Zum Evo II gehören eine tiefe Frontschürze, breite Kotflügel und ein Riesen-Tablett auf dem Kofferraumdeckel. Der Mercedes lässt keinen Zweifel an seiner Bestimmung: Ich bin ein Rennwagen. Punkt. Aus. Ja, und das ist er wirklich. Der Evo II sieht nicht nur gefährlich aus, er markiert tatsächlich das Ende der sportlichen Fahnenstange. 235 PS, ein knallhartes Fahrwerk und kaum Bodenfreiheit. Der ist für die Rennstrecke gemacht – und sonst gar nichts. 500 Exemplare musste Mercedes davon bauen, um ihn im Rennsport einsetzen zu können. Dieser hier ist die Nummer 476 – also ein ganz spätes Stück. 109.440 Mark standen 1990 auf dem Preisschild – rund das Doppelte dessen, was die Konkurrenz für ihre "normalen" Sportler verlangte.
Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II
Eine tiefe Frontschürze und breite Seitenteile verwandeln den 190er in einen Sportwagen.
Aber der Evo II war auch etwas ganz Besonderes. Und wird heute als Liebhaberstück entsprechend hoch gehandelt (bis zu 50.000 Euro, je nach Zustand). Auch wenn er noch so sehr auf Macho macht, das Fahren ist ein Klacks. Die Recaros sitzen wie angegossen, Lenkrad und Schaltung liegen perfekt zur Hand. Starten, der Vierzylinder grummelt vor sich hin, der Vorderwagen schaukelt ein wenig im Takt. Den ersten Gang rein – halt, der liegt wie bei Sportlern üblich hinten links. Das war‘s aber schon mit den Besonderheiten. Der Rest im Cockpit ist 190er-Einerlei. Bieder, von durchschnittlicher Qualität. Ergötzen können sich sportliche Naturen allenfalls an den drei Zusatzinstrumenten unten in der Mittelkonsole. Ganz schön arm für so ein teures Stück. Der Evo II bevorzugt mehr die große Show nach außen. Der Pilot ist zwar wichtig, aber hier steht das Auto selbst im Mittelpunkt. Es wirkt fast, als könne dieser Obendrüber-190 auch auf einen Fahrer verzichten.

Der Evo II scheut den Weg zur Rennstrecke nicht

Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II
Der 2,5 Liter große Vierzylinder schiebt mächtig an und dreht willig hoch bis über 7000 Touren.
Der Benz ist so perfekt abgestimmt, dass sich auch weniger geübte Lenkrad-Artisten auf Anhieb wohl fühlen. Der Motor schiebt mächtig bis 7000 Touren, die Getriebeübersetzung passt perfekt, das Fahrwerk hält den Evo II auf der Straße wie festgenagelt. Lastwechsel bringen ihn ebenso wenig aus der Ruhe wie schnelle Wechselkurven oder brutales Einbremsen. Dieser Mercedes ist giftig und lammfromm zugleich. Sein Revier ist die Rennstrecke, aber den Weg dorthin scheut er nicht. Nur sollten sich alle darüber im Klaren sein, dass er seinen Rennoverall bereits übergestreift hat. Denn die Bodenfreiheit ist minimal und Federungskomfort fast nicht vorhanden. Für die Autobahn ist das okay, über Land und in der Stadt bedeutet es totalen Verzicht. Er will eben verstanden werden. Als reinrassiger Renner. Was er zweifellos ist.

Bildergalerie

Mercedes 190 E 2.5-16 EVO II
Mercedes 190 E 2.5-16 EVO II
Mercedes 190 E 2.5-16 EVO II
Kamera
Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II Test

Fazit

von

Jürgen von Gosen
Mit dem Evo II hat Mercedes die sportliche Latte ganz hoch gelegt. 235 PS und der Krawall-Look markieren das Ende der Entwicklung beim 190er. Dass er kein Alltagsauto ist und auch nicht sein will, sieht man auf den ersten Blick. So macht er denn auch auf der Rennstrecke am meisten Spaß, scheut sich aber auch nicht vor einem schnellen Autobahn-Trip. Den Ausflug zum Brötchen holen erspart man sich aber lieber.

Von

Jürgen von Gosen