Opel Ascona B 400 Rallye: Röhrls Rallyeauto als Klassiker des Tages
So scharf fährt sich Walter Röhrls Opel Ascona B 400!
Opel Ascona B 400 Rallye (1981)
Inhaltsverzeichnis
Opel Ascona B 400 – dieser Name ist nicht nur für Opel-Fans etwas ganz Besonderes. Gemeinsam mit Co-Pilot Christian Geistdörfer gewann Walter Röhrl 1982 die Rallye-Weltmeisterschaft in diesem legendären Auto. Zugegeben, nicht in genau diesem Exemplar – aber der hier ist ein Trainingsfahrzeug von Opel Classic, das dem Original zumindest optisch bis ins letzte Detail gleicht.
Also mit weißen Ronal-Felgen, Rothmans-Dekor, Schmutzfänger und den Namen Röhrl/Geistdörfer inklusive Blutgruppen auf den Kotflügeln. Knapp vier Jahrzehnte nach dem Titelgewinn konnten sich AUTO BILD-Kollegen hinters Steuer des Trainingswagens klemmen und einige Kilometer in der Autolegende fahren!
Von innen sieht der Ascona zunächst so aus: Überrollkäfig, Sportlenkrad mit 360 Millimeter Durchmesser, Recaro-Sitze mit Fünfpunktgurten, Motorhaube mit Schnellverschlüssen und vieles mehr. Das summiert sich auf dem Fahrzeugschein auf zwei komplett gefüllte Seiten! Dabei dreht es sich aber nicht um das neueste Tuningprojekt im Fast-and-Furious-Style, sondern um eine echte Rallye-Legende mit Straßenzulassung.

Die einen nennen es Patina, die anderen sagen abgerockt: Das Cockpit wurde oft benutzt.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Das Cockpit ist spartanisch ausgestattet und wurde oft benutzt. Die einen nennen es Patina, die anderen sagen abgerockt. Einsteigen ist trotz Überrollkäfig kein Problem. Der Fahrersitz ist vergleichsweise hoch positioniert. Das liegt daran, dass Joachim "Jockel" Winkelhock der Letzte war, der diesen Ascona B 400 artgerecht bewegt hat. Heute sind wir dran, aber minus artgerecht!
Also die Sabelt-Fünfpunktgurte festziehen, Zündung an und den Startknopf drücken. Der 2,4-Liter-Vierzylinder springt sofort an und verfällt in einen etwas unrunden Leerlauf. Zwei, drei kräftige Gasstöße später läuft er etwas ruhiger. Jetzt kommt allerdings die einzige Enttäuschung an diesem Tag: Unter der Haube sitzt zwar der 2,4-Liter-16V, allerdings hat das Trainingsauto einen Serienmotor von der Stange. Bedeutet: 144 PS statt zwischen 240 und 280 PS im Renntrimm. Da es heute aber nicht um Bestzeiten und ums Driften geht, ist das zu verkraften.
Der erste Gang ist unten links

Ohne Servolenkung und mit 305er-Reifen nimmt der Ascona B 400 Kurven erstaunlich gut und präzise.
Bild: privat
Der Ascona B 400 hat Hinterradantrieb und ein Getrag-Fünfganggetriebe mit sogenanntem "Dogleg". Der erste Gang ist unten links, damit die Gänge zwei bis fünf schneller durchgerissen werden können. Auch der BMW M3 E30 und der Mercedes 190 2.5 16V hatten später ein solches Getriebe. Beim Ascona ist das Pedalgefühl der Kupplung extrem hart, zudem greift sie erst auf den letzten Zentimetern. Noch gewöhnungsbedürftiger ist die servolose Lenkung, die in Kombination mit den breiten Reifen (8 und 10x15-Zoll) im Stand keinen Spaß macht.
Erst mal in Fahrt, lässt sich der Ascona erstaunlich direkt durch die Kurven lenken. Was gleich auffällt: Dieser Opel ist nicht zum Langsamfahren gebaut! Je höher die Drehzahl, desto flüssiger und spaßiger lässt sich der Ascona bewegen.

Dieser Ascona ist ein besonderes Auto, das ganz besonders großen Spaß macht.
Bild: Peter Fischer / AUTO BILD
Leider geht es heute nicht über den dritten Gang hinaus, und auch die Handbremse wird maximal zum Einparken benutzt. Dafür klingt der Vierzylinder-Sauger auch bei niedrigen Geschwindigkeiten richtig amtlich. Vor allem bei Gaswegnahme sprotzelt der Ascona schön – wohlgemerkt echte Fehlzündungen und kein einprogrammierter Sound.
Warum der Ascona B 400 so viel Spaß macht
Im Innenraum ist es trotz offenem Fenster heiß, der Geräuschpegel ist hoch. Der Motorsound vermischt sich mit Getriebeheulen und Knarzgeräuschen aus dem Armaturenbrett. Zur Kamera sprechen, das bedeutet im Ascona B 400: Schreien! Klingt hart, aber genau das erwarten wir von einem Rallyeauto. Trotz nur 144 PS und gemäßigtem Tempo merkt man, dass der Ascona ein ganz besonderes Auto ist, das ganz besonders viel Spaß macht. Leider ist auch diese Testfahrt viel zu kurz und zu langsam. Gerne würden wir den Vierzylinder bis über 6000 U/min drehen, ihn vor der Kurve anstellen und quer durch die Kurve treiben. Auf dem Werksgelände von Opel bleibt es beim Wunsch.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde 2019 erstmals gepublisht
Service-Links




























