Autos sind keine reinen Fortbewegungsmittel, das brauche ich Ihnen als Leser dieses Fachmaga­zins ja nicht zu erklären. Wenn ich an der Seite von Menschen mit Benzin im Blut durch Oldtimer-Garagen und -Sammlungen laufe, über die Historie der wertvollen Exponate philosophiere und Hel­dengeschichten aus vergangenen Tagen austausche, erwacht bei mir immer derselbe Wunsch: So etwas will ich selbst erfahren!
Als mein Autokollege Thorsten Habermeier mich fragt, ob ich mit ihm in Oschersleben auf seinem Porsche 924 an den Start gehen will, sage ich sofort zu. Der leiden­schaftliche Rennfahrer ist haupt­beruflich Feuerwehrmann, es darf also alles etwas schneller gehen. Seine Rennerfahrungen sammelte er unter anderem mit Formel Re­nault 3 und einem Mini Cooper im Martini-Racing-Design.
Oldtimer Trackday
Living in a box: Ein Wochenende wie im professionellen Rennzirkus. Benzingespräche, Inspektionen, Reifentausch und ein Martini danach. Besser als Camping.
Bild: Klaus Merz
Auf der sich ständig erweitern­den Wunschliste stand als Nächs­tes ein Porsche 924 oder 944. Jetzt hat er sich diesen Martini-Porsche in seinen Rennstall geholt. Bevor Sie jetzt an Zweiliter-Audi und Hausfrauen-Porsche denken: Das hier ist das Update des bereits 1976 vorgestellten Transaxle-Porsche. Seit 1985 wurde der 924 mit Fünf­lochachsen und dem 2,5-Liter-Porsche-Vierzylinder aus dem breiten 944 ausgeliefert und gilt als die Krönung der 924-Baureihe. Zwischen 1985 und 1988 verkauf­te Porsche etwa 16.000 Stück.
Thorstens 924 S von 1987 wurde von einem Porsche-Ingenieur aus Baden-Baden professionell zum Track-Tool umgebaut, konsequent ohne Straßen-, aber mit DMSB-Zulassung. Der schon ab Werk renntaugliche Wagen bekam ein H&R-Fahrwerk mit Bilstein-Dämpfern, Powerflex-Fahrwerksbuchsen sowie Domstrebe und Überrollkäfig von Wiechers.

Feintuning am Motor muss reichen

Der Serienmotor bekam nur Fä­cherkrümmer und eine Edelstahl-Auspuffanlage für ein paar Zusatz­pferde. Das muss reichen, um ganz vorne mitzumischen. Wir schalten direkt ins Cockpit: Alle Systeme arbeiten im grünen Bereich, der Porsche liegt satt auf der Strecke. Der Drehzahlmesser zeigt knapp 5000 Umdrehungen, als ich auf der Zielgeraden den gelben VW Käfer überhole. Vor der nächsten Linkskurve von 190 auf 120 km/h herunterbremsen, die innenbelüfteten Bremsscheiben mit den Rennsport-Bremsbelägen verzögern problemlos, ganz ohne Fading. Dritter Gang, mit leichtem Übersteuern ohne Servolenkung, aber mit einem Grinsen durch die Kurve.

Der fünfte Gang hat heute Urlaub

Jetzt zahlt sich die optima­le Gewichtsverteilung der Trans­axle-Konstruktion aus. 48 zu 52 Prozent sind für jeden 911-Pi­loten Traumwerte, denn während die Stuttgarter Heckschleuder hef­tige Lenkkorrekturen erfordert, be­nimmt sich der 924 wie auf Schie­nen. Der nächste Gang übernimmt bei 5800 Umdrehungen das Kom­mando, da liegt die volle Leistung an. Das Drehmoment von 190 Nm bei 3000/min macht sich auf der Strecke positiv bemerkbar, ent­spanntes Herausbeschleunigen mit kontrolliertem Gegenlenken werden fast zur Routine.
Oldtimer Trackday
Maschinenraum: Der serienmäßige 2,5-Liter-Vierzylinder liefert mit Fächerkrümmer, Sportluftfilter und Edelstahlauspuff jetzt 165 PS.
Bild: Klaus Merz
Wären da nicht die beiden Alfa im Rückspiegel, die nervös im Windschatten meiner gläsernen Heckklappe herumwuseln. Ich komme in jeder Kurve an den Rand der Bodenhaftung, ohne wirklich die Kontrolle zu verlieren. Für die gesamte Strecke genügen vier Gänge, der fünfte hat heute Urlaub.
Nach wenigen Kilometern bin ich vertraut mit dem Auto, die Run­denzeiten werden immer schneller. Abwechselnd fahren Thorsten und ich in der Old- und Youngtimer-Gruppe, in der mehrmals am Tag 40 Fahrer mit ihrem Auto auf der Strecke um Ruhm und Ehre kämp­fen. Weil das hier eben ein Trackday und keine Rennveranstaltung ist, hält sich die Materialschlacht in Grenzen. Unter den Teilnehmern sind nicht nur echte Rennwagen, sondern auch straßenzugelassene Sportwagen im Serienzustand.
Oldtimer Trackday
Mensch und Maschine: Autor Helge Thomsen mit dem Porsche 924 in der Boxengasse in Oschersleben.
Bild: Klaus Merz
"Das ist ja das Besondere, hier kann jeder mit seinem Auto bis Baujahr 2000 mitfahren", so Andreas Kasper Kuhn, der zusammen mit Dennis Mühe seit 2018 die Oldtimer Trackdays auf ver­schiedenen Rennstre­cken veranstaltet. Die Atmosphäre ist ent­spannt und familiär, hier geht es um den Spaß und am Ende eben auch darum, sich selbst zu bewei­sen, dass man seinen Oldtimer art­gerecht bewegen kann. Und wenn er dann wieder in der Garage steht und die Kumpels auf einen Mar­tini vorbeikommen, gibt es 'ne Menge Heldengeschichten zu erzählen.