Fiat Nuova 500: Umbauten
Gibt's nicht? Doch, diese Fiat 500 gibt's!

Mit Flex und Schweißgerät haben Fans drei Fiat-500-Oldtimer umgeschneidert: zum Pick-up, Top-Chop und Fünftürer-Kombi, wie Fiat sie nie baute.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Fiat 500 Top-Chop: So entstand das Flachdach-Unikat
Das erste Projekt der Hannoveraner war 1982 der weiße Fiat 500, dem sie das Dach abgeschnitten und zum Flachdach-Auto ("Top-Chop") umgebaut haben. Sie selbst nennen ihn "Flachmann". Irre: So flach, wie das Auto am Ende geworden ist, sollte es anfangs gar nicht werden – ein Fehler des TÜV-Prüfinfgenieurs führte dazu.

Der Fiat 500 Top Chop ist deutlich flacher als das Serienauto. AUTO BILD-Reporter Frank B. Meyer sitzt auf der Bremen Classic Motorshow Probe.
Bild: Tonio Ringhandt
Und das kam so: Gerdi, Axelli und Haki – also Gerd Setz, Axel Ringhandt und Michael Hakmann – und ihre Freunde schraubten seit Ende der 70er-Jahre an Fiat Nuova 500 herum. Da waren das noch billige Gebrauchtwagen. "Cooperativa Cinquecento" nannten sie später ihre Gruppe.

Bild: privat
Dem weißen Fiat 500 also rückten sie mit der Flex zu Leibe, trennten die Dachsäulen ab und veränderten die Formen des Blechs so, dass sie das Dach mehrere Zentimeter tiefer wieder aufschweißen konnten. Ordnungsgemäß ließen sie den Umbau beim TÜV eintragen.

Nach dem ersten Durchgang war das Dach schon flacher, aber längst nicht so flach wie jetzt. Die Nase wurde vier Zentimeter breiter.
Bild: privat
Der TÜV-Prüfer trug beim Fiat 500 die falsche Höhe ein
Danach erst fiel ihnen auf, dass der TÜV-Prüfer aus Versehen eine zu geringe Höhe eingetragen hatte, berichtet Axels Sohn Tonio Ringhandt im Gespräch mit AUTO BILD. Und nun? Als ordnungsliebenden Bürgern blieb ihnen ja gar nichts anderes übrig, als noch mal die Flex anzusetzen und das Dach auf die Höhe aus dem Fahrzeugschein zu reduzieren. (AUTO BILD verwendet normalerweise keine Zwinker-Emojis, Sie dürfen sich hier aber eins denken.) Laut Vater Axel Ringhandt war das dieses Mal wesentlich aufwendiger: "Die zerschnittenen Teil-Bleche des nahezu eiförmigen Daches so zu formen, dass sie genau aufeinandertreffen und dass das nachher auch noch gut aussieht – das war schwierig."

Der Umbau war nicht leicht, weil die Länge des Daches sich im Top-Chop Zustand ändert. Entsprechend mussten auch die Winkel der Rundungen bei den Übergängen in die Dachsäulen angepasst werden. Ebenso die Öffnung fürs Faltdach.
Bild: privat
Das Ergebnis sehen sie hier: den zweimal gechoppten Fiat 500. Nach Dach-OP und Tieferlegung misst er nun 1165 Millimeter, das sind 16 Zentimeter flacher als der Serien-500er!

Die Schultern über den 12-Zoll-Hinterrädern stehen heraus, etwa wie 1980 beim Audi Quattro. Reifengröße: 135 R 12. Auch hinten hätte die originale Stoßstange nicht mehr gepasst.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
So passte die ganze Fiat-500-Frontscheibe rein
Die geraden Seitenscheiben zu kürzen, war kein Problem – aber die Windschutzscheibe konnten sie nicht einfach abschneiden. Und eine neue Scheibe anfertigen zu lassen, hätte die Studenten zu viel Geld gekostet. Die Lösung war eine Radikalkur: Sie trennten den Scheibenrahmen heraus, nahmen die kleinere Scheibe vom Fiat 500 D und schweißten den Rahmen flacher und deutlich tiefer wieder ins Auto. So war auch kein Platz mehr für das blecherne Original-Armaturenbrett des Fiat 500.

Der Frontscheibenrahmen wurde weiter unten eingeschweißt, deshalb die Stufe hinter der Haube. Aus demselben Grund ...
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

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Das war aber noch nicht alles: Die rundliche Schnauze des Fiat 500 verbreiterten die Freunde um etwa vier Zentimeter. Auch die hinteren Seitenteile verbreiterten sie um je vier Zentimeter, sodass auch das Heck bärig aussieht.

Bild: Tonio Ringhandt
Die Polizei fand diesen Fiat 500 verdächtig
Axel Ringhandt erzählt: "Eines Tages hielt uns die Polizei an. Wir: 'Was haben wir falsch gemacht?' Die: 'Gar nichts. Wir wollen uns nur mal ihren Fiat ansehen – irgendwas daran ist doch anders?'"
So bauten die Studenten den Fiat 500 Pick-up
Das zweite Projekt der Cooperativa Cinquecento war nicht so aufwendig: der gelbe Fiat 500 Pick-up. 1984 nahmen die Studenten einen schrottreifen Fiat Nuova 500 Giardiniera – so hieß der Kombi –, flexten ihn hinter Vordersitzen und B-Säule und dahinter über der Gürtellinie ab.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Es musste schon der Giardiniera-Kombi sein: weniger wegen des längeren Radstandes, sondern hauptsächlich, weil der Zweizylinder-Heckmotor dort flach liegt. Bei einem Limousinen-Umbau hätte die Ladefläche viel höher sein müssen.
Ziel: mehr Platz als im Fiat 500 Camioncino von Giannini
Gab es denn noch keine Pick-ups vom Fiat 500? Doch, der italienische Tuner Giannini hatte einen in kleiner Serie hergestellt, den Fiat 500 Camioncino. Auch Ghia hatte eine Variante gebaut, den Ziba. Bei beiden aber ist direkt an der B-Säule schon die Rückwand der Fahrgastzelle – so bleibt sehr wenig Platz für teutonische Hünen.

Bild: privat
Der Umbau von Gerd "Gerdi" Setz bietet da ein bisschen mehr Luft. Das Dach endet nicht mit einer rechtwinkligen Ecke, sondern geht rund in die selbstgebaute Rückwand über. Die beiden Ecken oben rechts und links fertigten die Studenten aus einem Lampenschirmen an, der über dem Vereinstisch einer befreundeten Studentengruppe gehangen hatte.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Sie verstärkten den Bereich unten zwischen den B-Säulen, dafür musste die Rückwand eines ihre Spinde für Arbeitsklamotten dran glauben. Und sie schweißten an den Oberkanten der Seitenteile längs Vierkantrohre ein, setzten eine Ladefläche darauf – so war der Fiat 500 Pick-up relativ schnell fertig.
Inzwischen ist der Pick-up wieder restaurierungsbedürftig. Tonio Ringhandt, Nutzfahrzeug-Mechatroniker und Sohn von Axel Ringhandt, will sich des Autos annehmen.
Fiat 500 Giardiniera Fünftürer: Rentner baut praktischen Traum-Fiat
Er war alt, und er brauchte ein Hobby: Als Klaus Hense aus Weyhe bei Bremen in Rente ging, suchte er nach einer Aufgabe. "Ich hatte viel Zeit", erzählt er im Gespräch mit AUTO BILD. So dachte er über Oldtimer-Kleinwagen nach. "Die Ente und der R4 haben vier Türen – das muss doch beim Fiat 500 auch gehen!"
Er erzählte seiner Frau von dem Plan, einen Fiat 500 zu nehmen und für den Umbau erst mal den Radstand zu verlängern, wie beim Kombi. "Darauf sagt meine Frau: Dann nimm doch gleich einen Kombi."

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Basis: eine schrottreife Fiat-500-Karosserie
So hat er es getan. Er fand die Karosserie eines Fiat 500 Giardiniera (so heißt der Kombi) Baujahr 1974, die verschrottet werden sollte. "Erst habe ich das Blech gerettet und restauriert, sodass die Karosserie stabil war. Dann habe ich die B-Säulen rausgeschnitten. Und ich habe rechts und links je ein Verstärkungsrohr von vorn durch die Schweller, dann hinten am Radlauf und an der C-Säule hinauf eingeschweißt."

Bild: Klaus Hense
Die vorderen Türen kürzte der Umbauer
Warum? Beim Serienkombi ist zwischen den Türen und den Hinterrädern zu wenig Platz für eine weitere Tür. Also hat Klaus Hense neue B-Säulen gebaut, weiter vorn eingesetzt und die vorderen Türen verkürzt. Wohlgemerkt, Hense ist kein Karosseriebauer, sondern er hat vorher als Elektroniker gearbeitet.

Bild: Klaus Hense
Auch jetzt ist nicht viel Platz für die Füße, wenn man hinten einsteigt, aber es passt. Dafür hat Hense auch das Bodenblech angepasst und die Rücksitzbank angeschrägt.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Auch die Türscharniere baute er selbst
Der Fiat 500 hat immer Selbstmördertüren mit Scharnieren an der B-Säule. Klaus Hense hat die Doppelscharniere beim Fiat 600 Multipla abgeguckt und nachgebaut – so hat sein Fünftürer jetzt gegenläufig öffnende Türen. (Warum nennt man die eigentlich nicht Schmetterlingstüren?)

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Die neuen Seitenscheiben hat er beim Autoglaser anfertigen lassen; für die Kurbelfenster passte er den Mechanismus an. Die hinteren Seitenscheiben lassen sich komplett herunterkurbeln.
Am schwierigsten waren die Leisten um die Fenster
"Kopfzerbrechen haben mir die Aluleisten rund um die Fenster bereitet", sagt er. "Das ist ein bauchiges U-Profil. Ich habe bestimmt ein Vierteljahr darüber nachgedacht, wie ich die nachfertigen kann. Letztlich habe ich Alu-Rundrohre genommen und die leicht platt gedrückt."

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Auch die Türverkleidungen baute er aus Holz und Kunstleder neu, und er verlegte zwei Teppiche aus Fiat-500-Limousinen auf dem Boden. Die Technik samt 18-PS-Zweizylinder zu besorgen, war nicht allzu schwierig.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
6700 Kilometer lief der Fiat 500 Kombi seitdem
Der Umbau zog sich über vier Jahre, von 2019 bis 2023. Seitdem hat Klaus Hense 6700 Kilometer damit abgespult, unter anderem auf einer Tour vom Bremer Raum bis an den Bodensee. Sein Fazit: "Ich bin zufrieden damit."
2026 für die Bremen Classic Motorshow hat das 500forum.de die drei Umbauten zusammengebracht und auf seinem Stand präsentiert.
Kommentar
Pick-ups von Pkw finde ich klasse, als Jugendlicher habe ich Modellautos so umgebaut. Den Top-Chop feiere ich sowieso – die Ironie liegt ja darin, einem Winz-Auto mit 18 PS den Look eines amerikanischen Custom Cars zu verpassen. Humor aus Blech, so etwas liebe ich.
Ich bin voreingenommen, denn das erste Auto, in dem ich jemals war, war ein blauer Fiat 500 Giardiniera. Meine Eltern haben mich damit nach meiner Geburt von der Klinik nach Hause gefahren. Aber nicht nur deshalb bin ich begeistert von Klaus Henses Fünftürer. Nein, der Wagen sieht einfach so aus, als hätte ein Designer im Centro Stile Fiat ihn genau so gestaltet und als hätte Fiat ihn in Serie gebaut. Respekt an den Erbauer!
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