BMW 1800 TI: Pick-up-Umbau
Wer ist bei diesem BMW der Aufschneider?

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Pick-up-Umbauten gibt es wie Sand am Meer. Dieser hier ist aber ganz besonders: keine lange Ladefläche, sondern im Grunde zwei Kofferräume mit zwei Deckeln hintereinander. Dazu die halben hinteren Türen der viertürigen Limousine und ein seltsam nach hinten gezogenes Dach. Ziemlich irre.
Warum weiß BMW nichts vom 1800 TI Pick-up?

Zwischen den schwungvollen B-Säulen steht eine nach hinten geneigte Heckscheibe. Die Räder sind aus dem Zubehör.
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Aber das scheint den Leuten, die es jetzt in eine Versteigerung gegeben haben, nicht zu reichen: "Eines von zwei Exemplaren, die speziell bei BMW bestellt wurden", schrieben sie stolz ins Inserat. Die britische Verkaufsplattform Car and Classic gibt das so weiter: "Der Verkäufer sagt uns, dass dieses Fahrzeug zu einer Sonderserie von zwei Exemplaren gehört, die für den Einsatz als Servicefahrzeuge eines BMW-Händlers geschaffen wurden."

Die beiden Gepäckträger auf den beiden Kofferraumdeckeln zeigen, worauf es wohl besonders ankam: Lasten hier im ersten Obergeschoss zu transportieren. Vielleicht Motorräder?
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Könnte ja sein. Nur: Auf AUTO BILD-Nachfrage bei BMW teilt das Werk uns mit, sie könnten "leider überhaupt nichts zu diesem Fahrzeug sagen". Trotzdem haben schon die ersten Websites ungeprüft behauptet, das Auto sei "von BMW selbst gebaut" worden.
Eigentümliches Pick-up-Konzept

Der erste Deckel hinter dem Fahrerhäuschen ist offenbar fest verschweißt; an den Raum darunter kommt man von der Seite durch die oben abgeschnittenen Türen.
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Wer es auch war: Das Ergebnis ist, öhm, ungewöhnlich. Kein Pick-up nach australischem "Ute"- oder südafrikanischem "Bakkie"-Muster mit ebener, tiefer Ladefläche, sondern ein Doppeldeckler. Also ein Deckel gleich hinter der Fahrgastzelle, fest verlötet, und dahinter ein Kofferraumdeckel wie bei der Limousine. Die Rückwand blieb verschweißt, da klappt keine Klappe nach unten.

Der Durchgang vom serienmäßigen Kofferraum zum Stauraum davor (wo die Rücksitzbank war) ist frei. Das schwarze Rohr ...
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... ist eine Abschleppstange, zu montieren an der Anhängerkupplung.
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Offenbar ging es nicht darum, Schränke oder Schafe zu transportieren. Laut Verkäufer wurde er beim nicht genannten BMW-Händler als Servicefahrzeug eingesetzt – wofür? Für Motorräder? Wo ist dann die Rampe?

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Gerade mit dem sportlichen Dekor in Martini-Optik sieht der Wagen aus wie ein Begleitfahrzeug bei der Tour de France, das Rennräder transportierte. Wer mehr weiß, möchte uns bitte schreiben: an feedback@autobild.de.

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Für eilige Aufträge jedenfalls war der Pick-up prädestiniert: Er basiert nicht auf irgendeinem Modell der Baureihe Neue Klasse, sondern auf dem 1800 TI, der eine beliebte Basis für Tourenwagenrennen war.
BMW Neue Klasse auf Französisch

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Frankreich jedenfalls stimmt schon mal: Der BMW trägt die typischen gelben Scheinwerfer und Zusatzleuchten des französischen Herstellers Marchal, und er ist jetzt auch von Frankreich aus versteigert worden. Die französischen Behörden verleihen Oldtimern auch wieder schwarze Kennzeichen nach historischem Vorbild – davon träumen deutsche Fans des H-Kennzeichens!

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Nach hinten geneigte Heckscheiben sah man 1965 nahezu täglich auf Frankreichs Straßen: 1961 war der Citroën Ami 6 auf den Markt gekommen. Bei diesem Kleinwagen sah es ganz ähnlich aus.
So viel ist der BMW Pick-up wert

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In der Auktion auf carandclassic.com fiel der Hammer für den umgebauten BMW 1800 TI jetzt bei 16.000 Euro.
Vielleicht findet der nächste Besitzer ja mehr heraus über dieses mysteriöse Fast-Einzelstück.
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