Schon die Idee war verrückt: "24 Minuten von Le Mans" hieß einst ein Rennen. An den Start gingen Sportwagen. Sehr kleine jedoch: Kein Motor trieb sie an, sondern Muskelkraft. 24 Minuten Pedale treten. Dann stand der Sieger fest. Wer spielt, hat mehr vom Leben. Vor allem Freude. Natürlich waren es Kinder, die vom Spaß ihrer Väter profitierten. Irgendeiner hatte, als das Auto noch jung war, die Idee, in seiner Werkstatt das erste Mini-Auto der Geschichte zu bauen. Aus Holz und Blech war es und wog schwer, wie alle Varianten, die in Handarbeit entstanden. Rasch entdeckten große Kaufhäuser den Trend. Rund 100 Jahre ist das her. In den Tretautos strampelten zunächst reiche Kinder. Viele Hersteller setzten auf Luxus: Luftbereifung, Licht und Hupe oder gar ein Elektromotor. Andere achteten dagegen auf einen günstigen Preis. Nach und nach richtete sich die Produktion mehr auf die Masse aus.

Restauriert erzielen die Blechkisten oft das Zigfache

Kaufberatung Tretautos
Dennoch haben Tretautos aus den 20er- und 30er-Jahren kaum überlebt. Sie wurden kaputtgespielt, verbastelt, achtlos weggeworfen. Heute sind manche ein Vermögen wert. Besonders, wenn große Namen dahinterstehen wie der Spielzeughersteller Steiff oder gar Ettore Bugatti, der seine Rennwagen eigens im Bonsai-Format fertigen ließ. Sammler stürzen sich darauf. In gutem Zustand erreichen diese Modelle auf Auktionen schnell Summen von 3000 Euro. Manchmal schießen die Preise weiter hoch, in Einzelfällen gar weit über die 20.000-Euro-Marke. Deutlich günstiger sind Tretautos aus der Nachkriegszeit.
Hier greifen meist Oldtimer-Fans zu, die ihre Kollektionen mit Miniaturen abrunden. Nur: Eine greifbare Szene gibt es bisher nicht. So fehlt eine Infrastruktur mit Katalogen, Preisnotierungen oder speziellen Märkten. Doch die Preise beweisen die Nachfrage.
Blechmodelle der 50er-Jahre, obwohl von Firmen wie Ferbedo in Deutschland oder Eureka in Frankreich in großen Stückzahlen gefertigt, werden heute auf Veteranenmärkten zwischen 400 und 1000 Euro angeboten – in teils stark bespieltem Zustand. Restauriert erzielen sie das Zigfache. Deutlich günstiger sind Modelle aus Kunststoff, die sich ab den späten Fünfzigern durchsetzten. Meist sind sie jedoch schlechter erhalten, ihre Patina ist weniger charmant. Dabei gilt wie bei den Großen: am liebsten original. Wie sehr die Faszination heute ihre Kreise zieht, zeigen Sammler wie Georg Hingerl, der seine Kollektion im bayerischen Eggenfelden zeigt (www.tretauto-sammlung.de). In Frankreich gibt es ambitionierte Internetseiten zum Thema (zum Beispiel www.voitureapedales.fr). Die Träume bleiben. Manche werden wahr: Ein Blick auf den Dachboden lohnt sich jedenfalls immer.

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