Die Rennfahr-Legende Joachim Winkelhock über Schwerstarbeit im Cockpit, den Reiz eines Opel-Rennwagens aus der Kaiserzeit, und was ihm nach 20 Minuten am Steuer des hundertjährigen Autos durch den Kopf geht.
Bild: Marc Keiterling, Frederik E. Scherer
Marc Keiterling
Von links nach rechts: Winkelhock mit Gewinner Phil und dessen Freundin Melissa.
Bild: Marc Keiterling / Frederik E. Scherer
Der AvD-Oldtimer Grand Prix – logischer Treffpunkt der Großen hinter dem Lenkrad. Leopold Prinz von Bayern, Johnny Cecotto, Marc Surer, Walter Röhrl, Joachim Winkelhock und viele andere Promis sind am Start. "Jockel" Winkelhock, 1999 Sieger bei den 24 Stunden von Le Mans, zweifacher 24-Stunden-Champion am Ring und langjähriger DTM-Pilot ist als Opel-Markenbotschafter dabei. In dieser Funktion chauffierte er AUTO BILD KLASSIK-Gewinner Phil Koppenborg in einem Vorkriegsrenner über die Grand Prix-Strecke. Im Interview stand Winkelhock Rede und Antwort.
AUTO BILD KLASSIK: Hier stehen Manta, Commodore, Kadett und Ascona. Warum wurde es für Sie ein Auto aus der Kaiserzeit?
Winkelhock (lachend): Walter Röhrl hat meinen Manta genommen, obwohl ich doch so ein großer Tourenwagenfreund bin! Nein, im Ernst: Ich wollte den Opel Grand Prix Wagen von 1913 fahren. Es war schon beim OGP im Vorjahr so vorgesehen, doch damals lief er nicht. Danach wurde der Motor komplett überholt. Auch diesmal gab es zunächst leichte Startschwierigkeiten. Ich dachte schon: Das kenne ich doch?! Aber dann lief es gut und rund.
20 Minuten automobile Schwerstarbeit - und ein freudestrahlender Gewinner auf dem Beifahrersitz. Das ist Joachim Winkelhocks Bilanz der Testfahrt.
Bild: Marc Keiterling / Frederik E. Scherer
AUTO BILD KLASSIK: Wie ist es, ein mehr als 100 Jahre altes Auto zu fahren?
Winkelhock: Es ist Schwerstarbeit! Alles was zu bewegen ist, erfordert gleichzeitig viel Kraft und viel Gefühl. Gaspedal in der Mitte, Fuß- und Handbremse immer gleichzeitig betätigen - da sind so viele Kleinigkeiten zu beachten. Die 20 Minuten auf der Strecke haben mir unheimlich Spaß gemacht. Doch mehrere Stunden am Steuer dieses Autos, womöglich noch beim Bergrennen, so wie es die Pioniere damals taten: Das bräuchte ich nicht.
AUTO BILD KLASSIK: Sie sind vor 14 Jahren von BMW zu Opel gewechselt und der Marke bis heute verbunden. Wie kam es damals zum Engagement in Rüsselsheim?
Winkelhock: BMW stieg 1998 in die Formel 1 ein, das Tourenwagen-Engagement war in Frage gestellt. Nach einer Pause wurde 2000 wieder die DTM gestartet und Opel bot mir einen längerfristigen Vertrag an. Daher bin ich gewechselt und ich fühle mich bis heute im Hause sehr wohl. Dass langfristig so lang werden würde, hat damals freilich niemand gedacht.
AUTO BILD KLASSIK: Was macht der Rennfahrer Winkelhock heute?
Winkelhock: Zunächst einmal gibt es den Rennfahrer nicht mehr. Ich habe mein letztes Rennen in Hockenheim im Oktober 2003 auf einem Astra V8 bestritten. Danach hat es noch ein paar Monate gejuckt, dies war aber schnell vorbei. Nur so mitfahren käme für mich nicht in Frage, wenn, will ich nach vorne. Ich bin aber inzwischen 54 Jahre alt, die Jungen sind physisch ganz einfach im Vorteil. Für Opel leite ich Fahrersicherheitstrainings, teste oft auf dem Nürburgring neuentwickelte Fahrwerkskomponenten des Hauses und bin auch für die Classic-Abteilung unterwegs. So habe ich in diesem Jahr zum Beispiel mit einem Opel Commodore A an der 3. Bodensee-Klassik teilgenommen.