Bizzarrini GT Europa mit Opel-Motor
Wie viel Opel steckt in diesem Bizzarrini?
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Wir sind auf dem Concorso d'Eleganza Villa d’Este 2025, Europas höchst glamourösem Schönheitswettbewerb für klassische Autos. Auf dem weißen Kies zwischen Dino 206 GT und Ferrari 330 GTC steht ein weiterer italienischer Sportwagen – Oldtimer-Kenner glauben im Vorbeigehen, einen Bizzarrini GT 5300 zu erkennen, das berühmteste Auto der Marke. Aber Moment mal! Der hier ist ja viel kleiner.

Dieser Bizzarrini GT Europa von 1966 stand auf dem Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2025. Er war das persönliche Alltagsauto von Giotto Bizzarrini – mehr dazu weiter unten.
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Was war der Bizzarrini Europa?
Ja, denn das hier ist ein Bizzarrini Europa – die Baureihe, die die finanziell strauchelnde Marke vor dem Konkurs retten sollte. Das hat nicht geklappt, Ende der 60er-Jahre musste Firmengründer Giotto Bizzarrini die Tore schließen. Wie viele – nein, wie wenige der kleinen Zweisitzer seine Firma gebaut hat, erfahren wir gleich.

Der Kühler sitzt links kurz vor der Spritzwand, ein Teil der Kühlluft muss seitlich durch den Kotflügel. Diesen hier zerknautschte Giotto Bizzarrini bei einem kleineren Crash.
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Ist die Plattform von Opel?
Wie kann das sein? Der Bizzarrini Europa erschien 1966, der Opel GT erst 1968. Meint der Veranstalter die Bodengruppe vom Kadett B, auf der auch der Opel GT aufbaut?

Blick über die Motorhaube. Warme Abluft strömt durch kreisrunde Löcher auf die Frontscheibe.
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Laut Besitzer steht der Wagen nicht auf einer Opel-Plattform: "Für das Auto hat Bizzarrini von Grund auf einen eigenen Rahmen entwickelt", sagt Malte Fromm (58) aus München. Er sollte es wissen, denn ihm gehört nicht nur dieses Auto, sondern er hatte nach eigenen Angaben die Konkursmasse von Giotto Bizzarrinis Firma aufgekauft, einschließlich des Archivs.
Welchen Motor hat der kleine Bizzarrini?
Wie kommt der Concorso-Veranstalter auf Opel? Der 1,9-Liter stammt tatsächlich von General Motors, er ist der gleiche wie im Opel Rekord C und später im GT. Das bestätigt der Besitzer.

Der Vierzylindermotor sitzt weit hinter der Vorderachse, ähnlich wie später beim Opel GT.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Im Bizzarrini hat der Vierzylinder aber eine andere Motornummer als bei GM, Bizzarrini hatte ihn überarbeitet, und er hat zwei Weber-Doppelvergaser. Die Leistung des GT ist in alten Datenblättern mit 110 PS nach SAE-Norm angegeben, je nach Übersetzung soll der GT Europa damit 195 oder 206 km/h schaffen. Dazu trägt auch bei, dass die von Pietro Vanni gestaltete Karosserie im Windkanal der Universität Pisa getestet worden war – der Uni, an der Giotto Bizzarrini 1953 seinen Abschluss als Ingenieur gemacht hatte.
Die Topversion GT Europa 1900/SS leistete laut Prospekt 120 PS und lief schneller als 210 km/h.

Geschwungenes Typlogo auf der breiten B-Säule. Das Modell wird mal Bizzarrini 1900 GT Europa genannt, mal nur Bizzarrini GT Europa oder einfach Bizzarrini Europa, im Prospekt stand G. T. Europa 1900.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Wie fährt sich der GT Europa?
Der 1,9-Liter ist weit hinter der Vorderachse eingebaut, dadurch ist die Gewichtsverteilung fast ideal. Dazu kommt die leichte GFK-Karosserie (das ganze Auto wiegt nur 680 Kilogramm!) und die Hinterachse aus einer Magnesium-Legierung mit Einzelradaufhängung an Trapezquerlenkern und mit Scheibenbremsen von Campagnolo. "Damit fährt sich das Auto fast wie ein Alfa Romeo TZ2", der noch etwas leichtere Sport- und Rennwagen, schwärmt Fromm.

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Wie viele GT Europa hat Bizzarrini gebaut?
Im Programmheft des Concorso d'Eleganza steht: "Je nach Quelle wurden zwischen 1966 und 1969 lediglich zwölf bis 17 Exemplare produziert, obwohl ursprünglich eine größere Stückzahl für die Serie geplant war." Der Besitzer des Autos und des Archivs sagt eindeutig: "Es gab zwölf Serienautos."

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Wer war Erstbesitzer dieses Exemplars?
Für Bizzarrini-Kenner ist etwas ganz anderes spannend: Dieses unrestaurierte Exemplar im Farbton Giallo Medio (Farbcode 1.217.2050) war das Auto vom Chef, der persönliche Alltagswagen von Giotto Bizzarrini und seiner Frau! Im linken vorderen Kotflügel sieht man noch die Stelle, die repariert werden musste, als Giotto nach einer schönen Mahlzeit in einen Felsen krachte.

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
1978 verkaufte er das Auto nach Schweden, für 1,8 Millionen Lire (der Kaufvertrag existiert noch) – das waren damals nur etwa 760 Mark.

Bild: privat
2012 kam das Auto nach Deutschland: Malte Fromm kaufte es dem Käufer ab. Jetzt, auf dem Concorso d'Eleganza Villa d'Este, hat er zum ersten Mal das Auto in der Öffentlichkeit präsentiert.
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