Ja, Opel war in den 80ern auf der Höhe der Zeit: Marktanteil um 15 Prozent, und den Kadett nahmen Publikum und Fachpresse als ernsthaften Golf-Konkurrenten wahr. Einen besonders guten Ruf hatte er dennoch nicht. Die Generation E des Rüsselsheimer Kompakten, die zweite mit Frontantrieb nach dem Kadett D, galt als technisch robust, die Solidität und Verarbeitung der Karosserie jedoch als – nun ja – suboptimal. Keine guten Voraussetzungen also für ein Cabrio auf Kadett-Basis, das zudem noch in Italien gebaut wurde. Doch manche Autos widerlegen die schönsten Vorurteile: Das Kadett Cabrio auf dieser Seite hat seit seiner Erstzulassung 1991 mehr als 400.000 Kilometer zurückgelegt – mit nur einem Besitzer und penibel nach Kundendienst-Scheckheft gewartet.
Opel Kadett GSi Cabriolet
Flache Scheibe, Dreieckfenster: Im Kadett weht der Wind schwach bis mäßig.
Die bei Bertone aufgeschnittene und verstärkte Karosserie wirkt immer noch fest, selbst auf schlechter Fahrbahn zittert sie nur leicht mit den A-Säulen, und das elektrohydraulische Verdeck faltet sich sanft und sicher über dem Kofferraum zusammen. Dass der Fahrtwind danach sachter durch den Kadett brandet als durch die Konkurrenten, liegt an der stärker geneigten Frontscheibe und der tiefen Sitzposition. Nicht nur damit erweist sich der Kadett als modernster der vier Bügelfalter: mit sicheren Fahreigenschaften, undrängeligem Raumangebot und einem großen, leicht beladbaren Kofferraum. Dazu hat er als GSi den durchsetzungsstarken, dabei sparsamen Zweilitermotor unter der Haube. Wobei sich Kadett-Fans heute besser nach dem milderen 1600er mit 75 PS umschauen, weil fast allen GSi Individualisierungsmaßnahmen widerfuhren, die weder auf guten Geschmack noch auf die Strukturfestigkeit der Karosserie Rücksicht nahmen. Was alles nichts daran ändert, dass der offene Opel Kadett bis heute der begehrenswerteste E von gestern ist.

Opel in alter Größe: Kapitän und Diplomat


Fazit

von

Heinrich Lingner
Das Kadett Cabrio blüht heute im Verborgenen. Unverbastelte, gut erhaltene Exemplare sind selten und gleichzeitig billig, dennoch will sie kaum einer haben. Dabei spricht so vieles für den Kadett: das gute Raumangebot, die sparsamen Motoren und die langlebige Antriebstechnik.

Von

Heinrich Lingner