Sie waren jung, und sie brauchten den Spaß: Eine Studenten-Combo baute Anfang bis Mitte der 80er-Jahre einen Fiat 500 zum Top-Chop und einen zum Pick-up um. Jetzt ist noch ein Einzelstück hinzugekommen: der Kombi "Giardiniera" als Fünftürer, den Fiat leider nie gebaut hat!

Fiat 500 Top-Chop: So entstand das Flachdach-Unikat

Das erste Projekt der Hannoveraner war 1982 der weiße Fiat 500, dem sie das Dach abgeschnitten und zum Flachdach-Auto ("Top-Chop") umgebaut haben. Sie selbst nennen ihn "Flachmann". Irre: So flach, wie das Auto am Ende geworden ist, sollte es anfangs gar nicht werden – ein Fehler des TÜV-Prüfinfgenieurs führte dazu.
Fiat 500 Top Chop stehend von der Seite mti AUTO BILD-Redkateur am Steuer
Der Fiat 500 Top Chop ist deutlich flacher als das Serienauto. AUTO BILD-Reporter Frank B. Meyer sitzt auf der Bremen Classic Motorshow Probe.
Bild: Tonio Ringhandt
Und das kam so: Gerdi, Axelli und Haki – also Gerd Setz, Axel Ringhandt und Michael Hakmann – und ihre Freunde schraubten seit Ende der 70er-Jahre an Fiat Nuova 500 herum. Da waren das noch billige Gebrauchtwagen. "Cooperativa Cinquecento" nannten sie später ihre Gruppe.
historisches Farbfoto: Gerhard Setz, genannt Gerdi, am gechoppten Fiat 500
Gerd Setz, genannt Gerdi, Mitte der 80er-Jahre am gechoppten Fiat 500. Die anfangs informelle "Cooperativa Cinquecento" wurde zu einer offiziellen Akademischen Hochschulgruppe und stand laut Axel Ringhandt bis 2006 im Vorlesungsverzeichnis der Uni Hannover. Zu ihrer Hoch-Zeit machten bis zu etwa 100 Leute mit und verwerteten zwischen 70 und 80 Fiat 500 und Fiat 126.
Bild: privat
Dem weißen Fiat 500 also rückten sie mit der Flex zu Leibe, trennten die Dachsäulen ab und veränderten die Formen des Blechs so, dass sie das Dach mehrere Zentimeter tiefer wieder aufschweißen konnten. Ordnungsgemäß ließen sie den Umbau beim TÜV eintragen.
historische Fotos vom Umbau zum Fiat 500 Top Chop
Nach dem ersten Durchgang war das Dach schon flacher, aber längst nicht so flach wie jetzt. Die Nase wurde vier Zentimeter breiter.
Bild: privat

Der TÜV-Prüfer trug beim Fiat 500 die falsche Höhe ein

Danach erst fiel ihnen auf, dass der TÜV-Prüfer aus Versehen eine zu geringe Höhe eingetragen hatte, berichtet Axels Sohn Tonio Ringhandt im Gespräch mit AUTO BILD. Und nun? Als ordnungsliebenden Bürgern blieb ihnen ja gar nichts anderes übrig, als noch mal die Flex anzusetzen und das Dach auf die Höhe aus dem Fahrzeugschein zu reduzieren. (AUTO BILD verwendet normalerweise keine Zwinker-Emojis, Sie dürfen sich hier aber eins denken.) Laut Vater Axel Ringhandt war das dieses Mal wesentlich aufwendiger: "Die zerschnittenen Teil-Bleche des nahezu eiförmigen Daches so zu formen, dass sie genau aufeinandertreffen und dass das nachher auch noch gut aussieht – das war schwierig."
historisches Farbfoto: Blechteile des zerschnittenen Fiat-500-Daches
Der Umbau war nicht leicht, weil die Länge des Daches sich im Top-Chop Zustand ändert. Entsprechend mussten auch die Winkel der Rundungen bei den Übergängen in die Dachsäulen angepasst werden. Ebenso die Öffnung fürs Faltdach.
Bild: privat
Das Ergebnis sehen sie hier: den zweimal gechoppten Fiat 500. Nach Dach-OP und Tieferlegung misst er nun 1165 Millimeter, das sind 16 Zentimeter flacher als der Serien-500er!
Fiat 500 Top Chop stehend schräg von hinten
Die Schultern über den 12-Zoll-Hinterrädern stehen heraus, etwa wie 1980 beim Audi Quattro. Reifengröße: 135 R 12. Auch hinten hätte die originale Stoßstange nicht mehr gepasst.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

So passte die ganze Fiat-500-Frontscheibe rein

Die geraden Seitenscheiben zu kürzen, war kein Problem – aber die Windschutzscheibe konnten sie nicht einfach abschneiden. Und eine neue Scheibe anfertigen zu lassen, hätte die Studenten zu viel Geld gekostet. Die Lösung war eine Radikalkur: Sie trennten den Scheibenrahmen heraus, nahmen die kleinere Scheibe vom Fiat 500 D und schweißten den Rahmen flacher und deutlich tiefer wieder ins Auto. So war auch kein Platz mehr für das blecherne Original-Armaturenbrett des Fiat 500.
Windschutzscheibenrahmen des Fiat 500 Top Chop
Der Frontscheibenrahmen wurde weiter unten eingeschweißt, deshalb die Stufe hinter der Haube. Aus demselben Grund ...
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Cockpit des Fiat 500 Top Chop
... passte das Armaturenbrett des Fiat 500 nicht mehr hinein. Die Studenten bauten ein neues, schlichtes Cockpit ...
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Instrumente des Fiat 500 Top Chop
... mit wenigen Anzeigen. Statt die Tachowelle anzupassen, installierten sie ein damals hochmodernes Digital-Instrument.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Das war aber noch nicht alles: Die rundliche Schnauze des Fiat 500 verbreiterten die Freunde um etwa vier Zentimeter. Auch die hinteren Seitenteile verbreiterten sie um je vier Zentimeter, sodass auch das Heck bärig aussieht.
Fiat 500 Top Chop stehend von der Seite, Fahrertür offen, AUTO BILD-Redakteur am Steuer
Die Sitze wurden tiefer installiert, damit Fahrer und Beifahrer unter das Dach passen.
Bild: Tonio Ringhandt

Die Polizei fand diesen Fiat 500 verdächtig

Axel Ringhandt erzählt: "Eines Tages hielt uns die Polizei an. Wir: 'Was haben wir falsch gemacht?' Die: 'Gar nichts. Wir wollen uns nur mal ihren Fiat ansehen – irgendwas daran ist doch anders?'"

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So bauten die Studenten den Fiat 500 Pick-up

Das zweite Projekt der Cooperativa Cinquecento war nicht so aufwendig: der gelbe Fiat 500 Pick-up. 1984 nahmen die Studenten einen schrottreifen Fiat Nuova 500 Giardiniera – so hieß der Kombi –, flexten ihn hinter Vordersitzen und B-Säule und dahinter über der Gürtellinie ab.
Fiat 500 Pick-up stehend von schräg von
Wie jeder Fiat 500 Giardiniera hat auch die Umbau-Basis hinten angeschlagene Selbstmördertüren.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Es musste schon der Giardiniera-Kombi sein: weniger wegen des längeren Radstandes, sondern hauptsächlich, weil der Zweizylinder-Heckmotor dort flach liegt. Bei einem Limousinen-Umbau hätte die Ladefläche viel höher sein müssen.

Ziel: mehr Platz als im Fiat 500 Camioncino von Giannini

Gab es denn noch keine Pick-ups vom Fiat 500? Doch, der italienische Tuner Giannini hatte einen in kleiner Serie hergestellt, den Fiat 500 Camioncino. Auch Ghia hatte eine Variante gebaut, den Ziba. Bei beiden aber ist direkt an der B-Säule schon die Rückwand der Fahrgastzelle – so bleibt sehr wenig Platz für teutonische Hünen.
historisches Schwarzweißfoto vom Zerlegen der Karosserie für den Fiat 500 Pick-up
Schnipp, schnapp war das Dach ab. Die Truppe um Gerdi ließ ein Stück hinter der B-Säule stehen, damit die Fahrgastzelle nicht zu kurz wird.
Bild: privat
Der Umbau von Gerd "Gerdi" Setz bietet da ein bisschen mehr Luft. Das Dach endet nicht mit einer rechtwinkligen Ecke, sondern geht rund in die selbstgebaute Rückwand über. Die beiden Ecken oben rechts und links fertigten die Studenten aus einem Lampenschirmen an, der über dem Vereinstisch einer befreundeten Studentengruppe gehangen hatte.
Fiat 500 Pick-up stehend von der Seite
Trotzdem erreicht die Ladefläche die gewünschte Länge, denn sie ragt über das Heck des ursprünglichen Fiat 500 Kombi ein wenig hinaus. Die Räder im Format 4,5Jx13 passen nach dem Geschmack der Umbauer besser zu seinem Nutzfahrzeug-Charakter.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Fiat 500 Pick-up stehend schräg von hinten
Zur Bremer Messe erhielt der Pick-up neue flache Heckleuchten und einen Spriegel mit Plane. Mit der Anhängerkupplung darf der Fiat 500 gebremst 350 Kilogramm ziehen.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Dach des Fiat 500 Pick-up
Selbst das Faltdach brachten die Erbauer auf die richtige Länge. Für die hinteren Ecken (rechts im Bild) starben zwei Lampenschirme aus Stahl.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Sie verstärkten den Bereich unten zwischen den B-Säulen, dafür musste die Rückwand eines ihre Spinde für Arbeitsklamotten dran glauben. Und sie schweißten an den Oberkanten der Seitenteile längs Vierkantrohre ein, setzten eine Ladefläche darauf – so war der Fiat 500 Pick-up relativ schnell fertig.
Inzwischen ist der Pick-up wieder restaurierungsbedürftig. Tonio Ringhandt, Nutzfahrzeug-Mechatroniker und Sohn von Axel Ringhandt, will sich des Autos annehmen.
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Fiat 500 Giardiniera Fünftürer: Rentner baut praktischen Traum-Fiat

Er war alt, und er brauchte ein Hobby: Als Klaus Hense aus Weyhe bei Bremen in Rente ging, suchte er nach einer Aufgabe. "Ich hatte viel Zeit", erzählt er im Gespräch mit AUTO BILD. So dachte er über Oldtimer-Kleinwagen nach. "Die Ente und der R4 haben vier Türen – das muss doch beim Fiat 500 auch gehen!"
Er erzählte seiner Frau von dem Plan, einen Fiat 500 zu nehmen und für den Umbau erst mal den Radstand zu verlängern, wie beim Kombi. "Darauf sagt meine Frau: Dann nimm doch gleich einen Kombi."
Fiat 500 Giardiniera Fünftürer stehend schräg von vorn
Sieht aus wie original von Fiat: 500 Kombi (Giardiniera), von Klaus Hense zum Fünftürer umgebaut.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Fiat 500 Giardiniera Fünftürer stehend schräg von hinten
Die Seitenscheiben ließ Hense neu zuschneiden, die Leisten drumherum baute er selbst. Die C-Säule baute er aus Resten der originalen B-Säule.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Basis: eine schrottreife Fiat-500-Karosserie

So hat er es getan. Er fand die Karosserie eines Fiat 500 Giardiniera (so heißt der Kombi) Baujahr 1974, die verschrottet werden sollte. "Erst habe ich das Blech gerettet und restauriert, sodass die Karosserie stabil war. Dann habe ich die B-Säulen rausgeschnitten. Und ich habe rechts und links je ein Verstärkungsrohr von vorn durch die Schweller, dann hinten am Radlauf und an der C-Säule hinauf eingeschweißt."
aufgeschnittene Karosserie beim Bau des Fiat 500 Giardiniera Fünftürer
Klaus Hense schnitt die B-Säulen aus der Karosserie und baute weiter vorn neue ein.
Bild: Klaus Hense

Die vorderen Türen kürzte der Umbauer

Warum? Beim Serienkombi ist zwischen den Türen und den Hinterrädern zu wenig Platz für eine weitere Tür. Also hat Klaus Hense neue B-Säulen gebaut, weiter vorn eingesetzt und die vorderen Türen verkürzt. Wohlgemerkt, Hense ist kein Karosseriebauer, sondern er hat vorher als Elektroniker gearbeitet.
AUTO BILD-Redakteur sitzt hinten iom Fiat 500 Giardiniera Fünftürer
Viel Platz ist nicht auf der Rücksitzbank des Fiat 500 Giardiniera, aber man kommt leichter rein und raus.
Bild: Klaus Hense
Auch jetzt ist nicht viel Platz für die Füße, wenn man hinten einsteigt, aber es passt. Dafür hat Hense auch das Bodenblech angepasst und die Rücksitzbank angeschrägt.
Einstieg zu den Rücksitzen des Fiat 500 Giardiniera Fünftürer
Dank geändertem Boden und angeschrägter Rücksitzbank kann man Füße und Unterschenkel ganz gut einfädeln.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Auch die Türscharniere baute er selbst

Der Fiat 500 hat immer Selbstmördertüren mit Scharnieren an der B-Säule. Klaus Hense hat die Doppelscharniere beim Fiat 600 Multipla abgeguckt und nachgebaut – so hat sein Fünftürer jetzt gegenläufig öffnende Türen. (Warum nennt man die eigentlich nicht Schmetterlingstüren?)
Türscharnier des Fiat 500 Giardiniera Fünftürer
Doppelscharniere, selbst gebaut nach dem Vorbild des Fiat 600 Multipla (1956 bis 1965).
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Die neuen Seitenscheiben hat er beim Autoglaser anfertigen lassen; für die Kurbelfenster passte er den Mechanismus an. Die hinteren Seitenscheiben lassen sich komplett herunterkurbeln.

Am schwierigsten waren die Leisten um die Fenster

"Kopfzerbrechen haben mir die Aluleisten rund um die Fenster bereitet", sagt er. "Das ist ein bauchiges U-Profil. Ich habe bestimmt ein Vierteljahr darüber nachgedacht, wie ich die nachfertigen kann. Letztlich habe ich Alu-Rundrohre genommen und die leicht platt gedrückt."
Quattroporte-Schriftzug am Fiat 500 Giardiniera Fünftürer
Der Quattroporte-Schriftzug vom Maserati klebt nur vorübergehend am Heck des Fünftürers – denn Fünftürer heißt "Cinqueporte". Ein Freund des Umbauers hat für das Auto schon einen Cinqueporte-Schriftzug gelasert.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Auch die Türverkleidungen baute er aus Holz und Kunstleder neu, und er verlegte zwei Teppiche aus Fiat-500-Limousinen auf dem Boden. Die Technik samt 18-PS-Zweizylinder zu besorgen, war nicht allzu schwierig.
Cockpit des Fiat 500 Giardiniera Fünftürer
Cockpit des Fiat 500 Giardiniera. Das Rolldach war serienmäßig.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

6700 Kilometer lief der Fiat 500 Kombi seitdem

Der Umbau zog sich über vier Jahre, von 2019 bis 2023. Seitdem hat Klaus Hense 6700 Kilometer damit abgespult, unter anderem auf einer Tour vom Bremer Raum bis an den Bodensee. Sein Fazit: "Ich bin zufrieden damit."
2026 für die Bremen Classic Motorshow hat das 500forum.de die drei Umbauten zusammengebracht und auf seinem Stand präsentiert.

Kommentar

Pick-ups von Pkw finde ich klasse, als Jugendlicher habe ich Modellautos so umgebaut. Den Top-Chop feiere ich sowieso – die Ironie liegt ja darin, einem Winz-Auto mit 18 PS den Look eines amerikanischen Custom Cars zu verpassen. Humor aus Blech, so etwas liebe ich.
Ich bin voreingenommen, denn das erste Auto, in dem ich jemals war, war ein blauer Fiat 500 Giardiniera. Meine Eltern haben mich damit nach meiner Geburt von der Klinik nach Hause gefahren. Aber nicht nur deshalb bin ich begeistert von Klaus Henses Fünftürer. Nein, der Wagen sieht einfach so aus, als hätte ein Designer im Centro Stile Fiat ihn genau so gestaltet und als hätte Fiat ihn in Serie gebaut. Respekt an den Erbauer!