Satte 6,9 Liter Hubraum, 286 PS, Hydropneumatik und ein Neupreis von knapp 70.000 Mark: Als der Mercedes 450 SEL 6.9 1975 präsentiert wurde, bejubelte die Presse das Topmodell und betitelte den W 116 als "bestes Auto der Welt". Noch heute behaupten viele Kenner: Mehr Mercedes geht nicht. Aktuell wird ein gut erhaltener 450 SEL 6.9 bei eBay verkauft.
Hinweis
Mercedes 450 SEL 6.9 bei eBay
Angeboten wird der Mercedes 450 SEL 6.9 in der Farbe "Milanbraun Metallic" im Raum Stuttgart, doch ausgeliefert wurde der Luxusliner damals im französischen Nizza an der Cote d'Azur. Eben genau dort, wo man einen 6.9er erwartet. Die Erstzulassung erfolgte am 10. Oktober 1977. Bedeutet: Der elegante Benz wird dieses Jahr 45 Jahre alt.
Mercedes Benz 450SEL 6.9
Heutzutage ist der 450 SEL 6.9 kaum noch im Straßenverkehr anzutreffen. Kein Wunder, bei nur 7380 gebauten Exemplaren.


Präsentiert wurde der 450 SEL 6.9 1975 – und bis zum Produktionsende 1980 wurden nur 7380 Stück gebaut. Das lag sicherlich auch am hohen Grundpreis von einst 69.930 Mark, der bis 1980 sogar auf 81.300 Mark anstieg. Dafür bekamen gutbetuchte Kunden jedoch auch das Beste, was Mercedes zu diesem Zeitpunkt zu bieten hatte. Das Herzstück ist der legendäre V8 mit dem Motorencode M 100 E 69. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des V8 aus dem 300 SEL 6.3. Im W 116 wurde der Hubraum auf 6834 ccm aufgebohrt, die Leistung ist mit 286 PS und beeindruckenden 550 Nm angegeben, die bereits bei 3000 U/min anliegen.

450 SEL 6.9 mit Hydropneumatik statt Luftfederung

So verwundert es auch nicht, dass der 6.9 die offiziellen Fahrleistungen (225 km/h Topspeed und 0-100 km/h in 7,4 Sekunden) nicht selten übertreffen konnte. Noch beeindruckender als die schiere Leistung muss für die Kundschaft jedoch der Komfort gewesen sein. Anstelle einer Luftfederung setzte Mercedes beim 450 SEL 6.9 auf eine Hydropneumatik, die mit Gas und Drucköl funktioniert. 
Das Gewicht von beinahe zwei Tonnen tragen vier Gasfederelemente, die über Hydraulikzylinder mit der Radaufhängung verbunden sind. So hat der 6.9 eine ebenso weiche wie fahrstabile Federung inklusive einer automatischen Niveauregulierung, die man über einen Zugschalter hinter dem Steuer bedient.
Gemessen an heutigen Maßstäben tritt das Topmodell zudem fast schon unauffällig auf. Die einzigen Unterscheidungsmerkmale zum normalen 450 SEL sind die Schriftzüge und breitere Hinterreifen.
Mercedes Benz 450SEL 6.9
Die seltene Velour-Ausstattung des angebotenen Mercedes 450 SEL 6.9 ist top in Schuss.

Zurück zum aus Nizza importierten Fahrzeug: Der abgelesene Kilometerstand beträgt knapp 161.700 Kilometer. Laut Verkäufer ist der 6.9 rostfrei sowie ungeschweißt und befindet sich im unverbastelten Zustand. Vor etwa sechs Jahren wurde der Benz im Originalfarbton "Milanbraun Metallic" lackiert. Kostenpunkt: 6800 Euro. Zudem wurden viele weitere Service- und Reparaturarbeiten durchgeführt: Wasserpumpe plus Kettenspanner und Gleitschienen wurden gewechselt, zudem der Anlasser und der Speicher der Hydropneumatik erneuert. Ganz frisch wurden auch noch die Dichtungen der Windschutz- und Heckscheibe getauscht.

Neuer TÜV, H-Zulassung und Gutachten inklusive

Auf den Bildern präsentiert sich der 6.9 in einem hervorragenden Zustand. Auch die seltene Velours-Innenausstattung in der Farbe "Bambus" ist nicht verschlissen. Der gute optische Eindruck wird durch ein Dekra-Gutachten aus Dezember 2021 bestätigt, das dem 6.9 die Note "2" bescheinigt. Im selben Monat hat der Mercedes zudem neuen TÜV und eine H-Zulassung erhalten, sodass der nächste Besitzer direkt losgleiten kann. Vorausgesetzt er bringt die nötigen finanziellen Mittel mit.

Der aufgerufene Preis liegt bei 69.690,69 Euro, womit dieser 450 SEL 6.9 zu den teuersten Exemplaren auf dem Markt gehört. Dazu muss erwähnt werden, dass das Angebot an 6.9ern sehr gering ist. Die günstigsten Exemplare sind meist Reimporte aus den USA oder Kanada und mit hohen Kilometerständen und der einen oder anderen Baustelle ab guten 20.000 Euro zu finden. Einige Modelle werden zwischen 30.000 und 50.000 Euro angeboten, während Top-Exemplare 60.000 Euro und mehr kosten sollen.

Die Unterhaltskosten können einen auffressen

Doch der Kaufpreis ist nur die halbe Wahrheit, denn der Unterhalt eines 6.9er kann richtig teuer werden. Da wären die kalkulierbaren Kosten wie ein Verbrauch von mindestens 20 Litern pro 100 Kilometer oder ein Satz neuer Reifen für rund 2000 Euro – doch richtig heftig wird es bei Reparaturen: Eine Motorrevision verschlingt schnell mal 20.000 Euro, und auch die komplizierte Hydropneumatik kann bei Defekten richtig ins Geld gehen. Das einst "beste Auto der Welt" ist eben kein Auto für Sparfüchse!