Mohs Ostentatienne Opera Sedan
Amerikas schrägstes Auto

Ein Mann, eine Idee, ein Auto. Die Luxuslimousine eines Amerikaners aus Wisconsin war nicht schön, aber selten. Und irgendwann verschollen. AUTO BILD KLASSIK hat den Mohs Ostentatienne Opera wiederentdeckt.
- Wolfgang König
Der Mann hatte seine Bewunderer. "Stellen Sie sich vor, Sie könnten Thomas Edison treffen", umschrieb einer von ihnen die Strahlkraft von Bruce Mohs, Fabrikant und Erfinder aus Wisconsin. Ursprünglich produzierte Mohs nur Wasserflugzeuge. Später, in den 60ern, versuchte er sich auch als Universalgenie. Er entwarf alles – von Reflektoren über Mini-Motorroller bis hin zu Beiwagen, die schwimmen konnten. Offenbar waren Motorradbeiwagen, die bei Bedarf auch als Boot taugten, genau das, was die Zeit verlangte. Von hier aus war es dann nur noch ein kleiner Schritt zum Mohs Opera Sedan. Es war das Jahr 1967. Mohs besaß damals vielerlei Patente für Sicherheitsvorrichtungen. Um sie ins rechte Licht zu rücken, beschloss er, sie in einem eigenen Auto, einem Luxusgefährt, zu versammeln. Als Basis wählte er – was sonst? – das Chassis eines Lastwagens, Typ International Harvester.
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Bild: Daniel Kelleghan/Fox Syndication
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Nur ein Prototyp entstand
Es blieb beim Prototyp, und der bewährte sich fortan als Bruce Mohs’ Alltagsauto. Und als Showstopper – so als Mohs 1968 die Wahlkampfrede von Nelson Rockefeller unterbrach. Nur weil er in der Nähe vorbeifuhr. Oder als ihn ein TV-Team in Texas mit einem Rockstar verwechselte. Das Auto avancierte zur Limo prominenter Gäste, wenn sie die Mohs Seaplane Corporation besuchten. Angeblich ließen sich unter anderem Johnny Carson und Tom Jones darin kutschieren. Gern erzählt Mohs auch von seiner Freundin Grace Kelly: zwei Nummerntafeln am Ostentatienne – eine von Wisconsin, eine von Monaco – erhärten die Story. Aufbewahrt wurde er in Mohs' Automuseum, das an Mohs' "German Restaurant" angrenzte. Wer im Lokal etwas bestellte, durfte umsonst ins Museum. In den späten 80ern freilich ging die Sonne über dem Mohs-Imperium unter. Der Ostentatienne verwitterte hinter verschlossenen Türen. Legenden begannen sich um das skurrile Gefährt zu ranken.
2008 wird der Mohs wiederbelebt

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Luxuriöser Urahn des SUV

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Das dicke Ende ließ indessen nicht auf sich warten. Bei der kosmetischen Aufarbeitung stießen Beyers Studenten auf Schichten metallarmierter Glasfasern, die sich über den Stahlkorpus stülpten. Mohs verkaufte das in seinen Prospekten einst als Sicherheitsmerkmal, die Wahrheit entpuppte sich nun als schwer restaurierbare Tünche. Doch Mitte 2009 blinkte der Ostentatienne Opera Sedan wieder in güldener Pracht. Und Bruce Mohs? "Es war seine Reise in die Vergangenheit", berichtet Beyer, "er hatte Tränen in den Augen."
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