi Cabriolet 2.3 E (8G/Typ 89)

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- Motor Fünfzylinder-Reihenmotor, eine oben liegende Nockenwelle
- Hubraum 2309 cm3
- Leistung 98 kW (133 PS) bei 5500/min
- max. Drehmoment 186 Nm bei 4000/min
- Antrieb Vierstufen-Automatikgetriebe (Serie: Fünfgang-Schaltgetriebe), Vorderradantrieb
- Bremsen Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet
- Länge/Breite/Höhe 4366/1716/1379 mm
- Radstand 2556 mm
- Fahrwerk MacPherson-Federbeinachse vorn, Torsionskurbelachse hinten
- Leergewicht 1350 bis 1370 kg (mit Schaltgetriebe)
- Beschleunigung 0–100 km/h in 10,8 s
- Höchstgeschwindigkeit 198 km/h
- Verbrauch 12,3 Liter Normal/100 km (mit Schaltgetriebe)
- Neupreis (1991) 51.950 Mark (mit Schaltgetriebe), 54.350 Mark (mit Automatik)
- Wert (2026) laut Classic Data in Zustand 2: 10.700 Euro; in Zustand 3: 5000 Euro
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