Die Fakten: Modellautos sind ein Riesenmarkt – mit Umsätzen zwischen 200 und 400 Millionen Euro im Jahr. Ansichtssache: Zwei Redakteure kommentieren in großem Maßstab
Tomas Hirschberger
Alex Cohrs
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Tomas Hirschberger sammelt und genießt.
Bild: Angelika Emmerling
Das erste Auto vergisst du nie. Meins war rot, ein Chevy Bel Air in Kinderhand-Format. Ein zuverlässiger Blechkamerad. Er hat mich ins Krankenhaus begleitet, als ich Scharlach hatte, hat mir keinen Crashtest krummgenommen und von mir noch TÜV bekommen, als er schon längst verrostet mit nur drei Rädern in der Spielzeugkiste parkte. Das prägt. Noch heute liebe ich Modellautos – behandle sie aber mittlerweile mit deutlich mehr Respekt. Da bin ich Spießer. Mein ganzes Büro habe ich mit meinen Mini-Preziosen zugeparkt. Sie sind die bezahlbaren Abbilder meiner Kleinjungen-Träume. Porsche 911 – hab ich alle. Triumph TR – vom Zweier bis zum Sechser stehen sie startklar im Regal. Ich kann sie Probe fahren, wann immer ich möchte. Völlig CO2-neutral und ohne ständige Angst, es könnte etwas kaputtgehen. Die Liebe, mit der viele dieser wunderbaren Blechzwerge gemacht sind, zeigt sich in höchster Handwerkskunst. Detailgetreu bis in die Lenkradnabe. Das Beste aber: Sie kosten keinen Unterhalt, und du kannst sie im Winter bei einem guten Glas Rotwein genießen. Für mich die schönste Brückentechnologie, bis ich im Sommer wieder hinters Lenkrad der großen Originale komme.
Alexander Cohrs: Nein danke!
Alexander Cohrs erspart sich öde Vitrinien.
Bild: Angelika Emmerling
Haben Sie sich mal gefragt, warum sich so viele Menschen so leidenschaftlich für Autos begeistern können, aber vergleichsweise wenige Zeitgenossen derart enthusiastisch auf Brunnen, Schlösser, Gemälde reagieren? Ich glaube, weil ein Auto mehr ausmacht als sein Anblick. Klar, das Design ist ein wichtiges Kaufargument. Aber ohne die Technik würden wir Menschen auf Autos bei Weitem nicht so liebenswert irrational reagieren. Und genau da liegt der Unterschied zu Modellautos. Denn die sind im Grunde wie Brunnen, Schlösser und Gemälde: schön anzuschauen, sicher auch von kultureller Bedeutung, aber sie sprechen nur die Augen an und lassen die anderen Sinne kalt. Die Bewegung, die Geräusche, die Präzision der Technik, das Fahrgefühl, also alles das, was ein echtes Auto so sinnlich macht, das haben Modellautos nicht. Sie sind halt nur ein Abbild der Realität, vielleicht auch eine Erinnerung, aber letztlich nie mehr als eine Kopie. Wenn es aber nur um den Anblick geht, um die Erinnerung, dann kann ich mir ein Auto auch in Zeitschriften oder im Internet anschauen. Das spart mir nicht nur Geld – ich muss meine Wohnung vor allem auch nicht mit hässlichen Vitrinen und Setzkästen verschandeln.