Optisch macht dieser T1 was her, doch unterm Lack: Löcher und Rost! Die DEKRA enttarnte einen frisch restaurierten VW T1 als Blender. AUTO BILD checkte den Bulli mit der Bluff-Restaurierung. Mit Video!
Für jeden Oldtimer-Liebhaber wäre es der Super-GAU beim Autokauf: Das auf den ersten Blick toprestaurierte Schätzchen entpuppt sich auf der Hebebühne als übler Blender. So geschehen bei einem VW T1 Bus aus dem Jahr 1966, den die Prüforganisation DEKRA für ein Oldtimer-Gutachten unter die Lupe nahm – und das Auto als nicht fahrbereites Fahrzeug mit vielen Schwächen enttarnte. Tatsächlich ist die Liste der Mängel an dem frisch restaurierten Bulli schier endlos: Das reicht von Rostlöchern, unbehandelter Korrosion im Rahmen bis hin zu Schweißblechen, die nicht zum Auto passten. Im Motorraum sitzt nicht der originale Motor, der Vergaser stammt aus dem Zubehörregal.
Fahrzeugwert: eher 15.000 als 30.000 Euro
Auf der DEKRA-Hebebühne lassen sich die massiven Schäden des T1 enttarnen.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Das alles hat böse Folgen, vor allem für den Wert des Autos: "Dieses Auto hätte im aktuellen Zustand einen Wert zwischen 12.000 und 15.000 Euro", sagt Andreas Lahne, Koordinator Classic Services bei der DEKRA. Doch er schränkt ein: "Das Fahrzeug ist mit Zustandsnote 4 zu beurteilen und so nicht fahrbereit." Das ist umso verheerender vor dem Hintergrund, dass der Wagen laut DEKRA im Zustand 3 rund 30.000 Euro wert wäre, mit Zustandsnote 2 sogar 39.000 Euro! Hier hätte ein unachtsamer Käufer, der den Wagen vor dem Kauf nicht ausgiebig gecheckt hätte, einen teuren Fehlgriff getan.
Auf der Oldtimermesse Techno Classica konnten die Besucher dem Oldie auf dem DEKRA-Stand unters Blech schauen: Spiegel unterm Fahrzeug, das passenderweise auf einer Hebebühne stand, enttarnten die Malaise. So wurden nicht nur die Löcher am Unterboden sichtbar, sondern auch die schlecht übertünchten Bleche und die offenen Falze. Das gleiche Bild beim Öffnen der Klapptüren: Unter dem Teppich im Fußraum war der Rost gar einfach übergemalt worden. Schlimmer noch der Blick per Endoskop in die Hohlräume des Fahrzeugrahmens: In den Quer- und Längsträgern der Bodengruppe bröckelt der Rost, zerbröseltes, rostiges Blech ist zu sehen. Von Konservierung keine Spur.
Kleine Fehler, große Fehler, Tricksereien
Der Unterboden zeigt üblen Rostbefall am T1.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Vielfältig sind die Mängel und falschen Details an dem Bulli: Die Rückspiegel stammen keineswegs von einem T1, die Frontscheiben tragen keinen Prüfstempel und sind damit nicht zugelassen. Pfusch auch am Heck: Die Rückleuchten des T1 wurden falsch herum montiert, der Blinker zeigt nach unten. Die Fahrerseite wurde massiv gespachtelt: "Auf der linken Fahrzeugseite haben wir gemessen, dass bis zu fünf Millimeter Spachtelmasse aufgetragen wurde", stellte Lahne fest, dessen Team das Fahrzeug mit einer Wärmebildkamera aufgenommen und dabei massive Spachtelarbeiten erkannt hatte. Aber auch die Lackierung ist in Teilen zweifelhaft ausgeführt: Lahne verwies auf Lackeinschlüsse auf der Fahrerseite und erklärte: "Dort ist die Lackierung deutlich rauer ausgefallen."
Unter der Haube ein falscher Motor
Unter der Haube des T1 steckt nicht der richtige Einkanalmotor.
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
Neben Schönheitsfehlern und üblem Pfusch wurde beim T1 auch getäuscht: Im Heck steckt der falsche Motor – ein Zweikanalmotor anstelle des originalen Einkanal-Aggregats! Damit fällt die Leistung mit 44 PS höher aus als beim Original. Aber weil Originalität wichtig ist, wurde bei dem T1 auch noch getäuscht. "Die erste Stelle der Motornummer wurde manipuliert, dort wurde das Metall heruntergeschliffen und ein neuer Buchstabe eingeschlagen", sagte Lahne. Nun setzt die DEKRA den Bluff-Bulli zur Ausbildung von Oldtimer-Spezialisten ein. Abschreckend genug sind die Fehler des T1-Blenders allemal. Das Auto ist ein starkes Argument dafür, einen wertvollen Klassiker vor dem Kauf von einer Prüforganisation checken zu lassen. AUTO BILD zeigt sind die Mängel des T1 in der Galerie!
Bildergalerie
DEKRA enttarnt schönen T1 als Blender
DEKRA enttarnt schönen T1 als Blender
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Für jeden Oldtimer-Liebhaber wäre es der Super-GAU beim Autokauf: Das auf den ersten Blick toprestaurierte Schätzchen entpuppt sich auf der Hebebühne als übler Blender. So geschehen bei einem VW T1 Bus aus dem Jahr 1966, ...
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
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... den die Prüforganisation DEKRA für ein Oldtimer-Gutachten unter die Lupe nahm – und das Auto als nicht fahrbereites Fahrzeug mit vielen Schwächen enttarnte.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
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Tatsächlich ist die Liste der Mängel an dem frisch restaurierten Bulli, der kürzlich auf der Techno Classica in Essen stand, schier endlos: Sie reicht ...
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... von nach unten offenen Holmen, ...
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... über Rostlöcher ...
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... bis hin zu glatten Schweißblechen, die nicht zum Auto passten. Hier wären Profilbleche richtig gewesen.
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Außerdem sitzt im Motorraum nicht mehr der originale Motor: ein ...
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... Zweikanalmotor anstelle des originalen Einkanal-Aggregats, noch dazu mit einem Vergaser vom Zubehör. Damit fällt die Leistung mi 44 PS höher aus als beim Originalmotor.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
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Aber weil Originalität wichtig ist, wurde bei dem T1 auch noch getäuscht. "Die erste Stelle der Motornummer wurde manipuliert, dort wurde das Metall heruntergeschliffen und ein neuer Buchstabe eingeschlagen", sagte Andreas Lahne, Koordinator Classic Services bei der DEKRA.
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Auf dem Messestand der DEKRA konnte man dem Oldie unters Blech schauen: Spiegel unter dem Fahrzeug, das passenderweise auf einer Hebebühne stand, enttarnten ...
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... die Malaise: überlackierter und wieder durchkommender Rost am Dach, ...
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... unbehandelte Korrosion im Rahmen ...
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... und sogar falsche Spiegel, die ...
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... sonstwoher stammen, aber nicht von einem T1.
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Die Frontscheiben wiederum tragen keinen Prüfstempel und sind damit nicht zugelassen.
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Leicht zu sehen waren sich öffnende Falze am Unterboden, ...
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... wie auch am unteren Ende ...
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... des Seitenteils ...
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... und am Rahmen. Das ist umso verheerender vor dem Hintergrund, dass der Wagen laut DEKRA im Zustand 3 rund 30.000 Euro wert wäre, mit Zustandsnote 2 sogar 39.000 Euro.
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Hier hätte ein unachtsamer Käufer, der den optisch schön hergemachten Wagen vor dem Kauf nicht ausgiebig gecheckt hätte, einen enormen und vor allem teuren Fehlgriff getan.
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Am Unterboden kommt an vielen Stellen der Rost durch.
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Selbst die Schrauben der neuen Stoßdämpfer rosten.
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Wer im Innenraum den Teppich zurückschlägt, der findet: Rost.
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Und besonders schön ist der Wagen auch nicht restauriert.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
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Vor allem wurde gespachtelt: "Auf der linken Fahrzeugseite haben wir gemessen, dass bis zu 5 mm Spachtelmasse aufgetragen wurde", stellte Lahne fest, dessen Team das Fahrzeug mit einer Wärmebildkamera aufgenommen hatte.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
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Aber auch die Lackierung ist in Teilen zweifelhaft ausgeführt: Lahne verwies auf Lackeinschlüsse auf der Fahrerseite und erklärte: "Dort ist die Lackierung deutlich rauer ausgefallen."
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
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Schlimmer noch der Blick per Endoskop in die Hohlräume des Fahrzeugrahmens: In den Quer- und Längsträgern der Bodengruppe bröckelt der Rost, ...
Bild: DEKRA
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... zerbröseltes, rostiges Blech ist zu sehen. Von Konservierung keine Spur.
Bild: DEKRA
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Neue Reifen machen das Bild schöner, aber nicht besser.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
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An der Heckklappe bricht die Spachtelmasse weg.
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Selbst die Rückleuchten des T1 wurden falsch herum montiert. Nun setzt die DEKRA den Bluff-Bulli zur Ausbildung von Oldtimer-Spezialisten ein. Abschreckend genug sind die Fehler des T1-Blenders allemal.
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Das Auto ist ein starkes Argument dafür, einen wertvollen Klassiker vor dem Kauf von einer Prüforganisation checken zu lassen. Hier kommt der erste Blitzer-Bulli!