"War das eine schnelle Runde?" Mir kam es eher langsam vor – aber das ist genau seine Stärke. Völlig unspektakulär schnell sein – das kann der M3 wie kein Zweiter. Dieser aus dem Baujahr 1990 ist so original und gut in Schuss, dass ich mich schon kneifen muss: Ja, genau so war das damals. Wir ließen die M3 fliegen, ein kurzer Lupfer am Gas, und das Heck drehte sich ganz leicht ein. Wunderbar zu kontrollieren, die Lenkung sehr direkt und feinfühlig. Der gehorcht aufs Wort, nimmt auch kleine Schlenker nicht krumm. Nur wer ihn wirklich hart rannimmt, mag über das Serienfahrwerk mäkeln: zu weich. Aber genau das ist ja auch seine Stärke. Er taugt für den Alltag, schlägt dir nicht mit der ganzen Federhärte ins Kreuz. Da sind manche Pseudo-Sportler Baujahr 2011 schlechter. 
BMW M3
Frontschürze und breite Seitenteile verwandeln den 3er in einen Sportwagen.
215 PS leistet der Vierzylinder, ein Sahnemotor, der von Drehzahlen lebt. Unter 5000 geht nicht allzu viel, dann legt das Renntriebwerk mächtig los. Bis knapp über 7000 orgelt der 16-Ventiler, klingt dabei kernig. Die Konstruktion ist technisch und optisch ein Lecker bissen. Der 2,3-Liter-Vierzylinder stammt direkt aus dem Rennsport, ist ein Ableger des Formel-1-Motors, mit dem Nelson Piquet 1983 Weltmeister wurde. Die Merkmale sind extrem kompakte Bauweise, digitale Motorelektronik, Einzeldrossel- Anlage und Fächerkrümmer. Und das zeigt Wirkung. Der Motor hängt wunderbar am Gas, dreht munter hoch. Die Schaltung – mit dem ersten Gang links hinten – ist etwas störrisch, will mit Nachdruck geführt werden. Aber das ist das einzige Manko beim schnellen Fahren mit dem M3. Den Rest erledigt er fast von selbst. Und macht dabei dicke Backen.

Im Klassik-Test: Traumcoupés der 70er-Jahre

BMW M3
Der Motor des M3 sieht gierig aus und ist auch technisch eine Dlikatesse.
Die Optik mit den betonten Radausschnitten war damals ein echter Knaller – heute wirkt der sportlichste 3er eher zahm. Wobei hinter der aufgeblasenen Karosserie mehr steckt als reines Geltungsbedürfnis. Kotflügel, Heckdeckel, Spoiler und Stoßfänger sind zwecks Gewichtsersparnis aus Kunststoff, Front- und Heckscheibe für mehr Steifigkeit mit der Karosserie verklebt. Ergebnis: Der M3 wiegt rund 1300 Kilogramm. Das spürst du beim Fahren, er beschleunigt flink aus den Ecken heraus und bremst hervorragend. 38,1 Meter aus 100 km/h sind ein guter Wert. Auch heutzutage.

Fazit

von

Jürgen von Gosen
Der M3 ist durch und durch ehrlich. Kein Rennwagen, aber ein sehr schnelles Auto. Und das unter allen Bedingungen. Mit seinem Super- Fahrwerk ist er im Kurvengeschlängel ganz vorn dabei, und auf der Autobahn hängt ihn auch keiner wirklich ab. Dazu kommen ein günstiger Verbrauch und eine Top-Verarbeitung. So macht der BMW auch im Alltag einen Riesen-Spaß. Weil man mit ihm auf nichts verzichten muss.

Von

Jürgen von Gosen