Eigentlich möchte jeder ihn sofort knuddeln. Hach, sooo klein und schon ein Auto? Sogar ein Kombi. Ein Furgoncino, ein richtiger Lieferwagen gar. 1,35 Meter flach – bitte nicht drüber stolpern. Selbstbewusst schüttelt der Zweizylinder-Twin (das bedeutet: Beide Kolben bewegen sich gleichzeitig auf und ab) jegliche Frotzelei weg. Schließlich war er der erste luftgekühlte Fiat-Motor und, weitergebaut im 126, der bisher letzte.
Fiat 500 K Furgoncino
Der Cinquecento als Kastenkombi — so kennt den süßen Kleinen keiner.
Hier im Furgoncino muss er Platz für Ladung machen, ist deshalb um 90 Grad gekippt und leistet, wie in der Limousine, 15 PS. Im späteren 126 kam er auf stolze 26. Doch egal ob liegend oder stehend: Er blieb ein Raubauz, schon akustisch. Wer die Geschichte der Furgoncino erkundet, findet viele Aus- und Umbauten, angefangen schon beim Vorgänger Topolino, dem Fiat 500 A. Unser Testwagen hat eine ähnliche Vergangenheit. Irgendwann aus Italien importiert, irgendwo die Faltdach-Luke zugeschweißt, irgendwie zum Lieferwagen geworden. So fand er nie offiziell den Weg nach Germania. Und erstaunt deshalb die Betrachter, wenn er als Ersatzteil-Express durch Deutschlands Norden wieselt. Er trägt nicht mehr den ersten Lack, auch ungeschweißt ist er nicht und schleppt ein paar Spachtel-Verbände mit sich herum – ach, die Qualität des Blechs war damals miserabel, nicht nur Fiat litt darunter. 
Der freche Fünfhunderter: Fiat Abarth 595 SS

Miniatur-Wunderland im Fiat

Fiat 500 K Furgoncino
Hinten ist Platz für einiges Sperrgut, die Tür öffnet zur Seite.
Wer sich durch die Selbstmördertür hinters Lenkrad faltet, der staunt: Geht doch – besser als befürchtet. Kleine schalenartige Sitze halten die zwei Passagiere. Innenleuchte, Scheibenwaschanlage, Kurbelfenster – alles schon da und sogar serienmäßig. Die größeren Kontrolllämpchen sind per innerem Scherengitter mechanisch dimmbar, solche Feinmechanik gab es damals bei keiner anderen Marke. Zeitgemäß dünn der Lenkradkranz – und dennoch griffig. Klein der Tacho – reicht doch. Fragen nach Luci, Generator, Benzina und Olio, also Licht, Lichtmaschine, Tank und Öldruck? Für alles gibt es Warnlampen. Okay, die 120 auf der kleinen Tachoskala schafft er vielleicht abwärts, die Papiere melden sehr solide 95 km/h. Die hält er heute noch als Dauertempo. Die vordere Querblattfeder macht dabei ächzend die Bodenwellen platt, die Zwölf-Zoll-Rädchen laufen den Fahrbahnrillen nach, lassen sich mit der leichtgängigen Lenkung aber schnell wieder in die Spur bringen. Obwohl der Motor unter Dämmmatten orgelt, ist er immer präsent: Schon bei Tempo 50 dröhnt er einem die Ohren voll. So laut ist kein Golf GTI bei Tempo 200. Doch damals war Lärm noch Musik in den Ohren der Kleingewerbetreibenden.