Abarth und Alfa Romeo taten es, Porsche in Deutschland tat es – höchste Zeit, dass sich auch in England etwas tut, fand Chapman. Das war 1956, und er dachte an einen gut verkäuflichen GT der 1300er-Klasse. Aus dem neuartigen Glasfaserkunststoff sollte er sein, denn Blech konnte sich Lotus als Kleinhersteller nicht leisten. Und nebenbei musste er natürlich renntauglich sein. 1957 stand die Idee bereits auf dem Londoner Autosalon, ein höchst attraktives Coupé, windschlüpfig (cW-Wert 0,29), 660 Kilogramm leicht und – die Sensation – mit selbsttragender Plastikkarosserie. Ganz ohne Blechgerüst also. Das hatte sich zuvor noch niemand getraut (und hernach auch kaum einer). Den Antrieb besorgte ein Alu-Vierzylinder von Coventry Climax, ursprünglich für tragbare Feuerwehrpumpen konzipiert. Aus 1,2 Litern zauberte der Drehwurm 75 PS und mehr, je nach Tuningstufe.
Lotus Elite S2
Der Elite hat eine selbsttragende Plastikkarosserie. Nur 988 Exemplare wurden gebaut.
Bild: Charlie Magee
Elite hieß das Fliegengewicht zum Preis einer schweren Limousine, neben dem andere Sportwagen wie Schlachtschiffe wirkte. Scheibenbremsen und Einzelradaufhängung rundum, hinten mit den aus dem Rennsport bekannten "Chapman-Streben". Unser Auto stammt von 1961, dem letzten Baujahr, ein Unikat mit Fließheck, was die äußere Harmonie aber nicht beeinträchtigt. Auch innen schmeichelt es dem Auge. Es ist eng, aber nicht zu eng, viel nackter Kunststoff, in der Mitte der kleinste denkbare Schalthebel (ZF-Vierganggetriebe). Die Climax-Maschine startet polternd, grollt, schreit nach Drehzahl. Ab 3000 Touren atmet sie durch, dann klingt es hier wie in einem echten Racer. Klar, das Tempo kommt einem gemächlich vor, und die Hinterräder lenken selbst auf der Geraden immer ein wenig mit. Aber so war das damals eben. Heute ist es die Leichtfüßigkeit, seine Spontanität, die einem den frühen Lotus ans Herz wachsen lässt.