Citroën CX 25 GTI Turbo II: Auktion
Warum zahlt jemand 31.000 Euro für diesen CX?

Hat der zu viel Geld? Beim Auktionshaus Artcurial ersteigerte ein Kunde diesen Citroën CX für 31.000 Euro – weit überm Marktwert. AUTO BILD hakt nach.
Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Zugegeben: Das scheint ein wirklich guter Citroën CX zu sein. Gut 80.000 Kilometer gelaufen, aus zweiter Hand, laut Verkäufer sind die gestempelten Service-Checkhefte, Rechnungen und Bedienungsanleitungen dabei.
Und es ist eine begehrte Variante der Baureihe: der Citroën CX 25 GTI Turbo II, das 1986 eingeführte Topmodell mit Turbolader, Ladeluftkühler und 168 PS. Damit ist der Wagen rund 220 km/h schnell.

Ein mächtiger Spoiler kämpft bei den Turbo-Modellen des Citroën CX …
Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial

… gegen Auftrieb bei hohem Tempo.
Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Deshalb geben Auktionshäuser Schätzpreise an
Aber die Leute von Artcurial schrieben 30.000 bis (festhalten!) sogar 50.000 Euro an diesen Citroën CX, bevor er am 27. Januar 2026 versteigert wurde. Diese Zahlen setzte das Auktionshaus als "estimate" an – also als Schätzpreis, sodass Bieter schon eine Vorstellung haben, wo etwa das Ergebnis liegen könnte.
Und tatsächlich: Am Ende zahlte ein Bieter satte 30.992 Euro für den Wagen!
Wie viel ist ein guter Citroën CX GTI wirklich wert?
Ein Citroën CX 25 GTI Turbo II in Zustand 2 (also in wirklich gutem Zustand) liegt laut der Sachverständigenorganisation Classic Data bei 20.400 Euro. Selbst in Zustand 1, also makellos, wie fabrikneu und praktisch wie ungefahren, sieht Classic Data das Modell bei 28.500 Euro.
Warum soll dieser CX so teuer sein?
Classic-Data-Geschäftsführer Marius Brune fand schon vor der Auktion das Estimate auf AUTO BILD-Nachfrage "sportlich". Er spekulierte: "Vielleicht hoffen die wieder auf den Auction Madness Effekt! Den gab es ja schon öfter, wie ich selbst live bei Artcurial erlebt habe." Eine Eigendynamik, wenn reiche Kunden auf einer Oldtimer-Auktion sich in einen Kaufrausch hineinsteigern.
Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass am Ende tatsächlich mehr als 30.000 Euro gezahlt wurden. Die Versteigerung fand am 27. Januar 2026 in Paris statt, am Tag vor der Eröffnung der Oldtimermesse Rétromobile.

Laut Walze hat der Citroën CX knapp mehr als 80.000 Kilometer runter. Bei laufendem Motor leuchten keine Kontrolllampen.
Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Fragen wir das Auktionshaus Artcurial selbst: Wie kamen Sie auf einen dermaßen optimistischen Schätzpreis? AUTO BILD hat per E-Mail dort angefragt. (Einen Fahrvergleich mit den großen Citroën vom Traction Avant über den CX bis zum C6 haben wir übrigens hier.)
Der Citroën CX 25 GTI Turbo II im Detail
Bis die Antwort kommt, sehen wir uns den CX mal genauer an. Makellos, fabrikneu und wie ungefahren ist das silberne Exemplar Baujahr 1987 sicherlich nicht. Die Karosserie sieht von außen klasse aus; Fotos vom Unterboden oder von Stellen, an denen üblicherweise Rost nagt, sind nicht Teil des Inserats.
Die riesigen Ledersessel vorn sind patiniert, zeigen also sehr schön, dass dieser Wagen eine Geschichte hat. Aber: Hätte das Leder mehr Pflege erfahren, sähe es heute noch frischer und weicher aus.

Die Ledersitze vorn: schön patiniert, aber eben nicht Zustand 2.
Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Der Armaturenträger ist vollständig, Lenkrad und Schaltknauf sehen nicht abgegriffen aus. Eine Klappe in der Mittelkonsole sitzt schief – na gut, das könnte auch seit dem Tag der Auslieferung so sein.

Gut erhaltenes Citroën-CX-Cockpit, schiefe Klappe vorm Schalthebel, CD-Radio von Continental nicht original.
Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Das CD-Radio zwischen den Vordersitzen ist nicht original – in den Unterlagen liegt eine Bedienungsanleitung für das Kassettenradio Blaupunkt Arizona. Der Autoschlüssel sieht nicht appetitlich aus. Der Dachhimmel wirft ein paar Falten, hängt aber nicht herunter.

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Der Motorraum ist nicht jungfräulich, aber außergewöhnlich gepflegt.

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Den Kofferraumteppich hätte der Verkäufer reinigen oder wechseln können. Unschön ist auf den Fotos die braune Unterkante der Heckscheibe, sichtbar bei offener Heckklappe. Ebenso braun ist der Rahmen ums offene Schiebedach.

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Aber insgesamt ist es ein schönes, begehrenswertes Exemplar.
So legt das Auktionshaus Artcurial Schätzpreise fest
Ah, die Sprecherin von Artcurial hat sich schon zurückgemeldet! "Die Schätzpreise werden vom Expertenteam von Artcurial Motorcars unter Berücksichtigung von Zustand, Seltenheit, Herkunft und Geschichte jedes Fahrzeugs erstellt", erklärt sie. "Diese Schätzpreise werden dem Eigentümer vorgelegt, der gemeinsam mit dem Auktionshaus entscheidet, ob ein Mindestpreis festgelegt werden soll."
Einen Mindestpreis hatten sie für diesen Citroën CX nicht festgelegt – wenn sich die Interessenten nicht hochgeschaukelt hätten, hätte der Hammer schon bei einem realistischeren Preis fallen können.

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Was diesen Citroën CX so besonders macht
Warum aber der so hohe Schätzpreis? Der Anbieter, schreibt uns die Sprecherin, "suchte zehn Jahre lang nach einem Fahrzeug, das genau diesen Spezifikationen entsprach, und stieß dabei auf oft rostige Autos mit zu hoher Kilometerzahl, die weder über ein Schiebedach noch über eine Lederausstattung verfügten … Dieses Fahrzeug erfüllte all seine Wünsche."

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Jacques Chirac hatte so einen CX als Dienstlimousine
Tatsächlich steht folgende hübsche Anekdote im Inserat: "Als er [der Anbieter, geboren im Département Corrèze] am 17. Mai 1995 den frisch gewählten Präsidenten Jacques Chirac (ebenfalls aus Corrèze) in seinem CX GTI Turbo II durch Paris fahren sah, beschloss er, selbst nach einem solchen Wagen zu suchen. Er sollte dabei vier Kriterien erfüllen: 1. Erstbesitzer mit vollständiger Servicehistorie, 2. weniger als 100.000 km Laufleistung, 3. Lederausstattung und Schiebedach." Nach gut zehn Jahren Suche entdeckte er 2017 auf einer Messe einen CX mit Schiebedach. "Er ging sofort hin und stellte fest, dass dieses Auto alle seine Kriterien erfüllte … Volltreffer!"

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
So begründet das Auktionshaus den hohen Schätzpreis
Die eigentliche Rechtfertigung für den hohen Schätzpreis beschreibt die Sprecherin aber so: "Ein Fahrzeug mit allen Originaloptionen, nur zwei Vorbesitzern (der erste besaß es 30 Jahre lang), geringer Laufleistung und noch mit den originalen Handbüchern und Serviceheften zu finden, ist heutzutage nahezu unmöglich."

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Mit anderen Worten: Wer so einen Citroën CX sucht, für den ist dieser fast alternativlos. Nimm ihn, oder lass es.
Das Prinzip scheint öfter zu funktionieren: "Erwähnenswert ist, dass wir einen Citroën DS 23 Pallas, eine Limousine, für 186.000 Euro verkauft haben, während die Schätzung ohne Mindestpreis bei 80.000 Euro bis 120.000 Euro lag."

Bild: Kevin Van Campenhout / Artcurial
Kommentar
Ich finde die Preisvorstellung für diesen Citroën CX zwar überhöht. Aber am Ende zählen Angebot und Nachfrage. Wenn zwei Bieter sich bei dieser Auktion hochschaukeln, und einer ist bereit, 30.000, 50.000 oder meinetwegen 80.000 Euro dafür hinzublättern – bitte, dann ist das seine freie Entscheidung, seine Nachfrage. Den Versuch, auf ehrliche Weise viel Geld für sein Auto herauszuschlagen, finde ich legitim.
Und selbst bei 80.000 Euro hätte der CX 25 GTI Turbo 2 mehr Ausstrahlung als jeder gleichwertige Neuwagen.
Service-Links












