Jaguar XJ6
Alles neu im alten Stil

–
Der neue Jaguar kann nur ein Kind aus Coventry sein - er bleibt seiner Linie treu. Dem Lord sei Dank: Die Raubkatze hat sich nicht im Windkanal glatt streicheln lassen. Ist der neue Jag ein guter Gefährte für alle Tage?
Für Jaguar-Chef John L. Egan ist die Konkurrenz auch Vorbild: "Wenn es Mercedes nicht gäbe, müsste man dieses Unternehmen erfinden", erklärt der Mann, der 1980 den maroden Jaguar-Konzern übernahm und nur sechs Jahre später Rekordgewinne einfährt. Qualität wie die Stuttgarter Autobauer zu liefern war das Ziel beim neuen XJ6. Gepaart mit traditionellem Understatement-Denken – mehr sein als scheinen. Das ist bei Jaguar der neue way of drive. Nach über 300 Meilen auf engen schottischen Straßen steht fest: Das Auto bietet alle Voraussetzungen, um künftig neben Mercedes S-Klasse und BMW Siebener einen Stammplatz im fahrbaren Oberhaus einzunehmen. Der 3,6-Liter-Sechszylinder-Motor mit 24 Ventilen (der übrigens schon im XJS-Coupe arbeitet) verrichtet seine Dienste im vornehmen Flüsterton.
Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download
170 km/h spult er gerade mal mit 3500 Umdrehungen locker-lässig ab und tut bei Geschwindigkeiten jenseits der 200er-Marke mit 4200 Touren noch so, als sei er unterfordert. Gute Voraussetzungen für eine harmonische Zusammenarbeit mit dem automatischen Viergang-Overdrivegetriebe von ZF (Zahnradfabrik Friedrichshafen). Der Blick unter die Motorhaube offenbart Veränderungen auch in der Umgebung des Motors: Neue elektronische Lucas‑Zündung und Einspritzanlage, neuer Bremskraftverstärker, dessen Pumpe auch die Kraft für die Niveauregulierung (Serie nur bei Sovereign und Daimler-Modellen) liefert. Standard hingegen ist jetzt ABS (von Bosch). Und endlich konnte auf die vibrationshemmenden Verstrebungen oberhalb des Motors verzichtet werden. Die Mechaniker wird es freuen.
Überblick: Hier geht es zu AUTO BILD KLASSIK
Das Fahrverhalten des neuen XJ6 ist weitgehend neutral. Natürlich kann man das Heck in engen Kurven wegwischen lassen. Doch wer fährt schon so in einem Jaguar?! Verbessert wurde die Lenkung (nicht mehr so schwammig). Das neue Cockpit – einige Instrumente arbeiten jetzt im Stil der Zeit mit Digitalanzeigen – bietet auch XJ6-Neulingen reelle Chancen, sich zurechtzufinden. Einzig der in mehreren Tasten doppelt belegte Bordcomputer ist eher rätselhaft denn informativ. Für kleinliche Kritiker: Der Scheibenwaschbehälter ist zu klein. Die Hupe sitzt im Blinkhebel, der Kofferraum ist nach wie vor zerklüftet (obwohl die beiden alten Benzintanks raus- und ein neuer, über der Hinterachse, reingenommen wurde), die Kopffreiheit vorn endet bei einer Größe von 1,85 Meter, und die Edelhölzer sind zu stark lasiert. Wirken fast wie Plastik. Das allerdings ist unverzeihlich.
Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download
Service-Links