Unfallrisiken bei Oldtimern
Kulturgut als Killer

Bei einem Unfall in einem Oldtimer ist das Todes- und Verletzungsrisiko 30 Prozent höher als in einem modernen Auto. Das haben Unfallforscher in der weltweit ersten Studie zu Oldtimerunfällen herausgefunden.
Kulturgut Auto: Zunehmend wird den Menschen bewusst, dass Oldtimer ein Stück Geschichte sind, die zu erhalten sinnvoll ist. Doch Erhaltung heißt auch, sie zu fahren – im Straßenverkehr der Gegenwart, der auf die Klassiker wenig Rücksicht nimmt. Das heißt: Wer korrekt Abstand hält, muss oft erleben, dass sich andere Autofahrer hemmungslos in die Lücke drängeln. Oder sie überholen auf riskante Weise, weil sie das Beschleunigungsvermögen des Klassikers falsch einschätzen. Doch bisher blieb weitgehend unbekannt, wie gefährlich die Oldie-Tour im Verhältnis zum Fahren mit einem modernen Pkw ist. Die Unfallforschung der Allianz Versicherung AG hat nun in einer Studie erstmals das Unfallrisiko am Steuer von Oldtimern untersucht. 450 Schadenfälle bei Klassikern wurden in die Erhebung aufgenommen, die Unfallforscher des Allianz Zentrum für Technik (AZT) untersuchten jedes Vorkommnis akribisch.
Verletzungsrisiko im Oldtimer viel höher

Bild: Markus Heimbach
Wenig Unfälle dank geringer Fahrleistung

Bremswege erheblich länger
Schwere Schäden ereignen sich nach Erkenntnis der Allianz-Unfallforscher vorwiegend bei Auffahrunfällen, die oft eine Folge der schlechteren Bremsen sind. Ein Auto, das in den 60er-Jahren gebaut wurde, hat aus 80 km/h bis zum Stillstand einen fast doppelt so weiten Bremsweg wie ein moderner Wagen. Bei Vorkriegsmodellen kann die Strecke von Tempo 80 bis zum Stopp sogar viermal länger sein. Sogar in den 70er-Jahren wurden noch vielfach Trommelbremsen ohne jegliche Servo-Unterstützung verbaut. Hinzu kommt mitunter auch übergroße Vorsicht des Chauffeurs: Aus Sorge, die diffizile Technik zu beschädigen, werde mitunter zu vorsichtig gebremst; das führt dann oft erst zum Auffahrunfall. Hier kann ein spezielles Fahrsicherheitstraining helfen. Auch technische Mängel sind häufige Unfallursachen. Im Vergleich zum Pkw-Unfall ist ein technischer Defekt zehnmal so häufig ursächlich für einen Oldtimer-Unfall. Regelmäßige Kontrollen sind also gerade beim automobilen Kulturgut lebenswichtig.
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