Ist das Kunst, oder ...? Doch, beinahe: Der himmelblaue 126er bekam seine Heckklappe im Auftrag der weltberühmten Malerin, Bildhauerin und Fotografin Yayoi Kusama.
Ob das den Kombi zu einem Kunstwerk macht oder ob er doch lieber wegkann – darüber diskutieren Autofans erregt.
Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi-Umbau fahrend von schräg hinten
Schwerer Wagen: 1700 Kilogramm wiegt die lange S-Klasse nach ihrem Umbau zum Kombi.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD

So entstand der Umbau der Mercedes S-Klasse zum Kombi

Hier die Fakten: Die japanische Künstlerin bestellt 1981 eine S-Klasse. Das Auto wird nach Düsseldorf geliefert: 500 SEL, dunkelblau (Farbcode 904), innen hellgrau – perfekt für einen seriösen Geschäftsmann.
Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi-Umbau: Detail mit C-und D-Säulen
Schwer versteift: breite C-Säule mit Mercedes-Stern, zusätzliches Seitenfenster als Parallelogramm.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD
Aber doch nicht für eine Bildhauerin! Sie nimmt den Mercedes 1982 mit in die Heimat. Dort geht's dem Wagen 1984/85 an den Kragen: Sie beauftragt eine Karosseriebaufirma, sie will den 126er als Kombi.
Warum? Ist nicht überliefert. Mit seiner hohen Ladekante und den feststehenden Rücksitzlehnen ist der umgebaute 126er nicht überragend praktisch – für den Transport von Bildern oder Skulpturen also suboptimal.
Dachreling am Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi-Umbau
Schwer zuzuordnen: Die Dachreling stammt nicht etwa vom Mercedes S 123, sondern wohl von einem japanischen Kombi.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD
Über die Ästhetik kann man streiten. Ist es die fette C-Säule oder der schwungvolle Spalt rund um die Limousinen-Heckscheibe, die den Kombi seltsam aussehen lässt?
Hutablage überm Kofferraum des Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi-Umbau
Schwere Qualität: Zwei Dämpfer à 400 Newtonmeter heben die Klappe, an Metallketten hängt die Hutablage aus 21 Millimeter dickem Vollholz.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD
Was Qualität angeht, leisten die Japaner jedoch ganze Arbeit. Sie zerlegen das Auto, lackieren es ausgerechnet in "Chinablau" (Farbcode 934), fertigen aus der originalen Heckscheibe und dem Scheibenrahmen die Klappe. "Da ist kaum Spachtel dran, alles ist aus Blech getrieben", sagt der heutige Besitzer, Fred Oehmke aus Berlin.
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Außen bekommt der Kombi blaue Türgriffe und Sacco-Bretter vom Faceliftmodell, innen einen Dachhimmel aus einem Stück und rotes Leder bis in die Heckklappe. Die hinteren Seitenfenster sind in Wurzelholz gefasst, ebenso die Ränder der Türtaschen.
Cockpit des Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi-Umbau
Schweres Leder: Polster in "Mittelrot". Wurzelholz umfasst sogar die Türtaschen.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD

So kam der Mercedes 500 SEL Kombi nach Deutschland

Nach 30 Jahren Standzeit bringt Autohändler Rosier den Blauwal nach Oldenburg. Oehmke kauft ihn für 30.000 Euro, steckt fast noch mal so viel hinein – jetzt fällt er überall auf.
Besitzer Fred Oehmke am Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi-Umbau
Schwer verliebt: Besitzer Fred Oehmke hält die Klappe – und erzählt, wie er die Rarität nach deren Rückkehr aus Japan fand.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD

Das ist die Künstlerin Yayoi Kusama

Und das, obwohl Yayoi Kusama ihn nicht bemalt hat. Typisch sind ihre Netzmuster, noch typischer ihre Punkte, die "polka dots". Schon als Kind hatte sie Halluzinationen: Sie sah Punkt- und Netzmuster und fürchtete, sich darin aufzulösen.
Das verarbeitete sie künstlerisch: Sie malte Bilder, formte Skulpturen und inszenierte Fotos, meistens mit unzähligen Punkten auf ihren Objekten.
Heute, mit über 90, ist Yayoi Kusama berühmter denn je. Sie lebt seit 1977 freiwillig in einer psychiatrischen Klinik.
Künstlerin Yayoi Kusama und Manager Dominique Boesch vor einem Audi R8. Der Audi und die Kulisse drumherum sind mit roten Punkten übersät.
2009 versah Yayoi Kusama einen Audi R8 und seine Umgebung mit roten Punkten. Hier präsentiert sie das Werk zusammen mit dem damaligen Audi-Japan-Chef Dominique Boesch.
Bild: Yoshikazu Tsuno / Getty Images

Hier können Sie Yayoi Kusamas Werke sehen

Ihre Werke aber werden 2025 und 2026 unter anderem in der Schweiz und in Deutschland ausgestellt: Eine große Werkschau findet bis 25. Januar 2026 in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel statt, dann zieht sie nach Köln und wird am 14. März 2026 im Museum Ludwig eröffnet. Eintritt in der Schweiz: 30 Franken, ermäßigt 25 Franken, für junge Leute bis einschließlich 25 Jahren ist der Eintritt frei. Eintritt in Köln: ab 11 Euro, ermäßigt ab 7,50 Euro.
Motor des Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi-Umbau
Mittelschwerer Fehler: In Japan wurden mal zu weiche Ventilschaftdichtungen in den M-117-Motor eingebaut – jetzt sind die richtigen drin.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD
In Hannover im Sprengel Museum läuft bis zum 14. Februar 2026 die Ausstellung "Niki. Kusama. Murakami.", ebenfalls mit Werken von Yayoi Kusama. Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Technische Daten: Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi

Technische Daten: Mercedes 500 SEL (W 126) Kombi
Hubraum
4973 ccm
Leistung
170 kW (231 PS) bei 4750/min
max. Drehmoment
405 Nm bei 3000/min
Beschleunigung 0–100 km/h
k. A.
Höchstgeschwindigkeit
220 km/h
Antrieb
Vierstufenautomatik, Hinterradantrieb
Länge/Breite/Höhe
5135/1820/1441 mm
Verbrauch
k. A.
Leergewicht
1700 kg
Neupreis (1981)
ca. 68.000 Mark plus Umbau