Klassiker fährt man zum Spaß, und mehr PS machen mehr Spaß. Oder? Das denkt ein AUTO BILD KLASSIK-Redakteur ein anderer hält dagegen. Pro und Kontra!
Leistungsstarke Autos sind keine Erfindung der Neuzeit. Und auch keine der Amerikaner: In Mittelklasselimousinen von Opel, Ford und BMW waren 100-PS-Motoren schon Mitte der 1960er-Jahre populär. Die italienische Marke Alfa Romeo machte es sogar zu ihrem Markenzeichen, Vernunft-Motorisierungen gar nicht erst anzubieten. Selbst den behäbigen Buckelvolvo gab es in einer Sportversion. Diese Autos lassen sich heute noch flott bewegen - vor allem, weil sie viel schlanker und leichter sind als unsere heutigen. Das gilt auch für die vielen gut motorisierten Youngtimer, die gerade zu Klassikern werden. Auf Leistung muss also niemand verzichten, der ein altes Auto fahren will. Die Frage ist nur: Macht sie glücklich? Oder ist sie im Grunde völlig unwichtig? Zwei AUTO BILD KLASSIK-Mitarbeiter liefern sich ein Wortgefecht.
"Vergnügungsreisen können reines Vergnügen sein"
Henning Hinze will sauber aus der Kurve kommen.
Bild: Kersten Weichbrodt
Der Reiz alter Autos liegt erst mal, logisch, nicht in der Motorleistung. Der Reiz alter Autos liegt darin, dass sie eine Vergangenheit im Kopf lebendig werden lassen. Dieses Leben entsteht durch das Zusammenspiel von Material, Linie, Mechanik und Erinnerung. Dieser Reiz lässt sich also ohne Motorleistung erleben. Allerdings möchte man sie dann bald fahren, und hier beginnt das Problem, jedenfalls für mich. Die Kurzstrecke zur Buchhandlung im Nachbardorf bringt mir nichts. Ich möchte Vergnügungsreisen durch die Welt unternehmen und dabei nicht an jedem Hügel kämpfen. Ich weiß, Fußgängertempo im ersten Gang ist dort historisch absolut korrekt, weil das in vielen Autos so war. Nur Spaß macht das heute wie damals nicht. Um ehrlich zu sein: Es vergällt mir die Reise. Ich will auch bergan sauber aus der Kurve kommen. Wer das verwöhnt findet, verklärt die Vergangenheit. Machen wir uns nichts vor: Früher haben sie den Alltag nicht freiwillig in schwachen Autos gemeistert, sie mussten. Ich muss heute in meiner Freizeit aber nichts meistern. Vergnügungsreisen können reines Vergnügen sein. Auch wenn für mich jedes alte Auto einen Reiz hat - ein kräftiges altes Auto hat doppelten.
"Brachiale Beschleunigung alleine ist ein vulgärer Spaß"
Frederik E. Scherer fährt nicht gern geradeaus.
Bild: Sven Krieger
Ich muss regelmäßig grinsen, wenn ich in meinem Goggomobil sitze und 13,6 Zweitakt-PS sich redlich mühen, kein Verkehrshindernis zu sein. Und ich lache mich halb tot, wenn ein rastloser Jungdynamiker eben noch in meinem Rückspiegel festhing, nur um am nächsten Kreisverkehr plötzlich ganz klein zu werden: Weil ich da einfach reinfahre und schneller wieder rausgewetzt bin, als Genosse Drängler sich überhaupt fragen kann, welche Fahrhilfen er wohl für dasselbe Manöver brauchen würde. Das Geheimnis meiner spaßigen Kurvenhatz: Einzelradaufhängung rundum, die richtige Drehzahl beim Zurückschalten, ein funktionierendes Popometer und Hirn. Natürlich bin ich schon Autos mit wesentlich mehr PS gefahren. Doch brachiale Beschleunigung und ein Dauerabo für die linke Spur der Autobahn waren schon immer ein vulgärer, höchst vergänglicher Spaß. Als Konstrukteur ein funktionierendes Gesamtpaket zu schnüren: Das war schon immer die große Leistung im Automobilbau. Performance-Künstlern wie dem Lotus-Gründer Colin Chapman ging es nicht primär um PS, sondern darum, wie sie auf den Asphalt kommen. Ein Kleinwagen soll ihn besonders inspiriert haben: das Goggomobil, mit 13,6 PS.
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Bilder: Oldtimer- und Youngtimer-Tuning
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Downsizing für Fortgeschrittene: zum Boulevard-Cruiser aufgerüsteter Mercedes-Benz W108. Der schicke Schlitten aus den 1960er-Jahren leistet 170 PS. Getunte Klassiker gibt es massig, ...
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... wir zeigen 40 Highlights. Show&Shine-Star: Dieser VW Transporter (T3) ist ein kompletter Eigenbau. Die martialische Optik gaukelt ordentlich Leistung vor. In Wahrheit sind gut 100 PS für die Längsdynamik zuständig.
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Die zivile Version des Opel Manta nennt sich Ascona. Der silberne Typ B lief 1977 vom Band und wird von einem modifizierten Zweiliter-16V-Turbo unter Dampf gesetzt. 1,5 bar Ladedruck stemmen 388 PS Richtung Antrieb.
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Kultblech allererster Güte: VW Scirocco von 1988. Das gestreckte Coupé im Tuning-Look leistet immerhin 95 PS.
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Den Derby III hat VW nie gebaut. Für extreme VW-Freunde der beste Grund, dies nachzuholen. Aus Teilen einer originalen Derby-Karosserie und Kotflügel sowie Stoßstangen vom Polo (86c) wird ein hübscher GT.
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Die schönste Form des Ur-Golf: 1er mit dezenter Tieferlegung, Sportfahrwerk und aufregenden Rädern. Der Clou: 450 PS unter der Haube lauern auf die nächste Ausfahrt.
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Klassiker-Tuning muss vor allem stimmig sein. Dieser BMW 5er erfüllt die Vorgabe mit Bestnote. Die Hinterräder werden von rund 195 PS animiert. Der Sechzylinder unter der Haube hat 2,7 Liter Hubraum.
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Die 3er-Baureihe E30 ist in der BMW-Szene unglaublich beliebt. Der Ruf hat aufgrund geschmackloser Tuning-Orgien leider sehr gelitten. Dieser 327i mit Turboaufladung leistet 290 PS und ist eins der hochwertigen Exemplare.
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Volles Show-Programm: Audi 50 von 1977. Der Motor leistet zwar per Doping erzeugte 150 PS, darf das aber nur noch ganz selten zeigen.
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Kantige Front, ausgestellte Kotflügel, vier Ringe im Kühler – Kenner wissen sofort, von wem die Rede ist: Audi quattro. Der Rallye-Klassiker von 1988 wird von einem 2,1-Liter-Fünfzylinder mit Turbolader befeuert.
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Türkisfarbener Oldie: VW Derby Baujahr 1978. Das kleine Coupé leistet solide 154 PS.
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VW Corrado VR6 – der lässt keinen VW-Tuner kalt. 221 PS legt der Reihen-Sechser in leichter V-Auslegung ans Gaspedal. Räder und Teile des Motors sind mit echtem Gold beschichtet.
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Dieser seltene VW Brasilia wurde von der XS-Bande aus Dresden aufgemotzt. Baujahr 1976. Unter der Haube knattert ein 1600er-Motor mit stehendem Gebläse. Außerdem: Candy-Lack und vier Schichten Klarlack.
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Opel hat den Kadett D zwischen 1979 bis 1984 vom Band laufen lassen. Stärkster Kadett war der GTE mit 1,8 Liter Hubraum und 115 PS. Geschüsselte Felgen und ein Käfig sind die Highlights dieses blauen Stücks.
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BMW E30 mit 2,5-Liter-Sechzylinder (M20) und 225 PS. Das aufgemotzte Coupé mit speziell gefrästen Felgen hat schon 23 Jahre auf dem Buckel.
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Klassisch, schlicht, cool: VW Golf II.
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Passend gemacht: VW Golf I "Erdbeerkörbchen" im Bi-Color-Look.
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Fast Dreiliter Hubraum entlocken diesem 123er satte 193 PS. Die Fuhre aus dem Jahr 1983 wurde mit kultigen BBS-Rädern und Niederquerschnitts-Schlappen auf Neuzeit getrimmt.
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Opel leistet sich beim Commodore B eine werksinterne Klüngelei mit dem Schwestermodell Rekord. Das hier gezeigte Commodore Coupé leistet dank Tuning 200PS+.
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Mit Frontspoilerlippe, Seitenschweller und Flaggendekor aufgemotzer Ford Escort von 1995.
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Großer Name: Ford Sierra RS Cosworth. Bis 1992 gebaut, ein jahr später vom Mondeo abgelöst. Die britische Motorenschmiede Cosworth flanschte einen Turbolader an und sorgte für Leistung bis 220 PS.
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1982 auf die Staße entlassen, 170 PS stark: Ford Capri. Der Tuning-Feinschliff brachte neuen Lack und Speichen-Alus ans Tageslicht.
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Giftgrün: Opel Ascona B mit Zwoliter-Turbo-Motor und Teile aus dem Porsche Ersatzteilregal. Biestige 300 PS kommen am Antrieb an.
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Viel Optik, magere Leistung: Das Renault 19 Cabrio von 1993 leistet 95 PS. Der R19 wurde ganze elf Jahre, von 1988 bis 1997, gebaut.
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1200er Käfer aus dem Jahr 1971. Das luftgekühlte Maschinchen stemmt 34 PS auf die Kurbelwelle. Technischer Zustand und Optik sind nicht mehr ganz original, aber top!
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Anfang der 1990er spürte dieser Ford Escort zum ersten Mal Asphalt unter den werksseitig montierten Trennscheiben. Ein findiger Fan hat breite Schlappen und Spoiler montiert.
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Die Kombi-Ausführung des ersten Opel Astra altert im Design nicht. Die Substanz muss für so einen Auftritt aber gehörig aufbereitet werden.
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Sportwagen mit Kultfaktor aus den späten 1980ern: Toyota Supra MK3 Turbo/Targa. 286 PS schieben den rund 1600 Kilo schweren Flachman an. Der Nachfolger ...
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... wurde zwischen 1993 und 2002 gebaut: Toyota Supra JZA80. Maximale Leistung waren 330 PS.
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GSI-Kult: Opel Kadett E mit runden Radlaufkanten hinten. Ein Vierzylinder-Sauger mit 16-Ventiltechnik leistet 150 PS bei rund 1000 Kilo Leergewicht.
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Opel Corsa A Baujahr 1989, zum Roadster umgebaut. Der 2,0-Liter-16V aus dem Kadett GSI leistet auch hier 150 PS.
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Opel zum Dritten: C-Coupé von 1976. Die 765 Kilo leichte Fuhre wird von 130 PS befeuert.
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Das Volkswagen-Konkurrenzprodukt zum Kadett GSI: VW Golf GTI 16V. Hier eine G60 Edition One in selten gutem Zustand.
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Noch ein IIer: GTI Baujahr 1987 mit Zweiliter-Audi-Motor. 129 PS bringen die Kante auf Touren.
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Edel-Oldie: VW Golf II in Retro-Optik. Das 83er-Modell wurde auf den großen 2,8-Liter-VR6 umgebaut.
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Opel Kadett D (1983) mit 16V-Maschine aus dem Vectra. 204 PS schieben den komplett auf Hochglanz polierten Rüsselsheimer an.
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Das originale Filmauto aus dem Hollywood-Blockbuster "Nur 60 Sekunden" mit Nicolas Cage. 1967er Ford Mustang Fastback mit 8,4 Liter Big Block und 520 PS. Das Auto wurde 2006 in Arizona (USA) restauriert. Fahrzeuge im Bestzustand werden für mehrere Hundertausend Euro gehandelt.
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Szene-Star und Award-Abräumer der letzten Jahre: Opel Rekord C Fastback. Im aufgemotzen 70er arbeitet ein 1,9 Liter großer Vierzylinder.
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Profi-Tuner Cargraphic machte diesen Porsche 964 Turbo frisch. Bis zu 381 PS leisteten die stärksten 911 dieser Zeit.
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Der IIIer Golf lief zwischen 1991 bis 1997 vom Band. Die größten Motoren hatten 2,9 Liter Hubraum. In der Szene sehr beliebt: der Rattenlook.
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34 Jahre hat die frühe S-Klasse (W116) bereits auf dem Buckel. Unter der Haube schlägt ein V8-AMG-Herz mit immer noch imponierenden 218 PS. Tuning: komplette Edelstahl-Sportabgasanlage.