Es landet aus dem All! Es kommt herangebraust! Das alles in einem unvorstellbar wahnsinnig gemütlichen Tempo. In Stop-Motion, kindgerecht, seit nun schon 53 Jahren: das Sandmännchen! Und, Kinder: Es gibt dabei etwas, das sogar uns Erwachsenen Spaß macht. Eine Riesenfreude bereitet. Und dies 240-mal. Es sind die Fahrzeuge des Sandmännchens, so bunt, abwechslungsreich und fantasievoll wie der kleine Kerl mit der Zipfelmütze selbst. Ach was: "Fahrzeuge". Viel zu sachlich für die wirklich unglaublichen Vehikel. Wir schreiben hier über die coolen Schlitten des Sandmännchens!
Nicht immer kommt die DDR-Kultfigur in Fantasie-Fahrzeugen angetuckert. Manchmal ist sie auch ganz bodenständig im Zementmischer.
Bild: dpa
Kind sein, das bedeutet: staunen, freuen, lachen. All das löst der Sandmann in seinen tollkühnen Kisten aus, die noch bis zum 27. Januar im Meißener Stadtmuseum zu betrachten sind. Staunen wir also: immer über die liebevolle Miniaturisierung heldenhafter "Sandmann-Shuttles", besonders über die ausgefallenen Exemplare. Da ist das coole U-Boot von 1967, so gelb wie das Yellow Submarine der zur gleichen Zeit populären Beatles. Die Story dazu ist spannend: Harald Serowski, Erfinder der meisten Fantasie-Fahrzeuge, war eigentlich leibhaftiger Flugzeugkonstrukteur! Nachdem der DDR-Flugzeugbau in Dresden beendet war, wirkte Serowski weiter. Und sorgte nun eben für Höhenflüge in kleineren Maßstäben.Extrem zeitgenössisch und cool auch die silberne Raumsonde, in der das Sandmännchen aus dem All heranschwebt. Auf ihren Flanken finden sich verkleinerte Pionier-Abzeichen und der wohlbekannte Slogan "Seid bereit!". Wer hob da im Traum nicht ab? Ärger aus dem Politbüro gab es nur einmal: Ausgerechnet zwei Tage nach der Flucht von DDR-Bürgern in einem Heißluftballon schwebte das Sandmännchen ebenfalls im Ballon ein – autsch!
Schlafmützen-Papa: Seit 1961 kümmert sich Winfried Kujas um das DDR-Sandmännchen.
Bild: Sven Krieger
Märchenhaft kommen diverse Schlitten daher, reich verziert, liebevoll gestaltet. Ganz bodenständig dagegen die vielen Miniaturen mit echtem Vorbild: Der Dresdner Elbraddampfer, die Magdeburger Trambahn, der Doppelstockwagen der ehemaligen Deutschen Reichsbahn. Deren Kürzel "DR" findet sich noch heute auf den Waggons. "Nach der Wende trug man den Wunsch an uns heran, die DDR-Fahnen von den Modellen zu entfernen, dagegen haben wir uns aber erfolgreich zur Wehr gesetzt. Das Sandmännchen ist nun mal DDR", sagt Winfried Kujas, seit 1961 mit der "Schlafmütze der Nation" eng verbunden. Der langjährige Produktionsleiter der Mahlsdorfer Trickfilmstudios des Deutschen Fernsehfunks (DFF) war nach 1991 bei der Sandmannstudio Trickfilm GmbH Berlin tätig.
Zu gern hätten die Kinder mit dem Sandmännchen im Taxi gespielt. Aber: Finger weg!
Bild: Sven Krieger
Liebevoll und sorgsam arrangiert er diverse Original-Filmpuppen in Zügen, Schiffen, Raketen, Kutschen, Autos. Und kommt mächtig ins Schwitzen, als AUTO BILD ihn bittet, ein Sandmann-Taxi im Zentimeter-Abstand vor glühenden Kinderaugen auf dem Boden in Fotoposition zu bringen. Die Lütten glotzen sich mit Wonne die Augen aus dem Leib, kommentieren, diskutieren, schon zucken die ersten Fingerchen, dem Sandmännchen an die rote Jacke zu gehen. Schwupps, "fliegt" das gelbe Taxi davon – dieses Mal in Kujas’ sicheren Händen, zurück in das große Diorama der Ausstellung.Kreativ und humorvoll waren sie, die DDR-Modellbauer: Die Schienen des Sandmännchen-Zugs sind aus Gardinenstangen, die orangen Rundumleuchten auf der "Papierkorb-Entleerungsmaschine" (solch einen Job gab es selbst im Sozialismus nicht!) aus DDR-Salzstreuern gefertigt. An Material mangelte es dem DDR-Kinderfernsehen nicht, auch das Budget spielte keine Rolle. Geplant wurde auf Basis des Faktors Arbeitszeit, nicht nach Gehalt und Lohn. Teuer seien uns die Kinder!
Ost trifft West: Die DDR-Variante (links) der Oberschlafmütze hat sich durchgesetzt.
Bild: dpa
Vor- und Abspann (Halt, Sand streuen nicht vergessen!) entstehen unabhängig vom eigentlichen Filmbeitrag. "Leider wurde das von 3,5 Minuten auf 70 Sekunden eingekürzt", bedauert Kujas die schnelllebige Zeit heute. Rund zehn neue Rahmenhandlungen pro Jahr entstanden, sodass heute über 500 der Einspieler vorhanden sind. Aktuell beauftragten die öffentlich-rechtlichen Sender leider keine neuen Folgen, bedauert Kujas. "Mal sehen, wie das weitergeht." Immerhin hat das Ost-Sandmännchen den West-Sandmann überlebt – wenn nach Kujas’ Ausführungen auch nur knapp. Um die gnadenlose "Abwicklung" des Sandmännchens zu verhindern, wurde 1991 rasch die heutige Trickfilm-GmbH gegründet. "In letzter Minute."
So sind sie alle gerettet, die coolen Schlitten des Sandmännchens. Darunter auch solch krude Autos wie ein mattoranges Polski Fiat Cabrio mit Taschenlampen-Scheinwerfern oder ein rassiger Wartburg 353 als Zweitürer – Flitzer, von denen die realen Genossen Autobauer nur träumen konnten. Der Sandmann machte sie möglich, alle. Vor dem Schlafengehen.
Die Fahrzeuge des Sandmännchens
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Hallo! Seit mehr als 50 Jahren winkt das Sandmännchen Kindern und Eltern seinen Abendgruß zu. Und begeistert nicht nur mit zauberhaften Gute-Nacht-Geschichten, sondern auch mit traumhaften Fahrzeugen wie diesem verrückten Auto namens "Kidrunner".
Bild: Hör Zu
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Nicht immer kommt die DDR-Kultfigur in Fantasie-Fahrzeugen angetuckert. Manchmal ist sie auch ganz bodenständig im Zementmischer ...
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... oder mal abgehoben im Flower-Power-Segelflieger unterwegs.
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Sehr beliebt: die Eisenbahn. Vor allem Dampfloks haben es dem Sandmännchen (und seinen Erfindern?) wohl angetan. Denn es gibt ...
Bild: Hör Zu
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... diverse Exemplare, ...
Bild: Hör Zu
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... mit denen der Traumsand-Chef im Laufe der Jahre durch die unterschiedlichsten Gegenden geraucht ist.
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Allerdings nutzte auch das imperialistische Sandmännchen des Westfernsehens gerne die Eisenbahn, und das zu Monopolzeiten der Deutschen Bundesbahn.
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Flapp flapp flapp: Nicht nur optisch, auch akustisch sind die Sandmännchen-Mobile einfach traumhaft. Dieser Helikopter beispielsweise hat einen besonders satten Hub-und-Schraub-Sound.
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Auto? Flugzeug? Boot? Dieses wundersame Fahr-Flug-Schwimmzeug kann auf Knopfdruck alles! Wenn's sein muss, lässt es sich auch Stelzen wachsen.
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Holla! Ob die Sandmännchen-Kreateure manchmal auf Droge waren? Aber wohl nicht immer. Denn Kapitän, Sandmann und Schaf ...
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... gibt's auch in einer etwas weniger schrägen Variante.
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Rängdängdängdäng: Selbstverständlich fährt der Traumsand-Verteiler aus der DDR gerne mal im Trabant vor. Er benutzt ihn ...
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... sogar öfter mal. Sogar ein schickes Cabrio Trabant Tramp gehört zu seinem Fuhrpark - damit gehörte der Sandmann eben doch zu den Bevorzugten des Systems, denn das Cabrio war für DDR-Bürger nicht erhältlich, es ging aussschließlich in den Export. Aber man wird ja mal träumen dürfen!
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Was ist das? Eine Baumschneide-Maschine? Oder ein Baum-Greifer? Man weiß es nicht. Aber die Gegend ist hübsch.
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Wromm: Er ridert easy über Berg und Tal, stoppen kann ihn auch kein Begrenzungspfahl!
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Ja, wer ist denn das? Irgendwie der Sandmann, und irgendwie doch nicht. Stimmt: Dies hier ist die West-Variante der Oberschlafmütze. Das Original ...
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... ist aber deutlich cooler. Das findet auch ...
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... Winfried Kujas. Seit 1961 hält er der Zipfelmütze die Treue. "Das Sandmännchen ist nunmal DDR", sagt er.
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Taxi gefällig? Die Kinder würden sicherlich gerne einsteigen.
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Natur pur: Auch aus Holzresten und Rüben lassen sich prima Fahrzeuge herstellen. Man beachte ...
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... die raffinierte Antriebstechnik! Wer lieber mit den Armen arbeitet, ...
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... sollte sich dieses Mobil mal ansehen. Mit Entschleunigung hat das Sandmännchen definitiv keine Probleme.
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Fleißig: Das Sandmännchen macht sich gerne mal nützlich. Zum Beispiel mit dem Schneepflug ...
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... oder auf dem Holztransporter.
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Traum-Kutsche: Auch eine Pferdekutsche gehört zum Fuhrpark des Sandmännchens.