"Hello again! Du, isch möschte disch heut noch sehn!" Ob Schlagersänger Howard Carpendale diesen Song jemals in seinem Bitter CD von 1976 gesungen hat? Eher nicht. Denn erstens bollert der 5,4-Liter-Achtzylinder so schön, dass du vor lauter Begeisterung lieber dem Motor zuhörst; zweitens kam der Song 1984, da fuhr Howie längst ein anderes Auto.

Fuhr Howard Carpendale wirklich diesen Bitter CD?

Jetzt ist 2026, und Howie, wie Fans Howard Carpendale zärtlich nennen, wird 80 Jahre alt. Geboren am 14. Januar 1946 in Durban (Südafrika), kaufte er seinen Bitter CD vor genau 50 Jahren – also mit 30. AUTO BILD KLASSIK hat genau dieses Auto aufgespürt.
Howard Carpendale mit zwei Fans am Bitter CD
Als Howard Carpendale ein Konzert in Bad Sooden-Allendorf (Hessen) gab, überraschten ihn Timo Kullik und Ehefrau Katrin mit seinem Bitter CD von 1976. Carpendale ...
Bild: privat
Howard Carpendale signiert den Bitter CD
... freute sich und signierte den Wagen sofort.
Bild: privat
Dass Howard Carpendale den Bitter von November 1976 an wirklich fuhr, sei erwiesen, sagt der jetzige Besitzer Uwe Kullik aus Bad Sooden-Allendorf, im früheren Leben Polizei-Hauptkommissar und bis heute großer Bitter-Kenner. Erstens konnte sich Erich Bitter bei Inaugenscheinnahme des CD noch gut erinnern, und zweitens erkannte Howie sofort die Sitzbezüge.

Howard Carpendales Bitter CD ist zu verkaufen!

Für 67.800 Euro steht er gerade bei mobile.de zum Verkauf, inklusive ein Jahr Mitgliedschaft im Bitter-Club International, in dem sich Kullik und Kollegen mit Tipps und Teilen helfen.
Bitter CD fahrend von der Seite
Der italienischste Opel aller Zeiten! Großserientechnik des Opel Diplomat plus Design mit Anleihen von Maserati, fertig ist ein 4,86-Meter-Traumcoupé.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD

Wer besaß den Bitter CD nach Howard Carpendale?

Irgendwann kaufte ein Opel-Meister und Kfz-Prüfer Carpendales Bitter CD und fuhr ihn 27 Jahre lang. Er konnte aber nie gerichtsfest beweisen, dass Howard Carpendale mal am Steuer saß.
Dann schlug die Stunde von Uwe Kullik, einem Grandseigneur in der Bitter-Szene, der eigentlich immer einen Bitter besaß, nur nicht in den 90er-Jahren, als er ein Haus kaufte und kleinere Brötchen backen musste.
Bitter CD stehend von schräg hinten
Die Heckscheibe des Bitter CD geht auch als Wintergarten durch. Aber Achtung: Ersatz gibt's dafür nur noch gebraucht, der Preis darf gern gewürfelt werden.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD

Welche Farbe hatte der Bitter CD bei Carpendale?

"Der Wagen war aber silber", so Kullik, habe der Sänger 2018 gesagt, als ihn Sohnemann Timo und Schwiegertochter Katrin nach einem Konzert in Bad Sooden-Allendorf (Hessen) am Hotel abfingen und ihm den CD präsentierten. Dabei fiel sein Blick auf die Stoffsitze mit den lila-rosa Streifen, die Erinnerung war wieder da. Hello again!
Und das mit der anderen Farbe? "War damals halt so. Bitter hat seine Autos bis zu viermal umlackiert, um auf Messen immer den Eindruck zu erwecken, ein neues Auto zu zeigen", sagt Uwe Kullik. Der Howie-Bitter, der silbern auf die Welt kam, glänzte verbrieft schon 1979 in "Rotmetallic".

Was für Sitzbezüge sind das?

Sitze im Bitter CD
Die Polsterstoffe hat Lufthansa mal für seine Flugzeuge in Betracht gezogen, die Idee dann aber verworfen. Howard Carpendale wollte sie unbedingt.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD

Kullik konnte über Carpendales Bitter CD rausfinden: Die Bezüge hat mal die Lufthansa für ihre Flieger in Betracht gezogen, dann aber verworfen. Howard Carpendale wollte sie unbedingt im Auto haben, habe der ehemalige Bitter-Sattler bestätigt.
Cockpit des Bitter CD
Welch ein Cockpit im Bitter CD! Viel Holz, viel Leder, Vierspeichenlenkrad, breite Mittelkonsole. Und Fußmatten mit Bunny-Logo für Playboys.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD
Automatikwählhebel des Bitter CD
Auch der Automatikwählhebel würde in ein Flugzeug passen.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD

Was eigentlich ist ein Bitter CD?

Der Bitter CD ist eines der exklusivsten deutschen Luxus-Coupés der 1970er-Jahre. Grob gesagt ist der Bitter CD ein deutsches Auto mit italienischer Hülle und amerikanischem Motor. Also ein in Kleinserie produzierter, herzzerreißender, weil flunderflacher Exot mit Großserientechnik von General Motors samt Chevrolet-V8 und Opel-Diplomat-Bodengruppe.
Motor des Bitter CD
Der 5,4 Liter starke V8 stammt von Chevrolet und leistet 230 PS.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD
Für seinen Erfinder Erich Bitter, zu Glanzzeiten mal achtgrößter Autohersteller Deutschlands, war er nichts weiter als ein großes Coupé in italienischem Stil, dessen Technik keine Zicken macht.

Wie viele Bitter CD wurden gebaut?

Erst mal war auf der Frankfurter IAA 1973 Weltpremiere, 173 Kunden unterschrieben einen Kaufvertrag. Aber dann trafen die Ölkrise und der Verbrauch jenseits von 20 Litern aufeinander, und viele sprangen wieder ab. Unterm Strich entstanden bis 1979 bei der Karosseriefirma Baur in Stuttgart nicht die anvisierten 1000 Fahrzeuge, sondern lediglich 395.
Cockpit des Bitter CD
Welch ein Cockpit im Bitter CD! Viel Holz, viel Leder, Vierspeichenlenkrad, breite Mittelkonsole. Und Fußmatten mit Bunny-Logo für Playboys.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD

Was für Kunden kauften Bitter CD?

Erich Bitter, Rennfahrer, Konstrukteur und Visionär, kümmerte sich mit spezialisierten Partnern um den Vertrieb, und Menschen wie Howard Carpendale waren Teil seiner Marketing-Strategie. Bitter versorgte Promis mit Autos, so etwa die Bayern-München-Helden Paul Breitner und Kalle Rummenigge oder die Eintracht-Frankfurt-Kicker Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein, Schauspielerin Uschi Glas oder Schlagerstars wie Ireen Sheer und Heino. Und Howard Carpendale.
Klappscheinwerfer des Bitter CD, während sie öffnen.
Die Scheinwerfer des Bitter CD. Ein Auge hängt mal kurz, sieht lustig aus wie damals bei Karl Dall.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD
Die ganze Geschichte mit vielen charmanten Details und mehr über Uwe Kulliks Bitter-Sammlung lesen Sie in der gedruckten AUTO BILD KLASSIK, Ausgabe 2/2026.
Bitter CD stehend von schräg vorn mit dem Verkäufer und dessen Sohn
Uwe Kullik war im früheren Leben Polizei-Hauptkommissar, sein Sohn Timo ist Versicherungsmakler.
Bild: Gudrun Muschalla / AUTO BILD

Technische Daten Bitter CD

  • Motor Achtzylinder, vorn längs, zwei Ventile je Zylinder
  • Hubraum 5354 cm3
  • Leistung 169 kW (230 PS) bei 4700/min
  • max. Drehmoment 426 Nm bei 3100/min
  • Beschleunigung 0–100 km/h in 9,9 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
  • Antrieb Dreistufenautomatik, Hinterradantrieb
  • Länge/Breite/Höhe 4855/1845/1285 mm
  • Leergewicht 1720 kg
  • Zuladung 480 kg
  • Verbrauch 21,8 Liter Super/100 km
  • Neupreis (1975) 59.875 Mark