Die Schweden haben es nicht mit Konventionen. Jeder duzt jeden, Image hat nichts mit Geld zu tun, und Designer-Möbel montierten die Nordmänner schon selbst, als über deutschen Sofas noch der Hirsch röhrte. So ein Land braucht große Kombis – für Klippan, Gutvik und Billy. Kein Wunder, dass zu den erfolgreichsten schwedischen Exportartikeln ein Auto wie der Volvo 240 Kombi zählte. Geht es ums pure Volumen, ist der 4,78 Meter lange Volvo 240 Kombi für Hobby-Spediteure gut gerüstet: Sagenhafte 615 bis 2150 Liter steckt das Volvo-Langheck weg. Könnte man es komplett mit Milch vollgießen, würde der Vorrat für einen durchschnittlichen Milchtrinker rund 15 Jahre reichen. Wenn das nicht gesund ist.

Test $(LB552376:Opel Omega A Caravan)$ und Mercedes-Benz 200 TE

Volvo 240 Kombi
Der Volvo 240 Kombi hat einen hohen Nutzwert: maximal 2150 Liter Fassungsvermögen, ebene Ladefläche
Bild: Markus Heimbach
Gesund, ja – das passt zum Volvo, der stets das Lieblingsauto ökologisch orientierter Gutmenschen war. Schon Volvos Inneneinrichtung wirkt gesünder als in anderen Typen. Jute statt Plastik, nach diesem Motto piksen seine Tweed-Bezugsstoffe in hochwertiger Kartoffelsack-Qualität immer ein wenig durch die Jeans. Macht nichts: Mit den kleinen Fenstern im Schießscharten-Format und winzigen Scheibenwischern an der Frontscheibe ist so ein Volvo innen trotzdem ein bekväma rum – so reden die Schweden, wenn sie ein gemütliches Zimmer meinen. Die Heizung taugt zum Haareföhnen. Und das ganze Auto ist wirklich solide gezimmert. Klappern? Der doch nicht. Rosten? Ich bitte Sie. Teile verlieren? Also ...!

Hier finden Sie das Testergebnis aus dem Kombi-Vergleich

Volvo 240 Kombi
Der Volvo 240 Kombi ist nicht das richtige Auto, um flott um die Ecken zu zirkeln. Seine Stärke liegt im komfortablen Gleiten.
Bild: Markus Heimbach
Aber schnell fahren können andere besser. Der 2,3-Liter-Eisenklotz unter der ellenlangen Motorhaube brummelt zäh vor sich hin. Und sicher trägt die schaltfaule Dreistufenautomatik mit Overdrive ihren Anteil zum Phlegma des 240ers bei. Zwischen den Gängen legt sie immer eine Verschnaufpause für den kurzatmigen Vierzylinder ein. Recht so, denn auch der Rest des Volvo ist nicht zum Rasen gedacht. Das Fahrwerk nämlich nach guter alter Eselskarren-Art konstruiert, einfach und haltbar. Highlight ist die ungeteilte, spur- und sturzkonstante Hinterradaufhängung, kurz: eine Starrachse. Gemächlich bewegt, kommt die weiche Volvo-Federung voll zum Zug.
Im 240 schaukelt es fast so nett wie im Wasserbett. Härter rangenommen, verliert die starre Achse viel von ihrer Höflichkeit. Dann poltert sie, teilt Schläge aus und versetzt in Kurven. Etwas Gewicht im Fond beruhigt die bockige Hinterhand wieder. Nach unseren Erfahrungen reichen zwei Kinder auf der Rücksitzbank oder ein kalbsgroßer Hund auf der Ladefläche.
Sonderlob gibt es für die Volvo-Bremsen: 39,1 Meter sind der Bestwert aus 100 km/h. Sicherheit aus Schwedenstahl – stimmt schon. Keine Frage also, Volvos Kombi hat seine Fans längst gefunden. Gute Exemplare kosten gutes Geld und werden in den nächsten Jahren sicher noch teurer. Die Versicherungskosten liegen gleichauf mit Mercedes und Opel, die Steuer allerdings darüber. Gründe: Er hat mehr Hubraum und nicht immer einen Katalysator.

Fazit

von

AUTO BILD
Volvos Kombi ist spröde wie Knäckebrot. Aber auch genauso lecker und haltbar – der schmeckt der ganzen Familie. Einfache Technik, solide zusammengebacken: Das hält ewig und kostet nicht die Welt. Das hölzerne, wenig souveräne Fahrverhalten und der brummige Vierzylinder runden das Bild ab – diesen Typ kann man lieben oder fürchterlich finden, dazwischen gibt es nicht viel.