Da sage noch einer, der Windkanal lasse unseren Autobauern keine kreativen Möglichkeiten mehr, zwänge über kurz oder lang alle Fahrzeuge in eine uniforme Karosserie. Dem kann ich wirklich nur empfehlen, sich einmal den neuen Peugeot 405 anzusehen. Dieses Auto hat Pfiff. Was macht diese neue Kreation nun so anders als andere viertürige Limousinen mit konventionellem Stufenheck? An der Schnauze liegt's nicht. Das war schnell klar. Sie trägt das typische Peugeot-Gesicht und schiebt, wie inzwischen fast alle Autos, eine ziemlich flache und runde Nase in den Wind.
Auch die Windschutzscheibe ist nichts Besonderes: ein großes Panorama-Glas schnittig schräggestellt. Und die rund ums Fahrzeug schwarz abgesetzten Anströmkörper beweisen eigentlich nur, dass Peugeot mächtig an der Aerodynamik gefeilt hat. Offiziell werden je nach Version cW-Werte zwischen 0,29 und 0,31 angegeben. Das ist gut, aber längst nicht mehr sensationell. Das 405-Geheimnis? Ich fand es schließlich am Ende. Das Hinterteil der Weltneuheit nämlich ist geformt wie sonst fast nur bei Coupés: sehr schräger Dachpfosten und ein hohes, ebenfalls nach oben verlaufendes Heck.
Damit ist den Franzosen in Sachen Styling etwas ganz Beachtliches gelungen: eine geglückte Dressur des jüngsten Peugeot-Löwen. Der für die Show verantwortliche Dompteur sitzt übrigens in Turin: Sergio Pininfarina, der italienische Star-Karossier. Doch das Kleid allein wird nicht reichen, wenn der heimlich geäußerten Peugeot-Zuversicht "Wir glauben, dass der 405 das Zeug hat, Auto des Jahres zu werden", auch der Titel folgen soll. Denn die Konkurrenz ist nicht von Pappe: in Frankreich vor allem der Renault 21, in Deutschland vor allem der Audi 80. Zum weiteren Kreis zählen außerdem Ford Sierra, Fiat Croma, Toyota Camry, Honda Accord und Mazda 626.