Schräger Fund: Opel Admiral B Schrägheck-Umbau von Vogt
Riesen-Opel von ZDF-Kamerateams zu verkaufen

1973 baute die Firma Vogt diesen Opel Admiral (KAD) fürs ZDF um: mit schrägem Heck und großer Heckklappe. Wir sind ihn gefahren!
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
Ob "Rappelkiste" oder "Vorsicht Falle!", ob "Drehscheibe" oder "Kennzeichen D", ob "Gesundheitsmagazin Praxis" oder "Lustige Musikanten": Für viele Fernsehsendungen muss ein Kamerateam ausrücken. Oft mit mehreren Leuten, fast immer mit großer und schwerer Ausrüstung. Das galt in den 70er-Jahren noch mehr als heute.
Wozu ließ das ZDF Opel-Limousinen umbauen?
Ideal wäre also ein Auto für vier bis fünf Personen und jeder Menge Platz für Kameras, Stative, Beleuchtung und Akkus. Mit reichlich Zuladung. Und mit genug Power, damit das Team flott zum Drehort kommt.

Ungewohnte hintere Dachsäule beim Opel Admiral – lassen Sie sich nicht von den verdunkelten Seitenscheiben und den Nachrüst-Rädern ablenken.
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Nun sind wir aber Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre beim ZDF. VW T2, Ford Transit oder Bedford Blitz überzeugten offenbar die Entscheider in Mainz nicht. Starke und große Vans hatten deutsche Hersteller nicht im Programm.
Also wandte sich die Mainzer Sendeanstalt an die Firma Vogt Autotechnik in Bad Neuenahr im Ahrtal. Vogt baute nämlich die große Baureihe von Opel – also Kapitän, Admiral und Diplomat (abgekürzt KAD) – zu praktischen Fließheckautos um.
Was hat Vogt am Opel Admiral alles umgebaut?
Die Karosseriebaufirma von Hermann Vogt versetzte beim Opel Admiral B den Tankstutzen im Heck – so konnten Gepäck und Equipment bis ans Heckblech heran verstaut werden.

Immer noch hohe Ladekante, aber große Kofferraumöffnung. Für alle Fälle: Anhängerkupplung.
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Ein tieferer Eingriff in die Karosseriestruktur: Vogt stellte die hinteren Stoßdämpfer gerade und verlegte die Stoßdämpferdome so weit wie möglich an die Seitenteile, um die Breite des Kofferraums zu maximieren.

Die eigens angefertigte Heckklappe sieht von unten tadellos aus.
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Die breite C-Säule verlängerte Vogt nach hinten und hob die Oberkante des Seitenteils auf das Niveau des Heckdeckels.
Bei der Variante, die wir besichtigt und gefahren haben, hatte Vogt den originalen Heckdeckel der Admiral-Limousine mit Teilen der Heckklappe des Kombis Opel Rekord Caravan verlängert. Dank der am Dach angeschlagenen Klappe konnte man zum Beispiel Stative deutlich bequemer ein- und ausladen als bei der Stufenhecklimousine.

Eher pragmatisch eingerichtet: der Kofferraum mit Stufe im Boden. Eine Trennscheibe schützt den Innenraum.
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Manche nennen ihn Coupé, manche nennen ihn Kombi, für uns ist er ein Fließ- oder Schrägheck.
Oben an der Rücksitzbank passte Vogt eine Trennscheibe ein. Das ZDF wollte ja nicht, dass bei einer Vollbremsung oder bei einem Aufprall den Mitarbeitern oder Fahrgästen Kameras um die Ohren fliegen.

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In der Variante mit großer Heckklappe bot der Vogt-Umbau bis zu 850 Liter Gepäckraumvolumen. In der parallel angebotenen Variante mit hinterer Bordwand in Normalhöhe und schräg gestellter Seriengepäckklappe waren es noch 820 Liter.
Ursprünglich hatte der graue ZDF-Admiral eine Niveauregulierung an der Hinterachse; damit erhöhte sich das zulässige Gesamtgewicht auf 2105 kg.
Wie viel kostete der Umbau damals?
Rund 4400 Mark kosteten die umfangreichen Umbauten. Vogt nahm sich dafür vier bis sechs Wochen Zeit.

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Opel schrieb mal, das ZDF hätte solche Schrägheck-Limousinen "in größerer Stückzahl" bestellt – manche Quellen berichten von rund 100 (!) umgebauten Kapitän und Admiral B. Insgesamt könnten es um die 130 Stück geworden sein, munkeln Fans im Internet. Wie viele tatsächlich gebaut wurden und ob diese Variante auch an private Kunden ausgeliefert wurde, ist aber nicht belastbar überliefert. Zumal die Firma Vogt leider nicht mehr existiert. Heute jedenfalls sind diese Oldtimer sehr selten.

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Auch die Konkurrenz der Südwestfunk-Landesanstalt kaufte ein halbes Dutzend solcher Schrägheck-Opel mit Reihensechszylinder.
Wie gut ist der aktuell angebotene ZDF-Opel?
Wir haben uns den Wagen, der jetzt angeboten wird, aus der Nähe angesehen und sind ihn Probe gefahren. Schon aus der Ferne fielen uns die Kreuzspeichenräder mit Tiefbettfelgen auf. Der Verkäufer würde einem Kunden aber auch noch einen Radsatz mit originalen Opel-Rädern mitgeben.
Von Weitem wirkt der Lack gut und homogen, aus der Nähe sieht man schon diverse Mängel: Kratzer, Dellen und ausgebesserte Stellen, speziell am Schweller und am linken Kotflügel. Der Wagen ist halt nicht restauriert, sondern eher ein über die Jahre gepflegter, reparierter, aber benutzter Alltagsklassiker ("survivor", wie Oldtimerleute gern sagen).
Bei der Besichtigung war das Auto voll fahrbereit, zugelassen, aber die Hauptuntersuchung war schon etwas länger überfällig. Zugelassen wurde der Wagen laut Fahrzeugschein erstmalig am 19. Januar 1973.
Im Fahrzeugschein sind 1530 Kilogramm als Leergewicht eingetragen, und das zulässige Gesamtgewicht ist mit 2020 kg angegeben – somit bleiben nur noch 490 kg Zuladung. Der Grund: Die einst eingebaute Niveauregulierung, die 575 kg Zuladung ermöglichte, ist inzwischen nicht mehr da. Aber als Packesel würden die meisten Interessenten das Auto heute ohnehin nicht mehr missbrauchen.

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Unter der Haube thront der 2753 cm³ große Reihensechszylinder mit 145 PS. Im Motorraum durfte sich mal ein Metallveredler austoben, der Luftfilter und Ventildeckel verchromte. Wir sehen Spuren von etwas Ölverlust, insgesamt wirkt der Motorraum nicht sonderlich gepflegt.
Beim Fahren mit dem Viergang-Schalter ist alles im grünen Bereich – bis auf ein wenig Bremsenrubbeln, wohl von einer Bremsscheibe mit leichtem Schlag.
Der Verkäufer stellt sich vor, dass der Käufer den Vogt-Opel selbst über die HU bringt. Er bietet den Admiral als fahrbereites Objekt an, wäre unter Umständen aber auch bereit, den Wagen selbst bei der Prüfstelle vorzuführen.
Wie viel soll dieser ZDF-Opel kosten?
17.500 Euro ruft der Verkäufer auf. Der Admiral steht in 23923 Selmsdorf in Mecklenburg, gleich östlich von Lübeck. Kontakt über die Facebook-Gruppe "Opel Kapitän, Admiral und Diplomat 1938-1977" oder per E-Mail über die Redaktion: feedback@autobild.de.
Wer war die Firma Vogt?
Vogt Autotechnik saß in Bad Neuenahr (den Zusatz "Bad" trug Bad Neuenahr schon seit 1927, dennoch stand in Prospekten teils noch der blanke Name "Neuenahr").

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Der Karosseriebetrieb baute unter anderem Kranken- und Bestattungswagen und verwandelte normale Rekord C in Taxen mit 20 bis 23,2 Zentimeter verlängertem Radstand – eine Folge der kurzzeitig gültigen sogenannten Trennscheibenverordnung. Opel führte diese Modelle offiziell im Programm.
Daneben fertigte Vogt diverse Spezialitäten an: darunter einen Hochdach-Kombi für die Bundesanstalt für Straßenwesen und Stretchlimousinen mit vier und sechs Türen.

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Wieso belieferte Vogt auch Opel?
Opel belieferte nicht nur Vogt Autotechnik, sondern bestellte auch Umbauten für sich selbst – für den Motorsport. Für das 1973 gegründete "Opel-Euro-Händler-Team" baute die Truppe aus Bad Neuenahr vier Admiral B zu Service- und Begleitfahrzeugen um. Dafür wurde das Heck eines Rekord D angesetzt.
Mit Mechanikern und Ersatzteilen an Bord reiste der Motorsport-Tross in der gelben Admiral-Flotte quer durch Europa, stellte dem jungen Walter Röhrl einen Ascona A an den Start und feierte den Sieg in der Rallye-Europameisterschaft.
Was für einen Vogt fuhr Heino?
Das Opel-Topmodell Diplomat mit Vogt-Umbau, vier Türen und kleiner Heckklappe gehörte seinerzeit Heinz Georg Kramm aus Düsseldorf, besser bekannt als Heino.

Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
Passend zum Volkslied "Wir lieben die Stürme" bestellte Heino den stürmischen 5,4-Liter-V8 mit 230 PS. So konnte er in kürzester Zeit vom blau blühenden Enzian über eine Bar in Mexiko bis zum Karneval in Rio stürmen.
Technische Daten Opel Admiral B 2.8 S
- Motor Reihensechszylinder, vorn längs, eine oben liegende Nockenwelle
- Hubraum 2784 cm3
- Leistung 97 kW (132 PS) bei 5200/min
- max. Drehmoment 210 Nm bei 3500/min
- Beschleunigung 0–100 km/h 12 s
- Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
- Antrieb Viergang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb
- Länge/Breite/Höhe 4900/1852/1445 mm
- Verbrauch 13,4 Liter Super/100 km
- Gewicht 1475 kg
- Neupreis (1969, Basisfahrzeug) 18.719 Mark
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