Opel Signum und Tigra TwinTop: vergessene Helden
Opel damals: cool, schräg, unterschätzt – die wilden Nullerjahre

Gutes Design, solide Technik, sympathischer Preis. Signum und Tigra TwinTop sind junge, unkonventionelle Opel mit klassischen Tugenden. Es wird Zeit zum Umparken – es müssen ja nicht immer Rekord, Kadett und Co sein.
Bild: Christian Herb / AUTO BILD
Was für coole, heiße und schräge Modelle doch die Firma Opel im Jahr 2000 zwischen den Normalo-Typen à la Vectra, Astra und Meriva im Programm führte. Und irgendwo zwischen Caravan-Nutzwert und Corsa-Vernunft: ein Hauch Oberklasse für Vielfahrer und Familie, etwas Lifestyle für sie und ihn. Signum und Tigra TwinTop!
Der zeitlebens chronisch unterschätzte Signum ist, ganz nüchtern betrachtet, eigentlich eine Mittelklasse im Maßanzug. Mehr Eigenständigkeit und Oberklasse-Ambition gestand GM der Tochter nicht mehr zu.
Mit dem eigenständigen Look und der damit einhergehenden Aufwertung des Images wollte Rüsselsheim eine altgediente Klientel bei Laune halten, die früher einmal Autos wie Commodore oder Senator gekauft hatte. Und der wahrscheinlich schon ein Omega B mit Sechszylinder wie ein Prestige-Downgrade vorkam. Dass es ein neu gestylter Vectra C mit innovativem Rücksitz-Konzept bei diesen gesetzten Selbstfahrern schwer haben würde, hätte man sich im Vertrieb auch denken können.

Eher Kombi-Coupé als Caravan: Das stilistisch eigenständige Heck unterscheidet den feinen Signum vom schnöden Vectra Caravan.
Bild: Christian Herb / AUTO BILD
Design mit Oberklasse-Flair
Da half auch kein eigener Modellname wie Signum. Heute freuen wir uns, dass ein solider, aber eben auch todlangweiliger Vectra C so gut aussehen kann. Clever und originell ist der letzte „große“ Opel allemal.
Dass er eine Nummer größer wirkt als die normale Verwandtschaft, verdankt er dem eigenständigen Design, das eher Viertürer-Shooting-Brake als Kombi sagt. Bei Opel hatten sie damals einen Lauf! Die unter Leitung des Chefdesigners Hans Seer entworfene neue Marken-Linie mit klaren Flächen und definierten Lichtkanten sieht immer noch frisch aus. 2001 stand die Signum2-Studie auf der IAA, 2003 kam die Serienversion auf den Markt. Für dessen gestreckte Linie bei nur 4,64 Meter Länge sorgt allerdings in erster Linie der um 130 mm längere Radstand des Vectra Caravan.
Fahrzeugdaten | Opel Signum 3.0 V6 CDTI (2005) | Opel Tigra TwinTop 1.8 (2009) |
|---|---|---|
Motorbauart/Aufladung | V6-Diesel | Vierzylinder |
Hubraum | 2958 cm3 | 1796 cm3 |
kW (PS) | 135 kW (184 PS) | 92 kW (125 PS) |
max. Drehmoment | 400 Nm bei 1900/min | 165 Nm bei 4600/min |
Getriebe | Fünfstufenautomatik | Fünfgang-Schaltgetriebe |
Antriebsart | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Maße L/B/H | 4636/1798/1466 mm | 3921//1685/1364 mm |
Gesamtgewicht | 2125 kg | 1480 kg |
Höchstgeschwindigkeit | 227 km/h | 204 km/h |
Verbrauch/100 km (Werksangaben) | 6,9 l Diesel | 7,7 l Super |
Neupreis | 30.485 Euro (2005) | 19.540 Euro (2009) |
In der ersten Reihe kommt keine Aufregung auf, da ist alles wie immer: vom seltsam genoppten Armaturenbrett bis zum glatten, abwaschbar wirkenden Plastik der Arbeitsflächen. Der "Flex Space"-Trick findet hinten statt. Da warten verschiebbare Komfort-Einzelsitze mit variabler Lehnenneigung und eine Beinfreiheit wie in der Oberklasse auf die Reisenden. Stehen die Sitze ganz hinten, passen immer noch 365 Liter in den Kofferraum – für den Business-Trip völlig ausreichend.
Hinten mittig, wo es der aufpreispflichtige Reise-Begleiter mit Kühlbox und Klapptischchen den Passagieren bequem macht, dürfen wegen der abfallenden Dachlinie eh nur Normgrößen bis 1,75 Meter sitzen. Dann doch lieber gleich zu viert bleiben und den klobigen, aber hilfreichen Travel Assistant mitnehmen.
Diesel mit Langstrecken-Charakter
Ganz weit hinten wird auch das kernige Common-Rail-Nageln des Dreiliter-Diesels zum sanften Hintergrundmurmeln. Zum Charakter des Reisewagens für die Langstrecke passt der zäh, aber bestimmt anziehende CDTI-Sechszylinder, aber ein V6-Benziner wäre die feinere, traditionellere Wahl.

Erste Generation: Front mit Glasbaustein-Scheinwerfern. Im Sommer 2005 gab's ein Facelift des Signum.
Bild: Christian Herb / AUTO BILD
Der Signum ist ein Opel aus der Zeit, als GM in Japan (Isuzu) und Italien (Fiat) neue Allianzen suchte – auch das ein Teil der jüngeren Blitz-Historie. Als Opel-Chef (2001 bis 2004) hatte Ex-BMW-Mann Carl-Peter Forster Großes mit der deutschen GM-Tochter vor, mutige Modelle sollten neue Märkte erschließen. Typen wie Signum und Tigra TwinTop waren Teil des ehrgeizigen Masterplans, in dem auch Heuliez eine Rolle spielte.
Tigra TwinTop: der kleine Open-Air-Star
Der Karosseriespezialist aus Frankreich, der schon am identisch konzipierten Peugeot 206 CC mitgearbeitet hatte, baute zwischen 2004 und 2009 über 90.000 Open-Air-Tigra, Heuliez-Markenzeichen am Kotflügel inklusive – und war danach trotzdem pleite.

Typisch Stahldach-Cabrio: keine Persenning im Nacken, aber ein hoch bauendes Heck. Zur Sicherheit hat der Tigra noch einen kleinen Überrollbügel an Bord.
Bild: Christian Herb / AUTO BILD
Dass dieser Tigra B aussieht und fährt wie ein Neuwagen, liegt daran, dass er 2009 als Ausstellungsstück auf der AMI in Leipzig stand und danach direkt in die Sammlung von Opel Classic rollte. Nur 73 Kilometer stehen auf dem Tacho, der wie das Hartplastik-Cockpit vom Corsa C übernommen wurde. Da versprüht auch die aufpreispflichtige Lederausstattung nur wenig Glamour.
Mit den extradynamischen Zutaten des hauseigenen Opel Performance Center (OPC) – GSi-Nachfolgeorganisation des neuen Jahrtausends – an Bord tritt der Tigra zwar knackig auf, fährt aber so unaufgeregt wie ein normaler Kompakter. 125 PS waren damals das Maximum im Tigra, für den TwinTop reicht der quirlige Vierzylinder völlig aus. Nebenbei beweist der kleine, feine Opel Praxisnähe: Pseudo-Rücksitze wurden konsequent ausgespart, stattdessen gibt es eine flach ins Heck reichende Ablage hinter den Sitzen.

Kompakte Maße: Knapp vier Meter misst der erste und letzte offene Tigra. Karosseriebauer Heuliez in Frankreich übernahm die Fertigung.
Bild: Christian Herb / AUTO BILD
Die Seitenlinie mit hohem Heck und ewig weit nach hinten reichendem Frontscheibenrahmen ist dann aber wieder typisch Stahl-Klappdach-Cabrio – auch diese Fahrzeuggattung eine Modeerscheinung der Nullerjahre.
Fashion-Check und Sonnenstart
Und wie steht es heute um den Look? Der erste Test auf Fashion-Tauglichkeit beginnt im geschlossenen Zustand. Schön, dass Opel nichts kaschiert und das hintere Dachteil mit der dominanten C-Säule kontraststark im Alu-Look absetzt. Sieht gut aus!

Kontrast-Programm: Cabrio in Größe S oder lieber XL-Kombi? Die Opel-Palette glänzt mit Vielfalt.
Bild: Christian Herb / AUTO BILD
Die Vorbereitungen zum Offenfahren beginnen mit einer Geduldsprobe: rund sieben Sekunden muss der Finger auf dem Knopf bleiben, bis der elektrisch betriebene Kofferraumdeckel offen steht – ein Bedienfehler ab Werk. Nach Umlegen einer Klappe im Heck schrumpft das Fassungsvermögen für Gepäck von Mittelklasse-tauglichen 440 auf immer noch ausreichende 250 Liter; mit dem Einrasten der Klappe weiß das System, dass hinten jetzt Platz fürs TwinTop-Dach ist.
Vorne einsteigen, instinktiv an der Mittelkonsole nach den Schaltern zum Öffnen des Dachs suchen, irgendwann links der Armlehne fündig werden – Finger drauf, Sonne rein. Aahh! Und wenn die vier Leute aus dem Signum auch mal draußen sitzen wollen? Dann gäbe es noch den größeren Astra TwinTop. Noch einer dieser spannenden Opel der 2000er.
Fazit
Gar nicht so lange her, dass Opel ein ehrgeiziger Vollsortimenter war. Der unkonventionelle Signum sieht 20 Jahre später fast besser aus als damals, der knackige Tigra TwinTop ist ein Kind der kurzlebigen Stahl-Faltdach-Ära. Heute gefallen Chic und Charme der Nischenprodukte, der Opel-Faktor steckt in der (meist) zuverlässigen Technik. Wir meinen: Mehr Mut zur Lücke!
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