Immer mehr Klassiker-Messen konkurrieren ums Publikum. Zwei Redakteure streiten über das Für und Wieder der großen Messen-Vielfalt.
Im Dezember zur Klassiker-Messe nach Nürnberg, im Januar nach Erfurt, im Februar nach Bremen, im März nach Stuttgart, Kassel, Hockenheim – die Vielfalt an Events kann in Stress ausarten. Zeit für eine Pause? Nein, für April ist Essen gebucht, für Mai Ulm und Friedrichshafen, für Juni Paaren/Glien. Der Sommer gehört Festivals unter freiem Himmel, aber im September geht’s mit Hildesheim und Fürstenfeldbruck weiter. Neu im Oktober sind Berlin und Hamburg, und für November 2017 tragen wir Köln in den Terminkalender ein. Allein in Deutschland finden nun mehr als ein Dutzend große Oldtimermessen pro Jahr statt, davon sind seit 2015 die Motorworld Classics Berlin, die Retro Classics Bavaria, die Hamburg Motor Classics und die Retro Classics Cologne hinzugekommen. Zwei Redakteure diskutieren das Für und Wider.
"Fast jeder hat was davon - vor allem die Besucher"
Ja, bitte: Frank B. Meyer freut sich für die Messegäste.
Bild: Auto Bild
Das Wort "Inflation" kitzelt so schön an der deutschen Urangst vor einer Geldentwertung, deshalb benutzen es manche Zeitgenossen gern. Was ist jetzt wieder inflationär? Aha, die Anzahl der Klassikermessen. Ich sehe ja ein, dass mittlere und große Betriebe, die jede große Messe beschicken wollen, das nun nicht mehr schaffen. Ich erwarte aber, dass kleinere Unternehmen von dem wachsenden Angebot an Ausstellungsflächen profitieren: Wenn mehr Messen konkurrieren, dürften auch die Quadratmeterpreise nachgeben. Clubs und IGs klagen noch, dass sie von Messen verdrängt werden – jetzt dürften sie feiern: Je mehr Termine stattfinden, desto mehr Clubs kommen zum Zuge. Am wichtigsten sind die Besucher. Sie bekommen mehr Auswahl und können sich über eine kurze Anreise freuen. Wer nicht in der Branche arbeitet, muss ja nicht zu jeder Ausstellung. Insgesamt, glaube ich, wird die Anzahl der Gäste steigen. Wenn dann mehr Menschen sich mit klassischen Fahrzeugen befassen, kann das dem Rückhalt für automobiles Kulturgut nur helfen. Also: mehr davon!
"Die Akteure können nicht auf allen Hochzeiten tanzen"
Nein, danke: Martin Puthz findet die Messe-Flut inflationär.
Bild: Alexandra Lier / AUTO BILD
Messen find ich super. Aber langsam haben wir davon zu viele. Die Oldie-Szene boomt zwar. Jedoch wird der Kuchen nicht im gleichen Maße größer, wie durch eine Messe-Inflation die Stücke kleiner werden. Weder Besucher noch Akteure wie Händler, Hersteller und Clubs können auf sämtlichen Hochzeiten tanzen, das ist eine Zeit- und eine Kostenfrage. Weniger ist daher mehr. Für jeden. Der Wunsch nach Dezentralisierung ist für mich kein Argument. Gibt es ihn überhaupt? Ich meine, nein. Die Szene ist mobil und agiert längst international. Lieber reise ich ein paar hundert Kilometer zu einer hochkarätigen Großveranstaltung als auf kurzem Weg zu einem kleinen Regional-Event. Noch mehr Messen? Nein! Der Zwang, Prioritäten zu setzen, steigert die Gefahr, etwas zu verpassen. Außerdem wächst das Risiko von Terminkollisionen. Situationen wie 2018, wenn die Zugpferde Retro Classics und Techno-Classica aufs selbe Wochenende fallen, wird es dann wohl öfter geben. Was nur einen Vorteil hat: dass man die unverkauften, überteuerten Autos von der letzten Messe nicht auf der nächsten wiedersieht. Soweit die Meinung der beiden Redakteure. Was meinen Sie? Stimmen Sie gern oben ab!
AUTO BILD war auf der Motorworld Classics in Berlin (7. bis 9. Oktober 2016) unterwegs und hat Klassiker für unter 20.000 Euro gefunden. Los geht es mit diesem Mercedes-Benz 280 SE; Baujahr 1971; Preis: 16.000 Euro, Zustand 2. Der W108 mit 160 PS und Automatikgetriebe hat gerade mal ...
Bild: Katharina Berndt
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... 98.000 Kilometer runter. Stilecht sind auch die Radkappen des roten Mercedes in Wagenfarbe lackiert. Innen gibt es ...
Bild: Katharina Berndt
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... schwarzes Leder, Holzdekor am Armaturenbrett und Beckengurte. Radio und Lautsprecher auf der Hutablage wurden nachgerüstet.
Bild: Katharina Berndt
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Fiat 500L; Baujahr 1972; Preis: 19.990 Euro; Zustand 2. Der 500L ist die Luxusversion des Fiat 500: Zu den kleinen Ausstellfenstern hinter der A-Säule kommen Kurbelfenster an den Seiten, ein kleines Faltdach, feststellbares Handgas, außerdem ...
Bild: Katharina Berndt
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... schmucker Chromzierrat. Dieser 500L ist komplett restauriert, was sich vor allem im Innenraum zeigt. Die Sitze sind mit cremefarbenem Leder bezogen und mit schwarzen Ziernähten abgesetzt. Dieser sportliche Retro-Look kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ...
Bild: Katharina Berndt
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... der 500L es lieber langsam angeht: Er hat lediglich 18 PS.
Bild: Katharina Berndt
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VW 1303 Cabrio; Baujahr 1973; Preis: 17.800 Euro, Zustand 2. Dieses Käfer Cabrio hat nicht nur ein Oldtimergutachten und die H-Zulassung, es kommt auch mit einem ...
Bild: Katharina Berndt
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... dunkelblauen Verdeck und sportlicher Recaro-Innenausstattung. Gute Idee, macht den Käfer aber auch nicht stärker: 50 PS hat der 1303. Was das Auge etwas stört, ist ...
Bild: Katharina Berndt
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... die nachgerüstete Lichtanlage auf den Chromstoßstangen vorn und hinten.
Bild: Katharina Berndt
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Innocenti Mini Minor 850 MK3; Baujahr 1971; Preis: 11.900 Euro; Zustand 2. Als Lizenzpartner der Mini-Firma British MotorCorporation durften die Italiener von Innocenti den Mini bauen. Klein und reduziert ist dieser Mini mit Holzlenkrad, Viergangschaltung, 35 PS und ohne viel Schnickschnack. Für sein Alter hat ...
Bild: Katharina Berndt
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... dieser Mini Minor mit knapp 36.000 Kilometern eine extrem niedrige Laufleistung und bisher nur zwei Besitzer, was wohl auch ...
Bild: Katharina Berndt
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... den guten Zustand erklärt. Angeboten wird der Innocenti Mini mit TÜV und H-Kennzeichen.
Bild: Katharina Berndt
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Citroën DS 23 Pallas FE; Baujahr 1974; Preis: 19.500 Euro; Zustand 2. Diese DS war wohl nie ein Alltagsauto: 42.000 Kilometer ist sie in ihrem Autoleben gefahren. Der innen wie außen ...
Bild: Katharina Berndt
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... ganz in Schwarz gehaltene Citroën soll unfallfrei sein und wurde restauriert. Macken wie aus dem Schiebedach ragende Isolierung oder ...
Bild: Katharina Berndt
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... Lackplatzer hat die DS trotzdem. Schade nur: Ein Vorbesitzer hat ein Kassettenradio nachgerüstet, das nicht so recht zum edlen Innenraum des Klassikers passt.
Bild: Katharina Berndt
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VW 1600 TL; Baujahr 1972; Preis: 12.800 Euro; Zustand 2. Der 1600 TL ist besser bekannt unter seiner internen Bezeichnung Typ 3. TL steht für Touren-Limousine, gemeint ist das Schrägheck des Mittelklasse VW. Dieser ...
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... Typ 3 ist ein spätes Modell, 1973 wurde das Modell eingestellt. In Weiß mit weinroter Kunstlederinnenausstattung fällt man mit ihm jedenfalls auf. 54 PS leistet der ...
Bild: Katharina Berndt
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... VW, der laut Verkäufer aus zweiter Hand und mit Originalbrief kommt. Ein Oldtimergutachten und H-Kennzeichen bringt der VW 1600 TL ebenfalls mit.
Bild: Katharina Berndt
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Mercedes 200; Baujahr 1982; 7777 Euro, Zustand 3. Nicht nur die Farbe lässt vermuten, dass dieser W 123 einmal ein Taxi war. Auch das ...
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... rote Schild auf der Mittelkonsole, das das Rauchen im Auto verbietet und der Erste-Hilfe-Kasten auf der Hutablage erhärten den Verdacht – auch wenn das Velours auf den Sitzen nicht abgewetzt aussieht.
Bild: Katharina Berndt
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Laut Verkäufer handelt es sich bei dem 109-PS-Benziner aber um einen Garagenwagen aus zweiter Hand.
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Ford Granada OHC 2.0 L; Baujahr 1979; Preis: 8680 Euro, Zustand 2. Dieses Auto ist etwas für Zeitgenossen, die es bequem mögen: Die Vordersitze sind beheizbar, und die Seitenspiegel lassen sich von innen verstellen! Ein weiteres schönes Detail der Limousine ist die ...
Bild: Katharina Berndt
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... Scheinwerfer-Waschanlage, die aus zwei Kunststoffhörnern an der Frontstoßstange wächst. Mit ...
Bild: Katharina Berndt
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... 101 PS ist der Granada ordentlich motorisiert und wurde bei knapp 89.000 Kilometern Laufleistung anscheinend nicht viel bewegt.
Bild: Katharina Berndt
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Wer sein Budget etwas aufstocken kann, findet in Berlin natürlich auch Höherpreisiges. Ein gutes Beispiel ist dieser BMW 2002, der knappe 3000 Euro über unserem Budget liegt. BMW 2002; Baujahr 1971; Preis: 22.900 Euro; Zustand 2. Dafür bekommt man aber einen echten Klassiker mit nur ...
Bild: Katharina Berndt
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... 109.000 Kilometern auf der Uhr und Original-Innenraum – sogar das Radio ist noch vorhanden. Nur ein Detail ...
Bild: Katharina Berndt
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... ist an diesem BMW 2002 nicht jedermanns Sache: Er hat ein Automatikgetriebe.