Techno Classica 2025: spezielle BMW
Vier BMW-Klassiker zum Staunen

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Ein M3 (E30), der keiner ist, der aber mehreren guten Zwecken dient, ein 7er touring aus der Zeit, als es weder 7er noch BMW touring gab, der BMW mit den extremsten Proportionen vorm Z3 Coupé und ein Dreier-Cabrio, das leider nie in Serie ging: All das steht auf der Techno Classica 2025. Und wir sehen uns diese Spezialitäten an.
BMW E30 in M3-Look
Fangen wir mit dem "M3 Lookalike" an. Der Dreier der Baureihe E30 ist im Grunde ein BMW 318iS, wird aber im Look des M3 aufgebaut – also mit dem kompletten GFK-Bodykit, unter anderem bauchigen Kotflügeln, den M3-typischen C-Säulen und dem kurzen, bespoilerten Kofferraumdeckel. Sympathisch, dass die Macher nicht behaupten, sie hätten einen echten M3, sondern dass sie "Lookalike" (Nachahmung) sogar in ihr Projektlogo schreiben.

Die Räder sind noch etwas klein, aber passende Pellen auf Kreuzspeichen-BBS sind unterwegs. Das Projektauto steht auf dem OCC-Stand in Halle 3.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Noch sympathischer ist das Konzept: Das Auto wird vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgebaut. Da ist einerseits "Die Wertstatt" in Leipzig – ein gemeinnütziges Unternehmen, das sozial benachteiligte Jugendliche ab 14 fördert. Florian Schwarz leitet das Projekt ehrenamtlich. In der Regel alle zwei Wochen freitags und samstags kommen die Jugendlichen in die Wertstatt-Werkstatt und können stolz sein auf das, was sie schaffen. "Ein Wahnsinnsinstrument, um sie fürs Handwerk zu begeistern", sagt Florian Schwarz. Lennard Wenzl (17) bestätigt: "Wir wollen zeigen, dass wir nicht den ganzen Tag drinnen sitzen, sondern etwas schaffen. Das Auto ist auch ein Statement."
Auf der anderen Seite sind die vielen Sponsoren, die Lennards Vater Marco Wenzl ("Oldtimer-Netzwerk") aktiviert hat. Einige von ihnen setzen für kompliziertere Arbeiten ebenfalls junge Talente auf den BMW an. Die Sponsorenlogos zum Beispiel wurden nicht aufgeklebt, sondern auflackiert – von Lackierern im zweiten Lehrjahr, im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Weiterstadt.

Team "mehr gemeinsam": Mirjam und Florian Schwarz (Die Wertstatt), Marco Wenzl (Oldtimer-Netzwerk), Söhne Luis und Lennard.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Im September soll das Auto fertig sein, mit Zulassung und H-Kennzeichen. Marco Wenzls Plan: Dann sollen wiederum junge Leute den Wagen auf Oldtimerveranstaltungen fahren, die sie sich ohne Sponsoren nie und nimmer leisten könnten.
Und da manch eine Versicherung so junge Fahrer nur bis 150 PS zulässt, ist es sogar ein Vorteil, dass das hier kein echter M3 mit ca. 200 PS ist. Der 318iS hat nämlich 136 PS – passt.
BMW 3.0Si als Kombi-Umbau

Kombi-Umbau der BMW-Limousine E3 von FLM Panelcraft. Die Oberkante der Heckklappe stammt vom Austin Maxi, die Unterkante von der BMW-Limousine.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Von Erwachsenen umgebaut wurde der silberne BMW 3.0Si – Vorgänger des ersten Siebeners – anno 1974, bei FLM Panelcraft in London, wenn auch bei Weitem nicht mit deutschem Qualitätsanspruch. Sie bauten aus Limousinen Kombis. Vinyldächer waren Serie – damit die Kunden sich nicht an welligen und später an rostigen Dächern störten, so mutmaßt Christoph Schelm vom BMW E3 Club.

Die Ladekante bleibt hoch (auch so ist der Kombi noch verwindungsfreudig genug), der Ladeboden bei umgeklappter Rücksitzlehne ist fast eben.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
David Maughan, Besitzer und selbst Brite, suchte in seiner Heimat einen Restaurator, der seinen verschlissenen 3.0Si Estate (Kombi) in einen guten Zustand versetzen könnte. Eines Tages gab er die Suche in England auf und schickte das Wrack zu einer Firma in Chicago.

Etwa wie beim Ford Granada Turnier wird erst die Sitzfläche nach vorn, dann die Lehne nach unten geklappt.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Lohn der Mühe: Jetzt steht der Polaris-silberne Prä-touring nicht nur gut da, er ist nach Kenntnis des BMW E3 Clubs von allen vielleicht 14 gebauten Exemplaren das einzige, das noch fahrbereit ist. So steht er nun auf dem Clubstand neben der Limousine der Baureihe E3 und den E9-Coupés.
BMW 700 Coupé
Wer eine Schwäche für BMW mit extremen Proportionen hat, Z3 Coupé oder den ersten Z4 zum Beispiel, sollte auch das BMW 700 Coupé (1959 bis 1965) kennen. Kompakte Front, kurzes Dach, schräge C-Säulen und ein vergleichsweise überlanges Heck, in das der luftgekühlte Zweizylinder-Boxermotor alle seine Freunde einladen könnte: Langweilig ist er jedenfalls nicht.

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Und der BMW kam noch vor dem Glas 1004 Coupé und dem größeren Opel Rekord P2 Coupé, die ganz ähnlich proportioniert sind. Der Opel wurde auch "rasender Kofferraum" genannt – auf den BMW hätte der Spitzname weniger gut gepasst, denn mit 30 PS ist schlecht rasen.

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Das rote BMW 700 Coupé Baujahr 1960, das auf der Freifläche der Techno Classica zum Verkauf steht, wurde vor 17 Jahren restauriert, danach zog es von Deutschland nach Dänemark um und war dort bis 2019 zugelassen. Der dänische Händler erzählt, sie hätten den Wagen auf Achse abgeholt, und die drei Stunden Überführungsfahrt hätte der kleine Siebener ohne zu mucken absolviert. 13.900 Euro soll er nun kosten.
BMW 316 (E21) Cabrio von Karmann
Zum Schluss ein optisch sehr gefälliger BMW, der gegen einen seltsamen Konkurrenten verlor: der erste Dreier, Baureihe E21, als Cabrio. Karmann in Osnabrück hatte BMW schon für die Vorgängerbaureihe 02 den Vorschlag eines Cabrios ohne Überrollbügel gemacht; BMW entschied sich aber, den Auftrag für ein ähnliches Cabrio in Baur in Stuttgart zu vergeben.

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Den Nachfolger des weichen und zittrigen BMW 02 Cabrios, den Dreier (E21), versteifte Baur mit einem ganzen Käfig aus Überrollbügeln und Dachsäulen. Nun war der E21 stabil, aber erklärungsbedürftig. Wieder hatte Karmann sich um den Auftrag beworben – der Prototyp, ein Einzelstück, steht auf der Techno Classica auf dem Stand des BMW 3er Club.

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Es ist ein schlichter 316, 90 PS stark, "Chamonix-weiß", ohne jegliche Extras, die Frontscheibe aus Krümel- statt Verbundglas, die Scheinwerfer mit Bilux- statt Halogenbirnen.

Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Und wieder bekam Baur den Zuschlag. Ganz leer ging Karmann aber nicht aus: Über das E21 Cabrio waren sie wieder im Gespräch, BMW bezahlte ihnen die Entwicklung eines Sechser-Cabrios. Das ging zwar ebenfalls nicht in Serie, aber Karmann war auch für kleine Aufträge dankbar.
Fazit
Bei all den Schwächen, die die Firma S.I.H.A. bei der Organisation der Techno Classica hat: Eine der Stärken war immer, dass ganz besondere, seltene, aufsehenerregende Klassiker in den Messehallen von Essen ausgestellt wurden.
Die Messe Essen hat der S.I.H.A. voriges Jahr gekündigt. 2026 wird die Firma Retro Promotion in der Messe Essen ihre Retro Classics abhalten; vielleicht findet die S.I.H.A. einen anderen Messepartner in Deutschlands Westen. Dann wird das große Vergleichen losgehen, wer was besser kann.
Wer von den beiden wird es schaffen, dass ihre Aussteller ganz besondere, seltene, aufsehenerregende Klassiker auftreiben? Für mich wird das beim Vergleichen ein Kernkriterium sein. Denn das ist wichtig, um Stammbesucher zu halten und neue anzulocken.
Service-Links
