Soll das ein Scherz sein? Publikumsreaktionen auf die Weltpremiere des Fuldamobils beim Rosenmontagszug 1950 sind keine überliefert. Doch als das wackelige Dreirad im Kostüm eines Hubschraubers an ihnen vorbeieierte, dürften die Narren in der osthessischen Bischofsstadt erst einmal herzlich gelacht haben. Dass sie es mit einem ernst gemeinten Fortbewegungsmittel zu tun hatten, werden wohl die wenigsten gedacht haben.
Premiere: Im Februar 1950 rollte das Fuldamobil im Fuldaer Rosenmontagszug mit – verkleidet als Hubschrauber.

Tatsache ist aber: Eine ortsansässige Elektrofirma schraubte nach den Plänen eines Journalisten und abgebrochenen Maschinenbauers im Frühjahr 1950 in der Fuldaer Rangstraße die ersten Fahrzeuge zusammen. Neben dem Fend Flitzer von 1948 gehört das Fuldamobil damit zu den ältesten deutschen Kabinenrollern – einer Fahrzeugkategorie, die der überwiegend noch Motorrad fahrenden Nation im Wirtschaftswunder beim Aufstieg zum richtigen Auto half. 
Heimattreu: Das Fuldaer Stadtwappen mit Kreuz und Lilien ziert auch die in Norddeutschland gebauten Mobile. Statt "Werk Fulda" müsste unten aber "Wilhelmshaven" stehen. Dort war der Sitz der Herstellerfirma, das Produktionswerk stand jedoch in Lohne.
Außerdem zählt es zu den langlebigsten, denn inklusive seiner ausländischen Lizenzbauten, die von Griechenland bis Chile reichten, hielt das skurrile, 2900-mal entstandene Vehikel bis 1969 durch. Innovativ war das Fuldamobil auch: Frühe Exemplare besaßen als erste Autos einen negativen Lenkrollradius – ein Technikvorsprung, den selbst Audi erst 1972 einholte.

Häufige Metamorphosen

Während seiner Bauzeit änderte das Fuldamobil mehrfach die Form. Nach einem Start mit kunstlederummantelten Sperrholzgerippe bekam das Ei bald Ecken und glänzte ab 1952 in schillerndem Alu. Aus Kanten wurden später wieder Rundungen – wie bei unserem 1954er-Modell, das in Lohne montiert wurde, wo die Nordwestdeutschen Fahrzeugwerke (NWF) in den Jahren 1954/55 die Produktion weiterführten.
Lizenzbau: Charakteristisch für das NWF 200 ist die bis zur unteren Türkante gezogene Regenrinne. Unerschrockene erreichen in der Ebene fast 80 km/h Spitze.

Schon das Reinklettern wird zum akrobatischen Kunststück. Statt durch eine riesige Fronttür ins Auto "reinlaufen" zu können wie bei der BMW Isetta oder der Heinkel Kabine, muss man sich durch eine enge Luke zwängen und zusehen, wie man seine Beine über die breiten Radhäuser bekommt. Die hinten angeschlagene Tür macht die Sache nicht leichter. Dass die Menschen in den Fünfzigern kleiner und schlanker waren, relativiert diese Erkenntnis zwar, hilft aber heute nicht mehr.
Kleinkariert: Farbige Polster bringen wirtschaftswunderlichen Pep ins spartanische Cockpit. Das Armaturenbrett ist aus lackiertem Blech. Immerhin aber: Mittelschaltung und Zwölf-Volt-Dynastartanlage.

Munterer Zweitakter im Fuldamobil

Innen sollen farbkräftige Karo-Polster Wohnlichkeit verbreiten. Klaustrophobiker werden sich davon aber nicht beeindrucken lassen. Eher schon von der Munterkeit, mit der der fröhlich pötternde ILO-Zweitakter (200 Kubik, 9,5 PS) ans Werk geht. 
Gedeckelt: Die Heckklappe wird in geöffnetem Zustand einfach aufs Dach gelegt. Darunter ist Platz für Gepäck, das zum Tanken allerdings ausgeräumt werden muss, denn der Einfüllstutzen liegt unterm Kofferraumboden
Das Motörchen im Heck mag schon damals nicht der letzte Schrei der Technik gewesen sein. Aber hier ist es dann doch das Gelbe vom Ei.