Lancia Thema 8.32 Fahrbericht
Der Familien-Ferrari

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AUTO BILD Archiv-Artikel 49/1986: Stellen Sie sich vor: Sie sitzen in einem Mercedes der S-Klasse, drehen den Zündschlüssel - und aus dem Auspuff dröhnt das heisere Röhren des Porsche-911-Motors.
Nur damit lässt sich das Aha-Erlebnis vergleichen, das der Lancia Thema 8.32 für jeden Einsteiger bereithält. Was da unter der Motorhaube zum Leben erwacht, stammt nicht aus dem Triebwerks-Baukasten von Fiat. Mit sonorem Sound meldet sich ein Kraftwerk, dessen Klang den Fans wie Musik in die Ohren geht. Da werden acht Zylinder über 32 Ventile beatmet – in einer Klangfarbe, wie man sie nur in Maranello produziert. Als Schöpfer der Komposition zeichnen die Ferrari-Ingenieure, die für das neue Lancia-Flaggschiff den 270 PS starken Motor des Ferrari 328 auf eine Leistung von 215 Pferdestärken drosselten, um ihn damit für den Einsatz in einer Luxus-Limousine zu kultivieren.
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Ihr Erfolg kann sich nicht nur hören lassen, auch optisch geriet das Nobel-Triebwerk zur Augenweide. Jede Ölkontrolle verursacht kleine Zuschauer-Aufläufe. Noch eindrucksvoller aber ist die Art, in der das knapp drei Liter große Aggregat zur Sache geht. Schon bei vergleichsweise spärlichen 3000 Kurbelwellen-Umdrehungen kommt so viel Kraft aus dem Drehzahl-Keller, dass man sich eher in einem Sportwagen als in einer 1400 Kilo schweren Großraum-Limousine wähnt. Die Zugabe kommt, wenn die Nadel des Drehzahlmessers die 4500er-Marke überschreitet: Die Limousine wird zum Renner, der Vortrieb presst die Passagiere in die Sitze, und der Fahrer kommt in den unteren Gängen kaum mit dem Schalten nach.
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Die vom Werk versprochene Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,8 Sekunden erscheint realistisch und umso eindrucksvoller, als der Ferrari 328 GTB diesen Sprint nur 0,4 Sekunden schneller absolviert. Selbst im fünften Gang ist der Schub noch beachtlich, und das Ende der Fahnenstange naht erst, wenn die Tachonadel bereits jenseits der 240 steht. Bei so viel Leistung stellt sich die Frage, ob der Frontantrieb damit nicht überfordert ist. Die Antwort lautet: nein. Die Fahrwerks-Abstimmer bei Lancia haben es geschafft, dem Thema 8.32 ein Fahrverhalten anzuerziehen, das dem des stärksten deutschen Fronttrieblers – des Audi 200 Turbo - zumindest ebenbürtig ist. Bodenwellen in schnell gefahrenen Kurven bringen den Thema nicht aus der Spur.
Familien-Luxus-Rennwagen
Und wer es zu schnell angehen lässt, kann auch in der Kurve vom Gas gehen, ohne mit tückischen Reaktionen rechnen zu müssen. Doch fürs Rasen ist der voraussichtlich knapp 90.000 Mark teure Lancia mit dem Ferrari-Herz ohnehin nicht gedacht. Der Kontrast im Cockpit – Lederlenkrad und edelholzgetäfeltes Armaturenbrett – macht deutlich: Der Thema 8.32 ist ein Auto für Leute, die Sport und Luxus miteinander vereinen und obendrein noch ihre Familie transportieren wollen. Ansonsten könnten sie sich - für 30.000 Mark mehr - auch gleich einen Ferrari kaufen.
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