Formal ist der Volvo 144 so abwechslungsreich wie Streichholzschachteln, technisch innovativ wie Schwedenhölzer. Trotzdem springt der Funke über. Mit seinem spröden Charme entzündet der große Kühle aus dem Norden in uns die Begeisterung – für seine geradlinige Art, für Sicherheit aus Schwedenstahl. Ein echtes Plus in Sachen Genuss sind die großen Volvo-Sessel. Sie bieten mehr Komfort als der silberne Thron im schwedischen Königspalast. Kunststück: Die Sitze sind ja auch üppiger aufgepolstert als das harte Möbelstück von 1650. Königlich sind die Platzverhältnisse im alten Schweden – vier Passagiere können sich genüsslich räkeln, und ins eckige Heck lassen sich mehr Koffer stapeln als in moderne Limousinen.

Alt-Öko mit Charme: Volvo 240 Kombi

Volvo 144
Ein riesiges Lenkrad und komfortable Sitze im Volvo.
Aus heutiger Sicht ist die Sitzposition für den Chauffeur allerdings ungewöhnlich. Das riesige Lenkrad klemmt ihn fast ein. Dicke Oberschenkel passen gar nicht in den engen Spalt zwischen Thron und Lenkrad, kleinwüchsige Fahrer können kaum drübersehen. Dabei dient das riesige Steuer der Notwehr gegen gigantische Lenkkräfte. Der Volvo will kraftvoll um die Ecke gewuchtet werden. Immerhin: Sein Fahrverhalten ist gutmütig, dabei jedoch schwerfällig wie ein satter Småland-Elch, auf schlechten Wegen, von den Schlaglöchern genervt, ab und an Tritte verteilt. Kein Wunder: Die starre Volvo-Hinterachse ist ähnlich ausgefeilt konstruiert wie die einer Postkutsche. Also: Nur keine Hektik, lieber ruhig und gemütlich rollen. So liebt es auch der B20-Vierzylinder mit 82 PS. Oder sollen wir besser ES, Elch-Stärken, sagen? Bei niedrigen Touren treten sie kraftvoll an. Gegen schnelle Fortbewegung wehren sie sich brummig – genau wie die mächtigen Hirschtiere.