Achtung, Blender ohne Ende!

Fiat 500-Blender: rostiger Oldtimer im Internet gekauft

Bildschöner Fiat entpuppt sich als Blender

Immer wieder werden Oldtimer-Fans von geschminkten Leichen zum Kauf verlockt. Ein besonders krasser Fall: ein Fiat 500 aus dem Jahr 1969, bei dem der Käufer auf schöne Fotos hereinfiel.
Der Unterboden des Fiat 500 von 1969 ist teilweise durch, ein Schraubendreher geht praktisch ohne Druck durch. Radläufe und Schweller sind schwer gezeichnet, der Lack an der Karosserie platzt ab oder blüht auf. Nur mit Mühe findet man eine Stelle, an der ein Magnet hängen bleibt. Wo kein Rostloch ist, ist Spachtel. Die verchromten Spiegelgehäuse sehen aus wie nach Schrotflintenbeschuss. Einzig die Tatsache, dass der Motor läuft, bewahrt den Kleinwagen vor der Zustandsnote 5. Dieses Auto, auf das Georges Kraus beim Autokauf hereinfiel, bietet viele Lektionen – und die eindringliche Warnung vor dem voreiligen Kauf eines Fahrzeugs über schöne Fotos im Internet! Eine Geschichte, die so ähnlich gelagert ist, wie die vom üblen VW-T1-Blender, den die DEKRA zuletzt enttarnte.

7651 Euro Gesamtkosten für den Rost-Fiat

Von wegen "keine Anzeichen von Rost"! Hier wird der Betrug offensichtlich.

So oder so ähnlich wie Kraus mit seinem Fiat 500 im Blauton Blu Turchese 419 ergeht es jedes Jahr Hunderten Oldtimer-Käufern. Sie erleben eine Odyssee, nachdem sie von Privatleuten, Händlern oder auf Auktionen Autos kaufen und dabei Mängel übersehen. Oder sogar bewusst darüber hinweggetäuscht werden. Karosserie und Lackierung befänden sich in einem "perfekten Zustand, für Rost gibt es nicht das geringste Anzeichen", hieß es zum Fiat 500 im Angebot der niederländischen Auktionsplattform BVA Auctions. Das Auto sei "vorbereitet für Langstreckenfahrten". Eine Aussicht, die dem Luxemburger Kraus 6001 Euro plus 1200 Euro Provision für das Auktionshaus plus 450 Euro Transportkosten wert war.

Anwalt: ein Fall von arglistiger Täuschung

Doch was tun? Für den Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke ein Fall von arglistiger Täuschung. Schließlich gebe es eindeutige Beweise. Solmecke: "In der Anzeige stand explizit, dass sich das Auto in perfektem Zustand ohne Rost befand." Offensichtlich so sei es so professionell fotografiert worden, dass die Mängel online nicht ersichtlich gewesen seien.

DEKRA enttarnt schönen T1 als Blender

Bei Betrug hört der Spaß auf

Federkomfort? Der Fiat 500 wird in diesem Zustand nie mehr auf die Straße rollen.

Doch
als Georges Kraus von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen und sein Geld zurückholen will, reagiert das Auktionshaus zunächst gar nicht. Rechtsanwalt Solmecke rät, sich gerade in eindeutigen Fällen nicht entmutigen zu lassen. Bei arglistiger Täuschung oder gar Betrug höre der Spaß auf. Daher könne der Käufer innerhalb eines Jahres, seitdem ihm die verschwiegenen Mängel bekannt waren, den Kaufvertrag anfechten. Im vorliegenden Fall sei der Wagen zudem schon deshalb eindeutig mangelhaft, weil er trotz eindeutig anderslautender Beschreibung nicht einmal verkehrstauglich ist. Eine Reparatur sei dem Käufer nicht zuzumuten. Kraus kam schließlich doch noch glimpflich davon: Das Auto wurde inzwischen abgeholt, den Kaufpreis, die Gebühr für die Auktion und auch die Kosten für den Transport bekam er erstattet. Die katastrophalen Mängel des Fiat und weitere Blender-Beispiele sehen Sie in der Bildergalerie!

Achtung, Blender ohne Ende!

Jochen Wieloch

Fazit

Auch wenn die Emotionen mit Ihnen durchgehen, Sie vom glänzenden Lack und jeder Menge Chrom geblendet sind: Bewahren Sie beim Oldie-Kauf einen kühlen Kopf. Auf Fotos im Internet können selbst Wracks wie automobile Schätze aussehen. Finger weg von einem vermeintlichen Klassiker, den Sie nicht selbst inspiziert haben. Und kaufen Sie lieber direkt vom Händler als im vermeintlichen "Kundenauftrag", das stärkt Ihre Position.

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