Pontiac GTO vom verstorbenen Schauspieler Val Kilmer
Warum Val Kilmers US-Muscle Car so legendär ist

Schauspieler Val Kilmer hatte einen Pontiac GTO – in Amerika spielt das Modell in einer Liga mit Corvette und Mustang. AUTO BILD erklärt, wieso.
Bild: Mecum Auctions; dpa/picture alliance
Er war selbst einer von den Großen, spielte mit Hollywood-Legenden wie Nicolas Cage und Michael Douglas, Nicole Kidman und Natalie Portman, Anthony Hopkins und Cate Blanchett.
Als einer, der in der obersten Liga spielte, fuhr er auch Autos der obersten Liga. Unter anderem diesen Pontiac GTO.

Wonderland: So fuhr Val Kilmer den GTO, in Blaumetallic und mit leicht faltigem Verdeck.
Bild: Mecum Auctions
In Deutschland ist der Pontiac GTO außerhalb der Auto-Szene fast unbekannt – in Amerika hat er einen ähnlich legendären Ruf wie Ford Mustang und Chevrolet Corvette. Warum? Weil er als das erste erfolgreiche Muscle Car gilt.
Was sind eigentlich Muscle Cars?
Muscle Cars sind (für US-Verhältnisse) mittelgroße, eigentlich mittelteure Autos mit riesengroßen, bärenstarken Motoren. Waffen auf Rädern. Mit oft schlichten Fahrwerken, aber mit 300, 400, teils über 500 PS nach der amerikanischen SAE-Norm. Starke Mittelklassewagen gab es schon früher – aber der Pontiac GTO, Modelljahr 1965, trat bei seiner Einführung einen Trend los, der den Eltern heißsporniger Fahranfänger und den Sachbearbeitern bei Auto-Unfallversicherungen Angstschweiß auf die Stirnen trieb.

Kill Me Again: 2011 versteigerte Mecum Kilmers Cabrio (jetzt mit Heckspoiler und lackierten Stoßstangen) zum zweiten Mal.
Bild: Mecum Auctions
So kam es zum Pontiac GTO
Sein Ursprung war ein ausgesprochen zahmes Modell: der Pontiac Tempest, den es anfangs sogar als Vierzylinder gab (als US-Kunden nicht mal wussten, was ein Vierzylinder überhaupt IST). 1964 erschien die zweite Generation mit Motoren ab 140 PS.
Chefingenieur bei Pontiac war seit 1961 John Z. DeLorean – richtig: der, der später das "Zurück in die Zukunft"-Auto DeLorean DMC-12 schuf. Er durfte sich Anfang der 60er aus dem Modellprogramm ein Auto fürs Wochenende aussuchen – und fand nichts, was ihn irgendwie angemacht hätte.

Was für ein Genie: Den Namen GTO klaute DeLorean vom Ferrari 250 GTO ("Gran Turismo Omologato").
Bild: Mecum Auctions
Da kam ihm die Idee, die die Auto-Welt zum Kochen bringen sollte: Er ließ einen 6,4-Liter-V8 in den Motorraum des braven Tempest versenken. Pontiac bot dann den Tempest mit der Ausstattungsoption "W62 GTO" an: Für knapp 300 Dollar Aufpreis gab es eben diese 6,4 Liter (389 Kubikzoll), eine spezielle Nockenwelle sowie Stößel und Zylinderköpfe vom starken 421er "H.O." (High Output)-Motor. Das Resultat waren 325 SAE-PS, nach DIN-Norm mehr als 260 PS. Noch ein Kreuzchen mehr, und Pontiac lieferte die Tri-Power-Vergaseranlage und 348 SAE-PS.

Top Gun: 6,6-Liter-V8, seit der Restaurierung mit reichlich hochglanzpolierten Teilen.
Bild: Mecum Auctions
Wie der GTO Amerika verrückt machte
5000 GTO plante Pontiac im Jahr 1964 zu verkaufen. 32.000 wurden es. Die Konkurrenz imitierte das Konzept, und Anfang der 70er-Jahre bollerten massenweise übermotorisierte Zweitürer über Amerikas Straßen, in Amerikas Gräben und an Amerikas Laternenpfähle.

Bild: Mecum Auctions
Als Val Kilmer sein 1969er GTO Cabrio kaufte, war es längst ein Klassiker. 400 Kubikzoll oder 6,6 Liter hatte der Bollermann, Automatikgetriebe, ein moderneres Radio und eine Auspuffanlage von der Firma mit dem schönen Namen Hooker.
Kilmers Auto, nach Kilmer deutlich verändert
2017 wurde der blaue Wagen beim Auktionshaus Mecum versteigert. Vier Jahre später tauchte er noch einmal bei Mecum auf: inzwischen restauriert, mit pulverbeschichtetem Rahmen, außen schwarz lackiert, innen mit neuem weißem Leder ausgeschlagen.

Bild: Mecum Auctions

Bild: Mecum Auctions
Die Technik war teilweise neu: Luftfederung ("airride"), vier Scheibenbremsen, 4500 Dollar teure Räder, überholte Automatik, neues Differenzial – von Ford!

Numbers: Drehzahlmesser draußen vor der Windschutzscheibe.
Bild: Mecum Auctions
Ein Gimmick, das es ab Werk gab, das Kilmers Cabrio aber nicht hatte, wurde bei der Restaurierung nachgerüstet: der Drehzahlmesser unter einem Häubchen draußen auf der Motorhaube. Eine Idee des GM-Designers Ron Hill, eingeführt 1967.

Bild: Mecum Auctions

Bild: Mecum Auctions
Am 1. April 2025, mit nur 65 Jahren, ist Val Kilmer gestorben. Er hat seinen Sohn, John, und seine Tochter hinterlassen. Er nannte sie Mercedes.
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