Hässlichkeit ist schön, der Matra 530 SX beweist es mit seinem Grotesk-Design. Eine Spaßbremse ist der zähe V4-Motor – trotz objektiv flotter Fahrleistungen.
Bild: C. Bittmann
Stefan Voswinkel
Was passiert, wenn eine Firma keine Ahnung von Autos hat und dann ein Auto baut? Sie schubst einen Typ wie den Matra 530 ins Leben. Nicht schön, aber verwegen vom kantigen Heck bis zur Front mit den vier Glupschaugen. Wem die nicht gefallen, der sucht halt nach einem 530 LX mit Klappscheinwerfern – der hat dann auch ein Targadach, denn der SX war die Sparversion. Der 530 zeigt, wie verschroben die Autos der 60er noch sein durften. Die Herren des Luft- und Raumfahrtkonzerns Matra – bekannt auch für Marschflugkörper und Flugabwehrraketen – hatten 1964 die kleine Sportwagenschmiede des ebenso genialen wie bankrotten Schöpfergeists René Bonnet erworben. Erfahren in der Kunststoffbearbeitung, hatte Matra bereits die Glasfaser-Karosserien für Bonnets Coupé hergestellt, das sie als Matra Bonnet Djet in Produktion behielten – weniger um den großen Bedarf zu decken, als um Ausgaben steuerlich abzuschreiben. Bonnet stellten sie als Berater kalt, von der damaligen Erfolgsmarke Simca stieß Philippe Guédon zu Matra, um den 1967 präsentierten 530 zu entwickeln.
Die Kurvengier des Matra 530 SX entschädigt den Fahrer für alle Kinderkrankheiten.
Bild: Christian Bittmann
Die Konstruktion hat es in sich, zum Leidwesen ihrer Besitzer. So haben sie es bei Matra geschafft, ein Auto mit Kunststoffkarosserie zu bauen, das trotzdem schneller rostet als sein Schatten – am Stahlrahmen. Und dann trafen sie eine Motorenwahl, die heute keiner mehr versteht: Entwickler Guédon entschied sich für den gusseisernen 1,7-Liter-V4-Motor aus dem Ford 17M. Der klingt immer ein wenig, als hauche er gleich sein Leben aus. Aber lahm ist er nicht: null auf 100 in gut zehn Sekunden, das konnte ein gleich alter Porsche 911 T nicht besser. Und: Der V4-Mittelmotor ist so kompakt, dass er ein Zweiplus-zwei-Sitzkonzept zulässt – auch wenn bei der getesteten Sparversion 530 SX die hintere Sitzbank fehlt. Matra nahm 200 Mark Aufpreis dafür. Die Kurvengier des 530 entschädigt den Fahrer für alle Kinderkrankheiten. Sein aufwendiges Fahrwerk mit Quer- und Längslenkern verrät Finesse, die skurrile Flunder bewegt sich leicht und handlich. Ein bisschen Ahnung von Autos hatten sie bei Matra also doch.