Eine Legende kehrt heim, Teil 2
Das feuerrote Spielmobil

In den 70er Jahren war dieser rote Opel Blitz der Star des deutschen Kinderfernsehens. In Otjiwarongo im Norden von Namibia fand er 1984 eine neue Heimat. Und machte auch dort die Kinder glücklich.
Jedes Jahr hat Walter Marko das feuerrote Spielmobil bis zur Unkenntlichkeit verkleidet. Jedes Jahr zum Straßenumzug der Karnevalsgesellschaft "Frohsinn und Humor Otjiwarongo". In einem Jahr ist das Auto ein rosa Sparschwein, im anderen Jahr ein Flugzeug, dann ein Schiff. Je nach Karnevals-Motto. 2008 lautete es "Wir lachen uns ins Fäustchen". Und weil AUTO BILD KLASSIK sich angemeldet hat und Marko inzwischen eine Ahnung von der Bedeutung bekommen hat, feiert das Auto 2008 als – feuerrotes Spielmobil. Marko recherchiert im Internet nach Original-Bildern. "Ein Schild mit dem Wort Spiel habe ich gemalt – und ein BR-Zeichen. Der Rest war da, ich musste die Sachen nur aus der Garage holen."
Seinen Zauber verbreitet das Spielmobil auch Jahrzehnte später

Bild: Sven Krieger
Aber seinen Zauber verbreitet das Auto auch 27 Jahre später und über 8000 Kilometer weiter südlich augenblicklich. "Ich will aufs Dach!" "Nein, ich!" "Lass mich mal ans Steuer!" "Du weißt ja gar nicht, wie der geht!" Ein paar Ecken weiter: die Donatus-Schule. Staatlich, 600 Schüler, alle farbig. Die Klassenräume sind sauber. Bücher, Stifte, alles da. Oberes Niveau in Schwarzafrika. "Trotzdem finden 50 bis 60 Prozent der Schüler hinterher keine Arbeit", klagt Schulleiter Udo Behnke (37). Doch ganz gleich ob schwarz oder weiß, ob arm oder reich, im Spielmobil sind plötzlich alle gleich. Nasen an den Scheiben, große Augen. "Darf ich mal auf die Hupe drücken?" Als Walter Marko zurück auf den Hof seines Ladens für Autoersatzteile in der Industria-Road fährt, winken ihm die Kinder nach. Marko, dessen erwachsene Töchter in Ghana und Südafrika leben, winkt zurück.
Heimweh hat hier keiner
Am nächsten Morgen ist die Benzinleitung porös. "Das trockene Wetter", sagt Marko. Er wechselt das Teil aus. Um 11.11 Uhr – wann sonst? – soll der Zug zum 54. Mal seit 1955 starten. 15 Wagen reihen sich vor dem örtlichen Toyota-Händler auf. Es wird nach halb zwölf. "Das ist eben African Time", sagt Heita (50), Walter Markos Frau. Hier ticken die Uhren eben anders, soll das heißen. Also gewöhne dich besser daran. Dann wird das Dosenbier verteilt, die Mitglieder des Elferrates lassen sich nicht lange bitten. Das Prinzenpaar kommt, Daniela Kemb (43), die 40 verschiedene Käsesorten herstellt, und Heinz Bresele (52), der mit Autokühlern handelt, wenn er nicht gerade auf der Jagd oder beim Fischen ist. Die Kindergärtnerin Maja Jacob ist gekommen und Heike Dedig, die Vorsitzende des Karnevalvereins mit seinen 25 Mitgliedern. "Man ist hier in Namibia länger Kind", sagt Dedig und blickt hinüber zu Georg (7) und Svenja (8), zu Christian (9) und Ralf (10) und Maike (13). Keines dieser Kinder würde freiwillig nach Deutschland gehen. Ab und zu Besuch aus dem kalten Norden, das genügt. Heimweh hat hier kaum einer. Oder man spricht nicht darüber.
Ni-Na-Namibia, Spielmobil ist wieder da

Bild: Sven Krieger
Die Historie des Opel Blitz
In den 30er-Jahren war Opel mit dem Blitz Deutschlands größte Lastwagenmarke. Nachdem das Montagewerk in Brandenburg 1944 bei einem Luftangriff zerstört worden war, baute Opel seinen Dreitonner nach dem Krieg zunächst in Kooperation mit Daimler. Ab 1946 lief zudem die Produktion des "kleinen" Opel Blitz wieder an. 1952 löste der 1,75-Tonner den 1,5-Tonner ab. Mit dem Wechsel kam es zu einer "Amerikanisierung" des Designs, die Form des Führerhauses und die lange Motorhaube erinnerten an kleine US-Trucks. Als die Konkurrenz durch Hanomag und Mercedes-Benz immer stärker wurde, brachte Opel 1960 den 1,9 t mit neuem Sechszylinder und nach vorn abfallender Motorhaube heraus. Das Modell wurde als Pritschenwagen, Mannschaftswagen der Polizei, Löschfahrzeug oder Transporter eingesetzt. Als die Verkaufszahlen bedrohlich sanken, sollte ein neues Modell mit Vierzylinder-Benziner den Blitz retten. Ab 1968 arbeitete auch ein Peugeot-Diesel im Opel-Kleinlaster. Doch das Ende des Blitz-Lasters war nicht mehr aufzuhalten. 1975 kam das Aus.
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