Vor 15 Jahren hätte Maikel Lemke einen E-Type-Spezialisten brauchen können. Einen absoluten Kenner der Materie, wie er heute selbst einer ist. Damals weiß der Osnabrücker noch nicht, worauf er beim Kauf seines allerersten Jaguar E-Type achten muss. Hat keine Ahnung, welche Fragen er dem Verkäufer stellen soll. Er will sich einfach nur einen Kindheitstraum erfüllen und kauft prompt ein Auto, das den Kaufpreis nicht wert ist. "Der sah wunderschön aus, war frisch restauriert", erinnert sich Lemke. "Den konnte man nur nicht fahren. Nach fünf Kilometern ist er überhitzt, ich hatte Abgase im Innenraum und ständig Benzingeruch."
Nach kurzem Überlegen entschließt sich der gelernte Kfz-Mechaniker und studierte Maschinenbauer, den Wagen zu restaurieren. Mehr aus Versehen kauft er bei einer Online-Auktion einen Teileträger. Der stellt sich dann aber als allererster Serie-1-E-Type ohne die Plexiglasabdeckung für die Scheinwerfer heraus – viel zu schade zum Ausschlachten. Schon hat er ein zweites Restaurationsobjekt in seiner Doppelgarage stehen.
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Jaguar E-Type (komplette Historie, mit original Hardtop)
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Aus Platznot zieht er schon bald in eine Halle um, in der er eine Hebebühne installiert. Die Initiative dafür geht von seiner Frau Janna aus. Sie zeigt anfangs wenig Begeisterung für die E-Type, möchte sich aber nicht ständig Sorgen machen, wenn ihr Mann unter aufgebockten Autos liegt und dran rumschraubt.
Dunkelgrün/grün muss ein E-Type für Maikel Lemke sein. Er hat einen originalen – E-Type Nr. 289 – und einen fast fertig restaurierten – E-Type Nr. 66.
Bild: Jan Merlin Friedrich
Die Halle wird für Maikel Lemke zu einem entscheidenden Schritt Richtung E-Type-Serie-1-Experte. Denn jetzt kann er sich nach und nach weitere E-Type aus verschiedenen Baujahren zulegen. Dabei stellt er Erstaunliches fest: "Ich hatte die Autos da von 61 bis 67, also alle Jahrgänge der ersten Serie. Da habe ich gesehen, dass viele Teile anders sind. Das hat mich fasziniert. Als Ingenieur will ich immer wissen, wieso der Hersteller Dinge während der Produktion geändert hat. Und so habe ich das verstanden", erzählt Lemke und fügt begeistert hinzu: "Vom ersten Serie 1 von 1961 bis zum letzten Serie 1 von 1967 sind nur etwa zehn Prozent gleich geblieben."

Wie Lemke zum E-Type-Versteher wurde

Neben seinen automobilen Anschauungsobjekten legt sich Lemke auch sämtliche Literatur zum E-Type zu, die er bekommen kann. Darunter auch die "Bibel" für Freunde originalgetreuer Autos, die "Jaguar Service Bulletins". Darin sind fein säuberlich sämtliche Änderungen am E-Type während der Serienproduktion vermerkt. Sein technisches und sprachliches Verständnis dafür verdankt Lemke seinem Combined-Engineering-Studium. Das hat er interessanterweise in Coventry abgeschlossen, dem Produktionsort des Jaguar E-Type.
Starkes Duo: Janna Lemke hilft ihrem Mann bei den Innenausstattungen.
Bild: Jan Merlin Friedrich
Ein weiterer entscheidender Faktor auf dem Weg zum Jaguar-Fachmann werden seine guten Kontakte zu Jaguar-Kennern in aller Welt. "Ich habe in mehreren Ländern gearbeitet und gelebt. Dadurch habe ich ein wunderbares Netzwerk auf der ganzen Welt aufgebaut. Ich habe aber auch Glück gehabt, weil ich immer wieder die richtigen Leute getroffen habe, die mich weiterempfohlen haben."
Ein Amerikaner namens Carry wird zu einer Art Mentor und hilft Lemke in vielen kniffeligen Fällen. Die einzige Bedingung für seine Hilfe ist, dass Lemke sein Wissen irgendwann mal weitergibt. Und genau das macht er.

Beratung statt Verkaufsfloskeln: Lemke hilft E-Type-Käufern

Maikel Lemke berät Jaguar-Fans, die einen E-Type der ersten Serie kaufen oder restaurieren wollen. Immer mehr Kunden nehmen seine Expertise und seine Erfahrung in Anspruch. "Viele Händler erzählen den Kunden nur, was sie hören wollen und was sie schon wissen: schöne Form, schöne Farbe, fährt super", empört sich Maikel Lemke. "
Oft kommt es gar nicht dazu, dass der Kunde die kritischen Fragen stellt, auf die es ankommt. Und ich kenne die natürlich, weil ich die Autos selbst zusammenbaue. Und ich weiß auch, wo ich gucken muss. Was nie gemacht wird, ist die Hinterachse, immer ein Riesenproblem. Das Getriebe wird nie gemacht. Und der Motor wird meistens nur von außen angestrichen und die Aluteile poliert."
Mit einem Endoskop prüft Maikel Lemke, ob Kolben und Laufbuchsen noch die originalen sind.
Bild: Jan Merlin Friedrich
Seit etwa zwei Jahren muss Lemke nicht mehr so viel an seinen eigenen E-Type restaurieren. Also hat er mehr Zeit, für seine Kunden nach Fahrzeugen zu suchen oder sie zu begutachten. Oft ist Lemke im Ausland unterwegs, ab und zu auch in Deutschland. Nicht selten profitiert er davon, dass Händler ihn schon kennen. "Weil die wissen, dass ich so kritisch bin, sagen die von vornherein, was nicht in Ordnung ist. So kann ich mir viele Reisen sparen. Aber wenn jetzt ein privater Kunde da anruft – dem wird natürlich ganz was anderes erzählt."

Optimierungen mit Augenmaß – und ohne Stilbruch

Lemke möchte E-Type-Fans einfach nur helfen, ein gutes Auto zu kaufen und damit Spaß zu haben. Deshalb empfiehlt er Optimierungen für den E-Type, die er auch selbst nutzt. US-Modelle sollten eine längere Übersetzung bekommen, die die Drehzahl um 600 Umdrehungen reduziert. Mit einer Edelstahlbuchse in den Radbremszylindern lässt sich verhindern, dass die Kolben festrosten.
Auch eine Isolierung gegen Hitze und Geräusch hält er für sinnvoll. "Gegen Hitze ist ganz wichtig, das hat bei den ganz alten Autos wirklich gefehlt. Es wird dann nicht so warm, und man kann sich besser unterhalten." Statt Zusatzlüfter einzubauen und das Cockpit mit einem nicht originalen Schalter zu verschandeln, empfiehlt Maikel Lemke, erst mal den Thermoschalter zu prüfen und zu tauschen. "Die haben ja keine Autos rausgegeben, die nicht funktioniert haben."
Selbst die Rückleuchten hat Jaguar im Laufe der Produktion geändert.
Bild: Jan Merlin Friedrich
Wenn Maikel Lemke über den Jaguar E-Type spricht, kann man ihm stundenlang zuhören. Oder zusehen. In seinem YouTube-Kanal finden sich über 100 spannende Videos. Immer wieder verblüfft er mit überraschendem Detailwissen. Zum Beispiel, dass es beim E-Type bis Mitte 62 ausschließlich Schlitzschrauben gab. Oder dass Jaguar eigentlich nur 500 E-Type bauen wollte, um Rennen fahren zu können.
Weil es keine Pressen für große Teile gab, mussten die frühen Hauben in der Mitte geschweißt werden. Oder dass sämtliche Bolzen immer genau so lang waren, dass lediglich drei Gewindegänge aus der Mutter rausschauten.

Teile-Wissen mit Tiefgang – und vollen Kisten

Auch zu Ersatzteilen hat er einiges zu erzählen. So kann es schon mal vorkommen, dass teuer bezahlte Teile nicht passen. "Die Vergaseranlage und die Ansaugbrücke vom E-Type sind ähnlich wie beim Mk 10 oder XK 150. Die Teile sehen fast identisch aus, nur ist die Ansaugbrücke beim E-Type etwas nach unten gewölbt und zwei, drei Zentimeter tiefer", erklärt Lemke. "Das Problem ist: Für den E-Type kostet das Teil zehnmal so viel wie für den Mk 10. Ich habe die Kisten voll mit solchen Sachen. Oft kann man das ohne Vergleich nicht unterscheiden."
Sein Wissen über den Jaguar E-Type Serie 1 schätzt Lemke auf 98 Prozent. Deshalb macht er auch nur für die Serie 1 Gutachten. "Über die späteren V12 weiß ich auch einiges, aber das ist nicht meine Spezialität, nicht meine Leidenschaft", erklärt er. "Denn 1967 wurde Jaguar an Leyland verkauft, und dann kam ganz viel Plastik da rein."
Manchmal setzt sich Maikel Lemke in seinen total originalen E-Type und genießt einfach nur den einzigartigen Geruch.
Bild: Jan Merlin Friedrich
Wenn Lemke an einem Wagen etwas Verdächtiges entdeckt, macht er Fotos und verschickt sie an Besitzer ähnlicher Fahrzeuge. "Durch mein Netzwerk bekomme ich oft noch viele Details raus", stellt er zufrieden fest.
Klar, dass sich sein Wissen auch in der Szene rumgesprochen hat. Aktuell arbeitet Maikel Lemke an einem Judge Guide des Jaguar Club North America mit. Darin finden Wertungsrichter bei einem Concours wichtige Hinweise, die ihnen bei der Beurteilung der Originalität helfen. Der perfekte Job für den Perfektionisten Maikel Lemke, der sogar alte Schrauben restauriert.

E-Type-Reisen organisieren

Sein perfekter E-Type ist übrigens ein dunkelgrünes Coupé, Baujahr 61, mit 3,8-Liter-Maschine und grüner Innenausstattung. Wenig überraschend hat er gleich zwei davon – einen unrestaurierten und einen, der demnächst fertig wird.
In naher Zukunft will er E-Type-Reisen organisieren. "Weil ich möchte, dass die Leute damit fahren. Und ich möchte spannende Leute zusammenbringen. Das sind alles Unternehmer. Aber wenn die von Jaguar anfangen zu reden, werden sie zu kleinen Jungs. Wie ich ja auch. Und dann haben wir Spaß", strahlt Lemke.
Seine Zukunft dürfte auf jeden Fall gesichert sein. Und das verdankt er einem Zufall: "Als ich meinen ersten Jaguar gekauft habe, bin ich auf einen Judge Guide gestoßen. Der war damals gerade neu. Darin hieß es: Werkzeugrolle, Betriebsanleitung und Wagenheber gehören dazu. Wer die nicht hat, bekommt Punktabzug. Dann habe ich festgestellt, dass viele Autos, die verkauft werden, diese Sachen nicht haben. Da wusste ich: Irgendwann werden die Käufer das brauchen. Also habe ich jahrelang den ganzen Markt aufgekauft", erzählt Maikel Lemke mit einem zufriedenen Lächeln und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Die Sachen sind meine Rente."