Mit nur 1,3 Litern ist der Alfa Romeo wahrhaftig kein Hubraum-Riese. Aber was für ein Prachtstück von Motor sitzt da unter der langen Haube! Aluminum statt Grauguss, zwei oben liegende Nockenwellen, Ventilbetätigung über Tassenstößel. Feine Rennsport-Technologie für die Straße. Und so quicklebendig, wie es die Daten versprechen, geht das Kleinod auch ans Werk. Dreht fröhlich hoch bis über 6000/min, hängt aufmerksam am Gas – und klingt, wie so ein Motor klingen muss: alles andere als langweilig, sondern mit heller Stimme fröhlich plärrend. Die Schaltung passt dazu mit ganz präzise definierten Wegen und guter Schalthebelführung. So macht es Spaß, auf den stehenden Pedalen, die natürlich das Markenlogo tragen, ein wenig zu tanzen. Unterm Strich sind die Fahrleistungen dann doch beschaulicher, als es die von Sound und Fahrtwind berauschten Sinne glauben machen: 23,5 Sekunden auf 100 km/h reißen heute niemanden mehr vom Hocker.
Alfa Romeo Giulietta Spider
Unbeschwert lässt sich der Giulietta Spider um die Kurven schlenzen.
Auch die Elastizitätswerte wollen wir nicht überbewerten: Um auf kleinen Landstraßen Spaß zu haben, reicht das mit durchschnittlich knapp zehn Liter Super bezahlte Temperament auch heute noch. Selbst Dauerwellen im Asphalt sind wegen der schluckfreudigen Federung und der weichen, jedoch konturlosen Sitze kein Hindernis. Die Lenkung ist beim Rangieren und bei langsamer Fahrt ein kleines Muskelaufbau-Training und ist dennoch so indirekt, als wolle die Signorina freundlich darauf hinweisen, dass sie keinen Sinn für Tempobolzerei habe. Doch es lässt sich unbeschwert um Kurven schlenzen, während bei komplett abgesenkten Seitenscheiben der Wind alle Windschott-Liebhaber für ihre Dekadenz abwatscht. Das Platzangebot? Man muss sich eben mögen bei nur 1,25 Meter Innenbreite, wobei die selbsttragende Karosserie gefühlt geräumiger wirkt. Immerhin ist im Kofferraum Platz fürs kleine Urlaubsgepäck. Sollte es regnen, ist das nachlässig gefertigte Dach lässig und schnell geschlossen. Komplett-Schutz vor Wind und Regen? Nicht dran zu denken. Aber wen stört das heute? Genau.

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Von

Michael Harnischfeger