1935, bei der Präsentation, bat William Lyons die Anwesenden, sein Werk zu taxieren. Im Schnitt tippten sie auf 650 Pfund. Dann der Hammer: Nur 385 Pfund soll sie kosten, die neue Limousine mit den betörenden Proportionen. Typisch Lyons, dieser Clou. Klasse und Rasse, aber bezahlbar. Da scheute er sich auch nicht, die Upper Class zu kopieren. Den Grill, die riesigen Scheinwerfer guckte er bei Bentley ab. Das reich furnierte Interieur konnte ebenfalls mithalten. Und dass der erste Jaguar technisch kleinere Brötchen backte, sah keiner.
SS Jaguar 3.5 Litre Baujahr 1935
Mit diesem Exemplar brachte einst Greta Lyons, die Gattin des Chefs, ihre Tochter zur Schule.
Bild: Charlie Magee
Aus der Nähe betrachtet kommt er einem indessen unverhofft zierlich vor, auch innen. Kleine Schalensitze, schöne Armaturen, eine Sportlimousine eben. Dazu passt das kernige Röhren des Sechszylinders. Es braucht kräftige Arme und Beine, um den 1,5-Tonner zu bewegen. Zielwasser hilft auch, denn die Lenkung des Starrachsers hat reichlich Spiel. Aber nur der erste der vier Gänge ist unsynchronisiert. Und die 102 PS wirken gar nicht so müde. 141 km/h Spitze – damals stand er damit in der ersten Reihe unter den Limousinen. Heute reicht es immer noch für ein freudiges Grinsen.
Technische Daten SS Jaguar 3.5 Litre
Motor: Reihensechszylinder • Hubraum: 2663 cm³ • kw (PS) bei U/min: 76 (102)/4700 • Beschleunigung 0-100 km/h: 19 s • Höchstgeschwindigkeit: 141 km/h • Zeitwert (in Zustand 2, Stand 1/2010): 210.000 Euro.