Was für ein geniales Konzept: Der Nachfolger des Fiat 500 C (Topolino) bietet, obwohl er mit 3,22 Metern sogar noch drei Zentimeter kürzer geriet, endlich Platz für vier Erwachsene, eine brauchbare Heizung und bessere Ausstattung. Auch höhere Drehzahlen verkraftet er, seine Kurbelwelle ist nun dreifach gelagert. Kurz: Der 600 – Geburtsjahr 1955 – gehört zu den modernsten Kleinwagen seiner Zeit.
Fiat 600 D
Vorn angeschlagene Türen zeigen: Es ist ein später Fiat 600, gebaut ab 1964.
Okay, anfangs war die Qualität lausig. Eigner früher Modelle schabten mit dem Vordersitzgestell schon mal funkensprühend über den Straßenbelag – der Rost fraß die Seicento viel zu früh. Wasser und Salz ließen nicht nur Bodenbleche, sondern auch die Bremsleitungen in Windeseile rosten – mancher Fiat-Fahrer trat irgendwann schockiert ins Leere. Mit den Jahren der Modellpflege kam der dauerhafte Erfolg. Die 600, später 770, motorisierten halb Europa: Als Seat wurden sie in Spanien montiert, als Jagst in Deutschland und als Zastava im damaligen Jugoslawien. Erst 1985 rollte der letzte vom Band. Was war sein 30 Jahre währendes Erfolgsgeheimnis? Die knuffige Form vor allem, die später gute Verarbeitung und eine robuste Technik. Denn beim Motorenbau machte den Italienern damals keiner was vor. Der kleine Vierzylinder unseres aus Italien importierten 1967er Testwagens liefert solide 23 PS, die heute noch für mehr als 100 km/h gut sind. Eine Abarth-Auspuffanlage stünde ihm sicher gut.

Der freche Funfhunderter: Fiat Abarth 595 SS

Fiat 600 D
Mit den Jahren ist der Fiat 600 reif geworden. Zu haltbaren Motoren gesellt sich eine recht umfangreiche Innenausstattung.
Das Fahrwerk selbst: zeitgemäß unsportlich. Schnelle Kurven mag die Kippel-Hinterachse überhaupt nicht. Wer nach einem beginnenden Heckschwenk hofft, das 615-Kilo-Leichtgewicht flink wieder auf Linie bringen zu können, sieht sich getäuscht. Die Lenkung arbeitet schwergängig und indirekt. Akzeptablen Komfort kann man bei dem kurzen Radstand und Zwölf-Zoll-Rädern, wenn überhaupt, erst bei voller Zuladung erwarten. Wohl aber Freude am Wohnen. Denn Liegesitze sind Serie, ein Röhrchen unterm Sitz macht die Lehnen verstellbar. Das Patent sollte sich bis zum Fiat 126 halten. Und Urlaubsgepäck für zwei passt bei umgeklappter Rücksitzlehne reichlich hinein. Sogar zum Selbstbasteln lädt der 600 ein. Ölwechsel, Ventile einstellen? Alles mit Bordwerkzeug machbar. Und wenn der Auspuff mal röhrt: fünf Schrauben lösen, alten ab- und neuen dranhängen. Wenn das nicht genial ist.