SL-Kalender 2015: Ein Jahr mit Pagoden
Eine Pagode für jeden Monat

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Ein Wandschmuck zum Schwärmen und Träumen: Der Pagoden-Kalender 2015 erinnert an die legendäre Mercedes W 113-Baureihe mit dem schönen Hardtop.
Wäre es nicht schön, eine Pagode vor der Tür zu haben? Sollte das gerade nicht möglich sein, wie wäre es mit einer Pagode für die Wand? Und zwar für jeden Monat eine andere? Der Pagoden-Kalender für 2015 macht es möglich, herausgebracht von 99 Rodeo Drive. Da lohnt sich das Umblättern für jeden Fan der legendären W 113-Baureihe Monat für Monat aufs Neue. Der "SL Pagode 2015" Kalender im DIN A3-Format kann für 25 Euro online über www.99rodeodrive.com aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein portofrei bezogen werden.Vergangenes Jahr wurde die Pagode 50 Jahre alt. Hier ein Blick auf sechs unterschiedliche Ausführungen des bildschönen Roadsters.
Bilder: 50 Jahre Mercedes Pagode

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Dieser Mercedes 230 SL verkörpert die Ur-Pagode: Kein Leichtgewicht (1,3 Tonnen), aber rank und schlank und so schön kompakt war der W 113 des Jahres 1963.
Bild: Bernd Hanselmann

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Die Pagode war so ganz anders als andere Sport-Cabrios und -Roadster. Wahrscheinlich schwappte ihr feminines Image vom 190 SL rüber, oder es lag an der gängigen Auffassung vom Sportwagen: Sie hatten laut, hart und derb zu sein, als Roadster obendrein eng und zugig.
Bild: Bernd Hanselmann

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Die Pagode war nichts dergleichen. Stattdessen war sie sicher, komfortabel, geräumig und bei Bedarf einfach nur schnell.
Bild: Bernd Hanselmann

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Sehr schnell sogar, im zeitgenössischen Kontext, was weniger an den PS (150) oder an der Spitze lag (198 km/h mit Hardtop, 202 mit Stoff-Verdeck), als am Fahrwerk.
Bild: Bernd Hanselmann

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Die breite Spur – 21 cm breiter als beim Jaguar E-Type –, die serienmäßigen Radialreifen, kombiniert mit der besten Servolenkung der frühen 60er, genügten, um ohne viel Einsatz fast alles in Grund und Boden fahren zu können.
Bild: Bernd Hanselmann

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Ein 230 SL, gut in Schuss, zumal mit dem seltenen ZF-Fünfganggetriebe, vermag Vorurteile zu pulverisieren, entsprechende Handhabung vorausgesetzt.
Bild: Bernd Hanselmann

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"Es ist ein Auto, das du deiner Freundin kaufst, um es heimlich auszuleihen", brachte es ein SL-Konvertierter auf den Punkt.
Bild: Bernd Hanselmann

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Gib ihm 4000 Touren, und der Einspritzer singt Arien, wie es nur ein frei atmender Reihensechszylinder kann. Der Grip der 185er-Reifen ist für einen 50-Jährigen beachtlich, und selbst auf Holperpisten gerät das schluckfreudige Fahrwerk nicht auf Abwege. Unsportlich? So wie Carl Lewis im Armani-Anzug.
Bild: Bernd Hanselmann

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Technische Daten Mercedes 230 SL: Hubraum 2306 ccm • Leistung 110 kW (150 PS) bei 5500/min • Drehmoment 196 Nm bei 4200/min • 0–100 km/h 9,7 s • Spitze 198 km/h.
Bild: Bernd Hanselmann

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Zum Genfer Salon präsentierte Mercedes 1963 den neuen SL, ein halbes Jahr später siegte dieser bei der Rallye Spa–Sofia–Lüttich. 5500 Kilometer nonstop auf übelsten Pfaden quer durch Europa.
Bild: Bernd Hanselmann

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Eugen Böhringer, Rallye- und Tourenwagen-Spezialist von Mercedes, hatte mutig den taufrischen 230 SL gewählt, ein Vorserienauto wurde hergerichtet, geringfügig verstärkt, sonst weitgehend handelsüblich belassen – so entstand der 230 SL Rallye.
Bild: Bernd Hanselmann

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Böhringer bestand auf 15-Zoll-Rädern für mehr Bodenfreiheit auf den Geröllpisten, während er auf den italienischen Bergstrecken mittels 13 Zoll eine kürzere Übersetzung bekam.
Bild: Bernd Hanselmann

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Die Rechnung ging auf. Von 120 Startern kamen nur 20 ins Ziel, Böhringer und Kopilot Kaiser gewannen. Besser hätte man die Meckerfraktion, die dem SL reflexartig Unsportlichkeit vorwarf, nicht verstummen lassen können.
Bild: Bernd Hanselmann

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Harte Prüfung für den Mercedes 230 SL Rallye: 5500 Kilometer auf Folterpisten.
Bild: Werk

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Sieger: Eugen Böhringer (Mitte) und Klaus Kaiser.
Bild: Werk

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Hier arbeitete vor 50 Jahren Eugen Böhringer. Details wie Lenkrad, Sitze und Schalter sind allerdings nicht mehr original.
Bild: Bernd Hanselmann

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Was aber bis vor Kurzem keiner für möglich hielt: Die Böhringer-Pagode wurde später keineswegs verschrottet. Nein, sie lebt – Dr. York Seifert aus Ingolstadt gelang es mittels detektivischer Nachforschung, die Prominenz seiner Pagode nachzuweisen. Und zwar zweifelsfrei.
Bild: Bernd Hanselmann

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Technische Daten Mercedes 230 SL Rallye: Hubraum 2306 ccm • Leistung 110 kW (150 PS) bei 5500/min • Drehmoment 196 Nm bei 4200/min • 0–100 km/h 9,7 s • Spitze 198 km/h.
Bild: Bernd Hanselmann

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Einige Details, etwa die Rallye-Gerätschaft, sind über die Jahre verschwunden und sollen nachgerüstet werden. Aber so viel ist sicher: Hier ist sie, die berühmteste aller Pagoden.
Bild: Bernd Hanselmann

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Kommen wir zum zweiten Kapitel: : Nach 19.831 Stück vom Typ 230 SL folgte 1967 die erste größere Pagodenpflege. Das Ergebnis hieß 250 SL. Was der zu bieten hatte, waren keine Überraschungen und keine Designmätzchen (zum Glück), einfach nur eine Auffrischung der Technik.
Bild: Bernd Hanselmann

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Der Motor stammt von der neuen S-Klasse-Limousine 250 SE W 108 mit immer noch 150 PS, aber 216 Nm Drehmoment statt 196 und mit sieben statt vier Kurbelwellen-Hauptlagern. Dazu Scheibenbremsen auch hinten und ein 82-Liter-Tank (statt 65).
Bild: Bernd Hanselmann

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Der Zeit voraus: ein fester Deckel über dem Verdeckkasten, das leicht aufklappbare Stoffdach, das geschlossen straff gespannt sitzt, um Windgeräusche zu minimieren.
Bild: Bernd Hanselmann

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Hier die "California"-Version mit Notsitz statt Verdeckkasten.
Bild: Werk

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Kenner berichteten jedoch, dass die neue Maschine zwar ruhiger, aber nicht mehr ganz so spritzig zur Tat schritt wie die alte. Es musste sich um Nuancen handeln, denn in unserem 1967er Exemplar herrscht Hochstimmung unter der Haube, auch akustisch.
Bild: Bernd Hanselmann

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Wobei der Zeiger auf dem nadelgestreiften Drehzahlmesser spielend bei 6000 in den roten Bereich vordringt. Zeitgenössische Heizer auf verkehrsarmen Autobahnen hielten sich dort mangels Schongang auch schon mal längere Zeit auf, was die nicht ganz weiße Weste des 2,5-Liter-Motors erklärt.
Bild: Bernd Hanselmann

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Kapitale Motorschäden kamen vor. In den Fahrleistungen entspricht der 250er dem 230er – keine Dragsterambitionen also, aber obenherum ein anregendes Temperament. Ein Augenöffner ist die servolose Lenkung (Servo kostete 550 Mark extra): Sie beschert der Pagode die Agilität einer Diesellok.
Bild: Bernd Hanselmann

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Technische Daten Mercedes 250 SL: Hubraum 2496 ccm • Leistung 110 kW (150 PS) bei 5500/min • Drehmoment 216 Nm bei 4200/min • 0–100 km/h 10,1 s • Spitze 195 km/h.
Bild: Bernd Hanselmann

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Der 250 SL sollte eine Zwischenlösung bleiben. Nur 5196 Exemplare wurden gebaut, schon 1968 folgte im Zuge der Motorenentwicklung der 280 SL. 2,8 Liter Hubraum also. Diesmal gab's auch bei den PS ein Zuschlag (plus 20), dazu 240 Nm Drehmoment.
Bild: Mercedes 280 SL

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Die finale Pagode: Nicht nur in der Form, auch im Charakter blieb sie sich treu. Und schön war sie auch mit dem Stoffdach.
Bild: Bernd Hanselmann

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Die optische Änderungen hielten sich in Grenzen: Die hinteren Blinkleuchten wechselten von rot nach gelb, : Dgelbe Blinkleuchten hinten, die wunderbar schlichten Felgen-Zierringe der Vorgänger wichen neuen Radkappen mit einem Kranz von Schlitzen.
Bild: Bernd Hanselmann

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Der Kraftzuwachs zeigt sich vor allem bei mittleren Drehzahlen, wo der 280er besser im Futter steht, was gerade in Kombination mit der Vierstufenautomatik sehr gelegen kommt. Diese war schon immer eine umstrittene Option beim SL.
Bild: Bernd Hanselmann

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Weil kein Drehmomentwandler, sondern eine hydraulische Kupplung im Spiel ist, reagiert sie direkter als die üblichen Aggregate dieser Zeit, aber ziemlich ruckhaft. Die Vorteil der "Ruck-o-matik": Sie hatte vier Stufen, war auch manuell per Wählhebel bedienbar, der Zweite und dritte Gang lassen sich voll ausdrehen. Nicht zuletzt ist der Leistungsbedarf und damit -verlust geringer.
Bild: Bernd Hanselmann

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Nachteil: Der Dritte ist schon bei Tempo 130 am Ende, dann fehlt der kraftvolle Anschluss. Technische Daten Mercedes 280 SL: Hubraum 2778 ccm • Leistung 125 kW (170 PS) bei 5750/min • Drehmoment 240 Nm bei 4500/min • 0–100 km/h 9,5 s • Spitze 195 km/h.
Bild: Bernd Hanselmann

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Den fahrerischen Reiz des 280 SL vermag dieses Handicap nicht wesentlich zu trüben. Wenige Autos dieser Zeit bieten so viel kultivierte Unterhaltung wie die 280er-Pagode. In den Genuss kamen bis 1971, dem finalen Pagoden-Jahr, 23.885 Glückliche.
Bild: Bernd Hanselmann

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Jetzt noch ein Spezialist. Keiner sieht es, aber jeder hört es: In dieser Pagode brozzelt ein Achtzylinder. Und was für einer: 6,3 Liter groß, 400 Kilo schwer.
Bild: Bernd Hanselmann

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Einer musste es ja tun. Und dass es Erich Waxenberger war, überraschte auch keinen. "Waxe", einer der Unerschrockensten unter den Ingenieuren von Mercedes, holte sich eine Pagode, organisierte den großen V8, der sonst den 600er bewegte, und vermählte die beiden.
Bild: Bernd Hanselmann

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Motto: Warum nicht? Was beim 300 SEL 6.3 geht, müsste beim kleinen SL doch auch funktionieren. Das Ganze etwas straffer und tiefer, Rennreifen und dann in 10 Minuten und 30 Sekunden um die Nordschleife.
Bild: Bernd Hanselmann

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1967 war das, und es geschah mit Wissen von Entwicklungschef Rudolf Uhlenhaut. Den freilich überzeugte weder die Kopflastigkeit der 250-PS-Pagode noch ihr kommerzieller Sinn.
Bild: Bernd Hanselmann

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Das Ding wurde verschrottet – und lieferte zugleich den Humus für SL-Fantasien. Auch bei Christian Kromm. Doch dann schritt der Mercedes-Spezialist aus Osthofen zur Tat, er baute sich seinen eigenen 6.3.
Bild: Bernd Hanselmann

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Wie das Original, allerdings mit Fahrwerk und Bremsen des SEL inklusive Luftfederung – damit die Pendelachse des SL nicht sofort ins Off pendelt.
Bild: Bernd Hanselmann

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Technische Daten Mercedes 280 SL 6.3: Hubraum 6332 ccm • Leistung 184 kW (250 PS) bei 4000/min • Drehmoment 503 Nm bei 2800/min • 0–100 km/h 6,8 s • Spitze 220 km/h.
Bild: Bernd Hanselmann

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Das Resultat: gewaltig. Etwa so, als hätte sich die Pagode mit einer Bigblock-Corvette gekreuzt. Lässige Kraft aus der Tiefe des Hubraums, kompakt verpackt. Wir hätten ihm die Reifen geküsst, damals, egal ob von seinen 1640 Kilo 57 Prozent auf der Vorderachse lasten. Wen stört’s?
Bild: Bernd Hanselmann

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Wir haben noch einen Exoten: Sie lieben den Stil, das minimalistische Design, diesen lebenden Beweis, dass Zierlichkeit und Prestige einander nicht ausschließen? Sie finden keinen Spaß an all den aufgeblähten, übergewichtigen, unübersichtlichen Panzern der Roadster-Neuzeit?
Bild: Bernd Hanselmann

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Aber auf 50 Jahre Fortschritt möchten Sie auch nicht verzichten? Dann empfiehlt sich ein Besuch bei Mechatronik in Pleidelsheim. seit 1997 Spezialist für Organtransplantationen an alten Mercedes-Modellen.
Bild: Bernd Hanselmann

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Das Credo: nur Mercedes-Teile, Funktion und Verarbeitung auf Werksniveau, keine sichtbaren Stilbrüche und alles rückrüstbar. Was geht, demonstriert der hier gezeigte SL.
Bild: Bernd Hanselmann

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Auf den ersten Blick eine Pagode, wie wir sie kennen, bis hin zu den blechernen Radkappen. Aber eine mit ungeahnten Qualitäten: 4,3-Liter-V8 (M 113) mit 306 PS, Fünfstufenautomat, belüftete Scheibenbremsen, ABS, überarbeitetes Fahrwerk mit 15-Zöllern,
Bild: Bernd Hanselmann

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Innen unter anderem eine integrierte Klimaanlage und überarbeitete Sitze. Technisch die perfekte Pagode also, und naturgemäß auch die teuerste: Bis zu 200.000 Euro sind fällig. Ein stilloses Holzlenkrad gibt es nur auf Wunsch.
Bild: Bernd Hanselmann

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Wie fühlt sich das an? Äußerst verführerisch, um ehrlich zu sein. Luxuriöse Kraftreserven gepaart mit erlesener Laufkultur. Und Kurven, wo das Original wogt wie auf hoher See, nimmt der Frischzellen-SL mit ungeahnter Präzision auf ebenem Kiel.
Bild: Bernd Hanselmann

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Technische Daten Mercedes 280 SL Mechatronik: Hubraum 4266 ccm • Leistung 225 kW (306 PS) bei 5600/min • Drehmoment 410 Nm bei 2700/min • 0–100 km/h 5,9 s • Spitze 230 km/h (abgeregelt)
Bild: Bernd Hanselmann

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Der Mercedes 280 SL Mechatronik ist maximales Understatement: Pagode mit 306 PS. Optik und Komfortcharakter des SL überleben die Verwandlung ungetrübt.
Bild: Bernd Hanselmann

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Blättern wir noch etwas im Geschichtsbuch: Dass der SL ohne Pagodendach nur halb so reizvoll geraten wäre, demonstriert dieser Entwurf: Pagode ohne Pagode. Die frühe Skizze zeigt den W 113 noch mit konventionell gewölbtem Hardtop.
Bild: Werk

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Auch diese Version blieb uns erspart: SL mit Kuppeldach. Trotz guter Sicht und bequemen Einstiegs bei sportwagenmäßig geringer Dachhöhe in Verbindung mit hoher Steifigkeit machte die Pagode keine Schule.
Bild: Werk

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Präsentation der Pagode auf dem Automobilsalon 1693 in Genf. Links der verantwortliche Designer, Paul Bracq.
Bild: Werk

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Der frühe Mercedes 230 SL ist der Kernigste, der späte 280 SL der Ausgereifteste und objektiv Beste. Aber teuer sind sie inzwischen leider alle: Eine ehrlich gute Pagode noch unter 50.000 Euro zu finden, das wäre ein Glücksfall.
Bild: Bernd Hanselmann
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