Ferrari F355 GTS von Michael Schumacher: Youngtimer-Auktion
Blauer Ferrari wird versteigert – gehörte er wirklich Schumi?

Bild: Willem Verstraten/RM Sotheby’s; picture alliance / HJS-Sportfotos picture-alliance/dpa
Inhaltsverzeichnis
- Warum war Schumis erster Ferrari ein Politikum?
- Wird genau dieser Ferrari jetzt versteigert?
- Wo war Schumis jüngerer Ferrari F355 all die Jahre?
- Wo hat Schumi den jüngeren F355 gefahren?
- Hat Schumi Spuren an dem Wagen hinterlassen?
- Ist die Geschichte lückenlos dokumentiert?
- Wie viel wird Schumis Ferrari kosten?
- Ist das Auto in der Auktion wirklich Schumis Ferrari?
- Wo kann ich Schumis Ferrari kaufen?
"Erwischt!", schrieb BILD am SONNTAG damals, und: "Dieses Foto kann Schumi höllischen Ärger machen."

Die BILD am SONNTAG berichtete am 24. September 1995 über Schumi, der in einem Ferrari F355 gesichtet wurde.
Bild: BILD am SONNTAG
Zu diesem Zeitpunkt im September 1995 war Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher (heute 56) noch beim Rennstall Benetton unter Vertrag. Und da die Motoren 1995 von Renault kamen, gab es in diesem Vertrag vielleicht eine Klausel, dass er nicht in Autos anderer Marken gesehen werden darf.
Aber dann kam Ferrari. Oder Schumi ging hin. Seit Sommer 1995 war es beschlossene Sache, dass er in der Saison 1996 für Ferrari starten würde – erstmals beim Großen Preis von Australien am 10. März in Melbourne.
Und so stand eines Tages bei den Schumachers ein nigelnagelneuer Ferrari F355 GTS vor der Tür. Nicht das neueste Modell von Ferrari – nachher war noch der F50 erschienen –, aber schon der F355 als Basismodell war eine Provokation. Heute spekulieren Fans, ob Schumi sich die Farbe "Blu Le Mans" (Farbcode 516/C) in Kombination mit Leder in "Crema" (A 3997) nach seinem Geschmack ausgesucht hat – oder ob die gedeckte Farbe helfen sollte, den Ärger bei Renault zu begrenzen. Denn Rot hätte vielleicht noch mehr provoziert.
Offenbar nicht. Das Aktionshaus RM Sotheby’s will vom 4. bis zum 7. Februar 2025 einen blauen F355 GTS versteigern – der scheint auch wirklich von Schumi benutzt worden zu sein.
Das Auktionshaus hat nicht nur Fotos von dem angebotenen Auto veröffentlicht, sondern auch diesen Zeitungsausschnitt. Er sei "undatiert", steht dabei – RM Sotheby's weiß also nicht, wann er erschienen ist. AUTO BILD hat herausgefunden: Der Artikel erschien in der BILD am SONNTAG am 24. September 1995.

Der Ferrari F355 GTS, Baujahr 1996, aus Michael Schumachers Vorbesitz wird vom 4. bis zum 7. Februar 2025 bei RM Sotheby's versteigert.
Bild: Willem Verstraten/RM Sotheby’s
Der Ferrari, der jetzt versteigert wird, wurde aber laut den Rechnungen am 13. April 1996 erstmals zugelassen, fast sieben Monate später. Schumi fuhr also mindestens zwei verschiedene dunkle Ferrari F355. Ob der von 1995 ihm gehört hat? Ungewiss.
Seit fast 21 Jahren stand der Wagen, der nun versteigert wird, in der Garage eines Sammlers. Der hatte den Ferrari im Mai 2004 beim Monaco Historic Grand Prix gekauft. Sympathisch: Er hat das Auto nicht in seiner Halle versauern und Standschäden sammeln lassen, sondern er hat es immer wieder gefahren – und reparieren lassen, in Wijnegem bei Antwerpen (Belgien). Mit rund 21.000 Kilometern kam es zu ihm, jetzt hat es laut Auktionshaus knapp 47.500 km runter – macht im Schnitt gut 2200 km pro Jahr in den vergangenen 21 Jahren.
Ausgeliefert wurde er von Ferrari-Importeur in Wiesbaden am 30. April 1996, zwei Tage nach seinem vierten Platz beim Großen Preis von Deutschland 1996 auf dem Hockenheimring. Im Checkheft steht die Adresse der Weber Management GmbH in Stuttgart – der Firma des damaligen Schumi-Managers Willi Weber. Nachträglich hat noch jemand "Michael Schumacher" darübergeschrieben.

Dieses Foto von Michael Schumacher in einem seiner blauen Ferrari F355 entstand in den 90er-Jahren.
Bild: privat
Schumi wohnte da schon in Monaco, und die Erstinspektion bekam der blaue F355 in der dortigen Ferrari-Vertragswerkstatt "Monaco Motors" am 5. Mai. Da hatte er 1639 km runter. Monaco Motors schrieb 2004, der Wagen wäre bis September 1997 bei ihnen im Service gewesen.
Schäden sind uns nicht bekannt. Auf der Rückseite des Fahrersitzes hat Michael Schumacher ein riesengroßes Autogramm geschrieben.

Auf der Rückseite des Fahrersitzes hat Michael Schumacher ein Autogramm hinterlassen.
Bild: Willem Verstraten/RM Sotheby’s
"Dokumentierte Geschichte" bedeutet meistens, dass Dokumente vorliegen, an denen man nachvollziehen kann, wann das Auto wo war, wem es gehört hat, wie viele Kilometer es runter hat. Kaufverträge, Fahrzeugbrief, Reparaturrechnungen, TÜV-Berichte, so was.
Das ist hier der Fall, aber es gibt ein paar Lücken. Der Verkäufer und RM Sotheby's scheint nicht zu wissen, wie viele Vorbesitzer der Ferrari hat oder wie lange er auf Willi Webers Firma lief. Bekannt ist nur, dass er 2002 Pierre Valentin aus Mougins bei Cannes (Frankreich) gehörte und später Christopher Allen aus Vallauris gleich nebenan.
Und dann ist da die Sache mit dem Motor: RM Sotheby's zeigt einige Dokumente auf seiner Website, mehrere (saftige) Rechnungen, das Checkheft, drei Magazin-Artikel über das Exemplar, sogar ein Gutachten von Ferrari Classiche, der Klassik-Abteilung des Herstellers.
Darin ist angekreuzt, dass der Motor mal getauscht wurde. Tatsächlich steht im Scheckheft von 1996, in dem auch Michael Schumachers Name eingetragen ist, die Motornummer 42783, verkauft wird das Auto mit der Motornummer 44042. RM Sotheby's spricht das in der Beschreibung des Autos auch an. Die Rechnung für den mutmaßlich sehr teuren Motortausch ist auf der Website nicht zu sehen.

Im Service-Scheckheft stehen Schumis Name und die Adresse von Willi Webers Firma – und die Motornummer 42783!
Bild: Archiv RM Sotheby's
Ob Schumi vielleicht einen stärkeren Motor in seinem Wagen hatte? Einen Versuchsträger? Spekulation.
Wir werden es voraussichtlich nicht erfahren. Denn das Auktionshaus will ein Geheimnis daraus machen: "Sealed" nennt RM Sotheby's ihre Versteigerung, "versiegelt". Die Millionäre, die mitbieten, wissen zunächst auch nicht, wie viel die anderen bieten. Aber wer überboten wird, hat 90 Sekunden Zeit, sein Gebot zu erhöhen. Ein bisschen ist es dann doch wie bei eBay. Den Endpreis kennen hier aber nur der Meistbietende, das Auktionshaus und der Verkäufer.
So ein F355 GTS in so einem guten Zustand ist laut Classic Data derzeit im Durchschnitt 155.000 Euro wert. Aber für alles, wo Schumi draufsteht, zahlen Sammler viel Geld. Sogar zwei schnöde Trinkflaschen mit seiner Unterschrift sind bei einer Auktion für 1440 Euro weggegangen, ein Fahrerlager-Pass zusammen mit einem Nummernschild für 12.600 Euro. Der prominente Vorbesitz dürfte also gerade bei Schumi den Wert massiv steigern.
Und das ruft oft Fälscher auf den Plan. Wer einen guten, aber normalen Ferrari kauft und ihn mit gefälschten Papieren und Fahrgestellnummern als Promi-Auto anbietet, kann ordentlich Beute machen.
Das Werksgutachten von Ferrari Classiche für diesen F355 GTS mit der Fahrgestellnummer ZFFXR42B000105416 scheint die Echtheit zu beweisen. Aber bei Ferrari arbeiten auch nur Menschen, und für die 6000 Euro, die das Gutachten gekostet hat, konnten sie das Auto nicht mit kriminalistischen Methoden untersuchen.
Auf der Website von RM Sotheby's kann man sich als Bieter registrieren. Dafür muss man nicht nur seine Kreditkarte angeben (von der gleich mal 5000 Euro geblockt werden), sondern auch Kontoauszüge oder ähnliche Dokumente einreichen, die beweisen, dass man genug Kohle hat.
Der Meistbietende zahlt natürlich den Preis, bei dem der Hammer fällt, und: Allein das Auto vom Messegelände der Rétromobile nach draußen zu bringen, kostet 600 Euro. Auch die muss der Käufer zahlen.

Bild: privat
Ob Schumi jemals den "Höllenärger" bekommen hat, den die BILD am SONNTAG sich ausmalte, wissen wir nicht. Was hätte Renault auch tun sollen – Schumi rausschmeißen?
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