Porsche 911 Turbo gegen 928 S4
Welcher Porsche ist der beste?

Luftgekühlter Sechszylinder-Boxer gegen wassergekühlten V8, Frontmotor gegen Heckmotor, komfortabler Gran Turismo gegen brettharten Sportler: zwei Porsche – und zwei Welten.
- Jürgen von Gosen
AUTO BILD Archiv-Artikel 45/1986: Der neue Porsche 928 S4 hat den 911 Turbo im Preis (125.000 D-Mark) eingeholt. In der Leistung (320 PS) hat er ihn (300 PS) überholt. Für diese Einsicht brauchte ich nur wenige Minuten. Im engen 911er ist es richtig gemütlich. Links lehnt der Arm an der Fahrertür, und rechts gehe ich mit dem Beifahrer auf Tuchfühlung. Das klappt im modernen 928 nicht so gut. Hier fühle ich mich verloren. Eine synthetische Raumschiff-Atmosphäre lullt den Fahrer ein, ein breiter Mitteltunnel schottet ihn vom Mitfahrer ab. "Ergonomie" nennen das die Fachleute und meinen damit, dass ich alle Bedienungselemente ohne die kleinste Verrenkung erreichen kann. Und tatsächlich, das haben sie gut hingekriegt. Mit den Druckschaltern und Drehknöpfen kann man sich kaum vertun.
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Verwechslungsgefahr besteht im 911 Turbo schon eher. Da sind unzählige kleine Schalter wahllos übers Armaturenbrett verstreut. Das erfordert Konzentration aufs Wesentliche – eine Tugend, die der 911-Pilot zwingend besitzen sollte, um die Launen des mittlerweile 22 Jahre alten Sportwagens zu tolerieren. Das wichtigste bei einem Sportwagen ist der Motor. Und der sitzt samt Getriebe beim 911 im Heck. Da drückt er mit seiner ganzen Last auf die angetriebene Hinterachse. Das bringt beste Beschleunigungswerte, aber auch ein kritisches Kurvenverhalten. Wenn der volle Schub einsetzt, wird aus starkem Untersteuern kräftiges Übersteuern. Dann wischt der Elfer giftig mit dem Heck nach außen. Ruhige Nerven und gefühlvoller Gasfuß sind dann angeraten.
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Ein ausgeglicheneres Naturell offenbart der 928. Seine Antriebsquelle wanderte unter die lange Fronthaube, das Getriebe sitzt vor der Hinterachse (Transaxle-Bauweise). Eine mit Motordrehzahl laufende Welle transportiert die Kraft von vorn nach hinten. Das Ergebnis ist eine bessere Gewichtsverteilung. Und die bringt Vorteile im Fahrverhalten. Der 928 liegt insgesamt satter auf der Straße. Ich habe nie das Gefühl der Unsicherheit – weder bei engen, schnellen Kurven noch beim Wahnsinnstempo 265 auf der leeren Autobahn. Stur zieht der Super-Porsche seine Bahn. Und ich sitze lässig und völlig entspannt in den bequemen Ledersesseln. Der Motor brummt angenehm, der Wind zischelt zurückhaltend um die Dachpfosten. Wenn ich da an den 911 denke…
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