Lackfolierung Saab 9-3: Service
Folierung statt Lackierung: Saab 9-3 wechselt die Farbe

Lackieren oder doch lieber Folieren? Wer den Originallack bewahren und effektiv vor der Umwelt schützen will, der sollte zur Folie greifen.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Silberner Lack, schwarzes Leder: Die auch bei Klassikern beliebte Farbkombination finden wir – Verzei-hung, liebe Silber-Schwarz-Fans – etwas langweilig. Zudem hat der Zufall bei unserer 1000-Euro-Challenge ergeben, dass alle Autos rot sind – bis auf den Saab 9-3 des Kollegen Andreas May. Lackieren kam nicht infrage: „Ich möchte den Saab gern im Originalzustand erhalten“, sagt Andreas. Schnell war die Idee einer Folierung geboren: Der Originallack bleibt komplett erhalten, wird aber von einer Folie vor Steinschlägen, Verwitterung und vor dem Ausbleichen durch UV-Strahlung geschützt.
Um ein perfektes Ergebnis zu erzielen, entscheiden wir uns für einen Fachbetrieb mit über zehn Jahren Erfahrung im Folieren von Fahrzeugen: die Firma Boombastic Car Design in Hamburg. Wir begleiten ihren Folien-Profi Hares Sadat mit der Kamera fünf Tage lang bei seinen Arbeiten am Saab.
Anfangs war Andreas noch skeptisch, ob dem Saab der gewählte Rotton steht. Und ob man am Ende nicht sieht, dass es Folie und kein Lack ist. Beim Abholtermin ist er beeindruckt: "Das sieht ja Weltklasse aus! Und in Kombination mit dem schwarzen Leder traumhaft!"
Die Demontage von Kleinteilen
Für schöne Details am Ende ist es wichtig, am Anfang alle Anbau- und Zierteile abzunehmen, die einer sorgfältigen Folierung im Wege stehen könnten. Dazu zählen Tankdeckel, Außenspiegel-Dreieck, Antennenfuß, die Heckleuchten, Embleme und Schriftzüge. Auch die seitlichen Scheuerleisten, die Wischdüsen und die Scheinwerferreinigungsanlage werden demontiert. Den Aufwand legt der Kunde fest: Je mehr abgebaut wird, desto schöner und detaillierter wird am Ende das Ergebnis der Folierung ausfallen. Aber eben auch: desto teurer wird es. Auch Kleinteile wie Außenspiegelgehäuse und Tankklappe werden foliert. Werkseitig geklebte Zierteile wie die Heckschriftzüge werden am Ende auf die Folie geklebt. Das Saab-Logo wird später durch die Folie gesteckt.

Nach der Demontage aller Bauteile, die der Folierung im Weg stehen und einer anschließenden Reinigung kann es losgehen.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Die Reinigung: Gründlich muss sie sein
Der Folien-Profi Hares Sadat von Boombastic Car Design bereitet den vom Karosseriebauer präparierten Saab nun weiter für die Folierung vor. Einer gründlichen Wäsche folgt die Reinigung aller zu folierenden Oberflächen mit einem sogenannten Untergrundreiniger ("Surface Cleaner"). Er wurde speziell zur Vorbehandlung vor dem Folieren entwickelt. Er entfernt lackschonend kleine Schmutzreste, Wachs, Tectyl, Silikon und alle Arten von Pflegemittelrückständen. Die gründliche, bis ins Detail gehende Vorreinigung ist sehr wichtig: Schon geringe Wachs- oder Fettrückstände würden verhindern, dass die Folie später optimal haften kann.

Alle Bauteile werden einzeln foliert. Das ist sehr zeitaufwändig und hat beim Saab insgesamt fünf Arbeitstage gekostet.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Die Folierung: Feingefühl ist gefragt
Die neue Optik kommt von einer großen Rolle: Wir entscheiden uns für den Farbton "Gloss Red Metallic", zu deutsch "Glanzrotmetallic". Grundsätzlich sind alle Farben möglich, glänzend wie matt. Zugeschnitten wird die Folie mit einem Cuttermesser, zunächst für die größten Flächen wie Motorhaube, Dach und Türen. Faustformel zur insgesamt benötigten Folienfläche: dreimal Fahrzeuglänge plus zweimal Fahrzeugbreite.
Der Profi beginnt am tiefsten Punkt, zum Beispiel am unteren Motorhaubenrand, die Folie über das Bauteil zu ziehen. Glatt gestrichen wird von oben nach unten. Die wichtigsten Werkzeuge sind ein Heißluftföhn zum Erwärmen und die sogenannte Rakel zum Glätten der Folie. Die erwärmte Folie ist elastisch und korrigierbar – ein Vorteil gegenüber dem Lackieren. Eventuell entstehende Luftbläschen lassen sich wegrakeln.

Rakeln und Schneiden der Folie erfordern viel Können. Wenn es gut werden soll, muss ein echter Profi ran.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Gerakelt wird von der Mitte eines Bauteils zum Rand hin. Geschnitten wird die Folie erst, nachdem sie sich nach dem Föhnen abgekühlt hat. Die Ränder werden mit dem Cuttermesser geschnitten. Final fixiert werden die fertig folierten Flächen mit dem Heißluftföhn bei rund 80 Grad Celsius.

Das Ergebnis: In gut einer Woche wurde aus einem silber lackierten Saab 9-3 ein roter Hingucker.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Jedes Bauteil wird separat foliert. Möglich ist, was der Kunde wünscht. Auch Tür- und Haubenkanten können foliert werden – theoretisch sogar der Motorraum. Beim Saab entscheiden wir uns für eine Folierung sämtlicher Außenflächen, ohne innere Kanten. Für die Arbeit benötigt Folien-Profi Hares Sadat fünf Arbeitstage. Einen Tag lang muss die Folie in der temperierten Halle aushärten. Zum Kaschieren eines ungepflegten Lackzustandes oder von Lackschäden ist eine Folierung ungeeignet: Beulen, Dellen oder Rostschäden blieben unbehandelt auch nach einer Folierung sichtbar, zudem ist eine hochwertige Folierung arbeitsaufwendig.
Fazit
Einen gepflegten Oldie in gutem Lackzustand folieren lassen? Warum nicht?! Gegenüber einer Lackierung hat die Folierung einige Vorteile: Der möglicherweise originale Lack wird vor Steinschlägen, Verwitterung und UV-Strahlung geschützt. Und: Die Folie lässt sich jederzeit wieder rückstandslos entfernen. Die Kosten in einem Fachbetrieb: Ab rund 3500 Euro geht es los, je nach Größe und gewünschtem Umfang.
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