Na, liebe Kenner des Mercedes W 124, da haben Sie kurz die Augenbrauen zusammengezogen – stimmt's? Denn eigentlich kennen Sie alle AMG-Varianten der 124er-Baureihe: den 300 E-24 3.4 AMG, den E 36 AMG und den E 60 AMG. Und wir erzählen hier etwas von einem Mercedes 400 E AMG 4.2! Was soll das für ein Auto sein?
Mercedes 400 E AMG 4.2, Kotflügel und Rad links vorn, Detail Kühlergrill
Wählte der Kunde Blauschwarz-Metallic (Mercedes-Werkscode 199) wie hier, wurde der Chromgrill in Wagenfarbe lackiert.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD

Die Fakten zum Mercedes 400 E AMG 4.2 in Kürze

Die Fakten zum Mercedes 400 E AMG 4.2 in Kürze
Was ist der Mercedes 400 E AMG 4.2?
Ein von AMG Japan modifizierter Mercedes 400 E der Baureihe W 124 mit 4,2-Liter-M119-V8.
Warum gab es ihn vor allem in Japan?
AMG Japan bot vor der vollständigen Mercedes-AMG-Integration eigene Umbauten für den japanischen Markt an.
Wie viel Leistung hat der 400 E AMG 4.2?
Je nach Quelle leistet der AMG-4.2 rund 312 PS; der Serien-400-E kam auf 279 PS.
Was bedeutet Stage III oder S3?
Stage III bezeichnet die umfangreichste AMG-Japan-Ausführung mit Motor-Tuning, Fahrwerks-/Auspuffänderungen, 17-Zoll-Rädern, Verbreiterungen und AMG-Bodykit.
Wie unterscheidet er sich vom Mercedes 500 E?
Der 400 E AMG 4.2 ist schmaler, leichter und seltener als der 500 E und erreicht mit AMG-Tuning ein ähnliches Fahrleistungsniveau.
Wie selten ist der Mercedes 400 E AMG 4.2 S3?
Die Stückzahlen sind nicht eindeutig dokumentiert. Öffentlich kursieren Angaben von weniger als 20 bzw. 16 Stage-III-Fahrzeugen; nach Besitzerrecherchen soll es nur acht S3 geben.

Die Basis: der Mercedes 400 E

Ein japanisches. Also: Klar kam die Basis, der Mercedes 400 E der Baureihe 124, aus Deutschland. Er war, nach dem Mercedes 500 E, bis zum Facelift 1993 das zweitstärkste Modell der Baureihe: ebenfalls mit V8, hier aber mit 4,2 Litern und 279 PS (in Japan: 275 PS). Der Sleeper unter den 124ern, da er im Unterschied zum 500 E von außen so harmlos aussieht wie ein 200 D.
Mercedes 400 E AMG 4.2 fahrend von der Seite
Große Räder und lackierte Chromleisten oben an den "Saccobrettern" sind typisch AMG, Zusatzblinker hinter den Vorderrädern typisch Japan.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD

Warum es den 400 E AMG 4.2 nur in Japan gab

Was also ist japanisch? Das Tuning: AMG, damals noch eine externe Tuningfirma mit Hauptsitz in Affalterbach im Neckarbecken, hatte eine Außenstelle im Großraum Tokio – die AMG Japan Ltd., ein Joint-Venture mit dem japanischen Händlerbetrieb Yanase.
AUTO BILD Gebrauchtwagenmarkt
Mercedes-Benz E 420 E 420, CH-Import, technisch/optisch hervorragend
32.950
Mercedes-Benz E 420 E 420, CH-Import, technisch/optisch hervorragend
114.459 km
205 KW (279 PS)
11/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 500 W124 - 500E Mopf 1, Motor neu aufgebaut, H-Kennz.
79.000
Mercedes-Benz E 500 W124 - 500E Mopf 1, Motor neu aufgebaut, H-Kennz.
252.042 km
235 KW (320 PS)
10/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 400 400 E
29.000
Mercedes-Benz E 400 400 E
110.000 km
205 KW (279 PS)
07/1993
Zum Angebot
Benzin (WLTP), 13 l/100km (komb.)*
Mercedes-Benz E 500 500 E
87.911
Mercedes-Benz E 500 500 E
74.250 km
240 KW (326 PS)
07/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 400 400 E
16.750
Mercedes-Benz E 400 400 E
201.000 km
205 KW (279 PS)
06/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 420 E 420
29.900
Mercedes-Benz E 420 E 420
171.000 km
205 KW (279 PS)
06/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 500 500 E - 51.000 km!
98.000
Mercedes-Benz E 500 500 E - 51.000 km!
51.170 km
235 KW (320 PS)
05/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 500 500 E
58.999
Mercedes-Benz E 500 500 E
143.000 km
235 KW (320 PS)
04/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 500 E 500 500 E TOP ZUSTAND*TÜV
39.999
Mercedes-Benz E 500 E 500 500 E TOP ZUSTAND*TÜV
201.000 km
240 KW (326 PS)
01/1993
Zum Angebot
Mercedes-Benz E 500 E-Klasse
48.800
Mercedes-Benz E 500 E-Klasse
159.800 km
240 KW (326 PS)
12/1992
Zum Angebot
Alle Mercedes-Benz E-Klasse gebraucht

Ein Service von

Ein Service von AutoScout24
Rechtliche Anmerkungen
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
Autobewertung
ANZEIGE

Wie viel ist mein Auto wert? Kostenlose Autobewertung

Ein Service von

Ein Service von Carwow
Zunächst ging es AMG nur darum, seine Autos aus Deutschland in Japan verkaufen zu können. Aber mit dem Ohr an den Wünschen der japanischen Kunden entwickelten sie mehrere Teile und Modelle speziell für diesen Markt.
Mercedes 400 E AMG 4.2 fahrend von hinten
Aufgesetzter Heckspoiler in drei Teilen und AMG-Logo. Die eckigen Endrohre unter der Heckschürze tragen in diesem Baujahr noch kein AMG-Logo.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Laut AMG wurden die 400 E AMG 4.2 in Tokio umgebaut. Für die Kunden bedeutete das etwa vier Monate Wartezeit.

Die drei Stufen des 400 E AMG 4.2: Was unterscheidet S1, S2 und S3?

Los ging es mit dem Modell, das rückblickend S1 oder Stage I genannt wird: Beim ersten Mercedes 400 E AMG 4.2 kürzte AMG die Gesamtübersetzung auf das Niveau des 500 E, montierte ein Sportfahrwerk und einen Sportauspuff.
Der S2 oder Stage II bekam darüber hinaus 17-Zoll-AMG-Räder, Radlaufverbreiterungen und Motor-Tuning.
Mercedes 400 E AMG 4.2, Kotflügel und Rad links vorn
Nachträgliche Radlaufverbreiterungen am Mercedes 400 E AMG 4.2, AMG-Zierrat im Stil des 500 E.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Für den S3, die Vollfettstufe, baute AMG auch noch das AMG-Bodykit mit neuem Bugteil, Schwellerverkleidungen und Bürzel-Heckspoiler an.

Wie viele Mercedes 400 E AMG 4.2 wurden gebaut?

Fragen wir den Besitzer: Marcus Hampe hat zusammen mit Vater Heinz Hampe und Bruder Karsten Hampe eine erstaunliche AMG-Sammlung zusammengetragen. Unwahrscheinlich, dass jemand außerhalb Japans mehr über den Exoten Mercedes 400 E 4.2 AMG S3 weiß als Marcus Hampe. Im weltweiten Netz hat er technische Daten und Ausstattungsvarianten zusammengetragen und sich daraus ein eigenes Buch drucken lassen.
Detail: Alu-Rad des Mercedes 400 E AMG 4.2
Auf Zack: Zweiteilige 17-Zoll-AMG-Räder, hergestellt von. BBS, mit Zahnkranz-Optik.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Also: Wie selten ist der 4.2? Bis zur Einführung der modellgepflegten "MoPf 2"-Serie, mit der im Sommer 1993 aus der "mittleren Baureihe" die E-Klasse wurde, baute die Affalterbach-Zweigstelle AMG Japan Ltd. nur wenige Autos dieses Typs, ausschließlich auf Bestellung. Wie viele genau? Leider sind alte Auftrags- oder Produktionslisten von AMG offenbar nicht erhalten. Durchs Netz geistern Zahlen zwischen acht und "weniger als 20". Laut Marcus Hampe ist die genaue Stückzahl der Serien S1 und S2 nicht bekannt; aber alle sollen blauschwarz sein. Hampes blauschwarzer 4.2 S3 hier ist einer von tatsächlich nur acht!
In Summe entstanden bis 1995, also einschließlich des E420 AMG, wohl nicht mehr als 88 AMG in der irrwitzig teuren S3-Ausführung.

Der feine V8 im 400 E AMG 4.2

Unser Testwagen aus der Sammlung der Familie Hampe aus Warendorf im Münsterland sieht mit all seinen Spoilern zwar nach überdrehtem 80er-Jahre-Tuning aus; sein leise summender V8 der Motorenreihe M 119 aber, eingeführt 1989, wurde typisch für die 90er-Jahre.
Motor des Mercedes 400 E AMG 4.2
Tuning-V8 mit sanfter Gewalt. Motorabdeckung mit AMG-Label für den M-119-Motor.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Weil der technisch hoch ambitionierte V8-Motor des 400 E schon insgesamt vier Nockenwellen (DOHC) und vier Ventile pro Zylinder mitbringt, konnte AMG seinen eigenen, auf 6,0 Liter Hubraum aufgebohrten und aus dem 300 CE "Hammer" bekannten 32-Ventil-V8 im Regal lassen. Laut Marcus Hampe nennen Japaner in Anlehnung an den Sechsliter-"Hammer" den Mercedes 400 E AMG 4.2 auch "Nipponhammer".
Auf Hubraumerweiterung verzichtete AMG bei der japanischen S-Linie. Der "AMG M 119 E42 LH"-Motor bekam schärfere Nockenwellen, AMG bearbeitete Ein- und Auslasskanäle und Brennräume, wuchtete die Kurbelwelle neu, setzte Einspritzdüsen des Mercedes 500 E ein und passte die Motorsteuerung an. Im Automatikgetriebe wurde der Druck für die ersten beiden Fahrstufen erhöht.
Ergebnis: 33 PS mehr, also 312 PS statt der serienmäßigen 279 PS. Damit konkurrierte (und konkurriert) er direkt mit dem beliebten Mercedes 500 E; denn mit seinen 326 PS bzw. 320 PS ist der breitere und rund 80 kg schwerere 500 E sicherlich nicht wesentlich schneller.
AMG-Aufkleber im Motorraum des Mercedes 400 E AMG 4.2
AMG-Aufkleber auf dem Steuerketten-Gehäuse (links) mit PS-Zahl und Drehmoment.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Die Höchstgeschwindigkeit bleibt unverändert, bei 250 km/h wird abgeregelt. Eine Alternative zur Vierstufenautomatik war nicht vorgesehen.
Extras auch nicht – außer der Schlupfregelung ASR. Von den acht frühen S3-Exemplaren war eins silber, die anderen blauschwarz-metallic.
Beim Faceliftmodell "fiel ab 1994 das Polieren der Einlasskanäle, das Feinwuchten der Kurbelwelle und der geänderte Druck im Getriebe aus Kostengründen weg", berichtet Marcus Hampe.

Innen ist der 400 E AMG 4.2 überraschend schlicht

Verglichen mit dem äußeren Auftritt und dem Preis (siehe weiter unten) hat der S3 einen erstaunlich serienmäßigen Innenraum. Zur schwarzen "Sportline"-Ausstattung in Leder kommen etwas Wurzelnuss-Holz und das normale Airbag-Lenkrad. Nur der Tacho mit AMG-Schriftzug sticht hervor.
Cockpit des Mercedes 400 E AMG 4.2
Seriöser Innenraum ohne Prollerei: "Sportline"-Ausstattung, Leder, Holz, Serienlenkrad. Linkslenker zu fahren, gilt in Japan als exotisch und schick.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Rund 203.000 Kilometer stehen auf dem Zähler – auch als Highend-Variante von AMG bleibt der 400 E ein Komfortauto für lange Strecken.
Tacho des Mercedes 400 E AMG 4.2
Tacho mit AMG-Schriftzug und serienmäßiger 260-km/h-Marke. Später reichte die Skala bis 300 km/h.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD

Günstig, weil keiner sie kannte

Als die Hampes den S3 Mitte der 2010er-Jahre kauften, "wusste ich nichts von all dem", erzählt Marcus Hampe. Warum damals kein anderer AMG-Fan zuschlug? "Vielleicht, weil den Wagen außerhalb Japans keiner kennt", meint Hampe, der passend zum Thema im Alltag einen hochgradig edel ausgestatteten 190 E 2.0 fährt.

Preis-Frage: Wie viel kostet ein 400 E AMG 4.2 heute?

"Umgerechnet lag der Preis für einen 400 E 4.2 S3 damals bei über 200.000 Mark", sagt Marcus Hampe. Was mag so ein Wagen heute wert sein, sofern man je einen findet?
Für den Mercedes E 400 AMG 4.2 S3 liegen bei den Experten von Classic Data keine Notierungen vor, dafür ist er zu selten.
Aufkleber im Cockpit des Mercedes 400 E AMG 4.2
Zwischen Wählhebel und Aschenbecher: Aufkleber mit Einfahrhinweisen auf Japanisch für die ersten 2500 Kilometer.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Checken wir also mal das Umfeld ab: Ein Mercedes 500 E (W 124) liegt laut Classic Data in wirklich gutem Zustand (Note 2) um die 50.000 Euro, in Zustand 3 bringt er nur gut die Hälfte.
Die seltenen AMG-Typen mit Achtzylinder wie 400 E 4.2 S1, S2 und S3 (acht Stück) oder E 60 auf E 500-Basis (148 Stück) werden heute international gehandelt, zu Liebhaberpreisen.
Im Vergleich zum 400 E AMG 4.2 sind die gängigeren E-36-AMG-Varianten mit Sechszylinder fast schon ein Massenprodukt – aber selbst hier werden in Deutschland Preise um die 75.000 Euro aufgerufen, wenn auch nicht unbedingt bezahlt.
Aufkleber in der Heckscheibe des Mercedes 400 E AMG 4.2
Den Sticker "AMG Japan" unten in der Heckscheibe bekamen nur Autos, die dort umgerüstet wurden. Beim Ablösen zerfällt er in drei Teile, nachkaufen kann man ihn nicht! Darüber die Unterschrift von AMG-Mitgründer Hans Werner Aufrecht.
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
In Japan wurde am 25. Juni 2025 ein Mercedes 400 E AMG 4.2 S3 vom März 1994, 83.000 Kilometer jung, versteigert: für 7,2 Millionen Yen, knapp 41.000 Euro, plus Provision, Steuern und Fracht.
In den USA wurde am 7. November 2025 ein Mercedes 400 E AMG 4.2 online versteigert: Modelljahr 1993, Stage III, wie unser Foto-Auto ebenfalls ein Linkslenker, ca. 81.000 Kilometer. Der virtuelle Hammer auf der Plattform bringatrailer.com fiel bei 29.500 Dollar, rund 25.600 Euro!
Das war ein Superschnäppchen.

Mercedes 400 E AMG 4.2

Mercedes 400 E AMG 4.2
Motor
V8, vorn längs, zwei oben liegende Nockenwellen pro Zylinderbank, Steuerkette, vier Ventile pro Zylinder, elektronische Benzineinspritzung
Hub­raum
4196 ccm; Bohrung x Hub 92,0 x 78,9 mm
Leistung
230 kW (312 PS) bei 5750/min
max. Drehmoment
425 Nm bei 4000/min
Höchstgeschwindigkeit
250 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung
0-100 km/h
k. A.
Antrieb
Hinterradantrieb, Vierstufenautomatik
Fahrwerk
Einzelradaufhängung an doppelten Querlenkern vorn, Raumlenkerachse hinten
Bremsen v./h.
innenbelüftete Scheiben/Scheiben
Reifen
225/45 ZR 17
Verbrauch
k. A.
Tankinhalt
90 l
Leergewicht
1620 kg
Zulässiges Gesamt­gewicht
2140 kg
Länge/Breite/Höhe
4740/1740/1445 mm
Neupreis (1993)
13,7 Millionen Yen (umgerechnet ca. 204.000 Mark)