Schlüter Profi-Gigant — 30.09.2009
Das ist Europas stärkster Allrad-Traktor
Ein Schlüter ist so etwas wie der Bentley unter den Traktoren. Ein Enthusiast aus Augsburg hat den stärksten Schlepper Europas gebaut – auf Basis eines Oldtimers von 1973 und mit Schiffsdiesel!
Basis für den Super-Trekker ist ein Schlüter Profi Trac 3500
Wer war Schlüter? Firmenpatriarch Anton Schlüter ließ in Freising bei München ab 1949 Traktoren bauen, spezialisierte sich früh auf Großschlepper. Für seine kühnen Kreationen verehrt ihn die Ackerschlepper-Gemeinde noch heute; sie sind die Bentleys unter den Traktoren: stärker, größer und teurer als alle anderen. Wer damit aufs Feld fuhr, musste ein Großbauer sein. Und selten sind sie: Vom Profi Trac 3500, der Basis für Streitbergers Profi-Giganten, hatte der 1993 untergegangene Traktorenbauer nur vier Stück gebaut. Die Gebrüder Streitberger gingen ähnlich vor wie US-Car-Schrauber, die ein altes Muscle Car mit neuem Motor und edlen Tuningteilen nicht original, aber im Geiste des Originals aufbauen. Weshalb haben sie das seltene Stück nicht original gelassen? "Es war Schrott", sagt Ludwig Streitberger (49), Erbauer des Monsterschleppers. "Da war klar, dass wir ohnehin viel Geld in die Hand nehmen mussten. Es lag nahe, ein einmaliges Teil daraus zu machen."
12,5 Liter Hubraum, 650 PS, 2350 Nm Drehmoment
Seitdem streitet die Gemeinde in einschlägigen Online-Foren, ob Anton Schlüter so etwas gut gefunden hätte. "Er hätte", gibt sich Streitberger überzeugt. "Er hatte stets den Ehrgeiz, den stärksten Schlepper Europas zu bauen." Die Schnauze ist nun stärker gepfeilt und um 170 Millimeter verlängert, um eine Ladeluftkühlung und einen besseren Kühler unterzubringen. Die Streitbergers wurden zu Laufburschen ihres Projekts: Die Wege zum Beschaffen der Ersatzteile addierten sich auf gut 100.000 Kilometer. Das Ergebnis der unermüdlichen Schrauberei dürfte auch agrartechnisch Desinteressierte in einen Zustand staunender Bewunderung versetzen. Spätestens wenn man im Alcantara-Fahrersitz thront, den Blick über die schlanke Haube gleiten lässt und den MAN-Diesel anlässt, der zuvor eine dicke Motorjacht antrieb. Keine Richterskalarelevanten Vibrationen wie beim Lanz, stattdessen tiefes Grollen und Hochkaräter-Laufruhe. 12,5 Liter Hubraum, 650 PS, 2350 Nm Drehmoment – noch Fragen?Erfüllung von Kindheitsträumen
Ludwig Streitberger ist ein bekannter Kopf in der Schlepperszene. Man nennt ihn den "Bulldogkini", den König der Lanz Bulldogs. Der Titel ist redlich verdient: Streitberger besaß zeitweise bis zu 28 der Einzylinder-Klassiker. "Ich bin bescheidener geworden, es sind jetzt nur noch 20 …" Lkw-typisch die eindrucksvolle Zahnradsammlung, die der Pilot mittels einer 8-Gang-H-Schaltung sortiert. Per Hebel am Schaltstock lässt sich die Zahl der Gänge verdoppeln – dank des Split- oder Vorschaltgetriebes. Noch nicht genug? Im Verteilergetriebe ist eine Untersetzung integriert, die nur im Stand eingelegt werden kann. Macht 32 Gänge. "Braucht man nie", sagt Manfred. Schon im ganz normalen ersten Gang erweckt der Schlepper den Eindruck, als könne er Fundamente verschieben. Die Vorderachse wird starr zugeschaltet – pneumatisch, auf Tastendruck. Selbstsperrende Differenziale vorn und hinten komplettieren die Ausstattung für losen Untergrund. Wie entsteht eine solch extreme Leidenschaft? "Wir Schlepperfans sind alle mit solchen Maschinen aufgewachsen", sagt der Bulldogkini. Es sei wie bei jedem Oldtimerfahrer: "Die Erfüllung von Kindheitsträumen – das ist es, worum es eigentlich geht."
| Technische Daten Schlüter Profi -Gigant | |
|---|---|
| Motor | 6-Zylinder-Turbodiesel, Ladeluftkühler |
| Hubraum | 12.500 cm³ |
| Leistung | 478 kW (650 PS) bei 2200/min. |
| Drehmoment | 2350 Nm |
| Schaltung | 8-Gang-Split-Schaltgetriebe, zusätzliche Untersetzung, insgesamt 32 Vorwärtsgänge |
| Antrieb | Heckantrieb, Vorderradantrieb pneumatisch zuschaltbar |
| Lenkung | Allrad |
| Sperren | automat. 100-%-Diff.-Sperren v./h. |
| Federung | über Reifen und Gummipuffer |
| Bremsen | Scheibenbr. v./h. |
| Reifen | 710/60 R 42 v./h. |
| Länge/Breite/Höhe | 7120/4800/3750 mm |
| Radstand | 2540 mm |
| Gewicht | gesamt doppelbereift 20 t |
| Höchstgeschwindigkeit | 40 km/h |
| Baujahr | 1973/2004-08 |
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Kommentare zum Artikel (11)
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Der Mythos Schlüter lebt hier uneingeschränkt weiter !!!
Der stärkste Schlepper der von Schlüter selbst hergestellt wurde war der Profi Trac 5000 TVL. Ausgestattet mit einem 12-Zylinder MAN-Diesel mit 21l Hubraum! Aber davon wurde ja nur ein Exemplar gebaut....
Der Nachteil vieler Schlüters war aber das Getriebe! Dieses konnte oft der Leistung nicht gerecht werden und ging ziemlich oft kaputt. Außerdem war leider die Produktion in den letzten Jahren stark veraltet und die Preise für die Schlepper einfach zu hoch. Das hatte schließlich der Fa. Anton Schlüter, München (Werk Freising) den Garaus gemacht.
Schlüter und Hanomag waren Speerspitzen der Ingenieurskunst, vollkommen richtig. Allerdings sind sie verschwunden, weil sie sich selbst nicht warm genug anzogen haben und die Deeres, NewHollands usw. sie überholt haben. Ein schöner Artikel und ein tolles Gefährt, aber irgendwas haben sie falsch gemacht und wenn es nur war, dass es die falschen Produkte zur falschen Zeit waren.
Ja,das waren schon Maschienen,umso trauriger,daß diese Pioniere des Deutschen Schlepperbaus wie Schlüter oder Hanomag nicht mehr von der Musik sind.Seiner Zeit waren Sie das Beste was man kriegen konnte,höchste deutsche Ingeneurskunst im Bereich Schlepperbau.Wenn es diese Beiden noch geben würde,Hersteller wie Fendt und John Deere müßten sich warm anziehen und würden wahrscheinlich nicht da sein,wo sie heute sind.
Die Ausführungen am ehemaligen dreieinhalber ProfiTrac sind aus technischer Sicht brilliant! Hut ab vor der immensen Umbauleistung.
Bei der optischen Gestaltung würde sich Anton Schlüter III. allerdings im Grabe umdrehen. Zu sehr Show und Zirkus; zuwenig landwirtschaftliches Arbeitsgerät. Gerade bei der geringen Stückzahl von lediglich vier Exemplaren sollte man mal über die nicht reversiblen Maßnahmen am Fahrzeug nachdenken. Ein Wolf im Schafspelz wäre ja in Ordnung, aber so...schade eigentlich...
MfG
Ein Schlüterfan und Eigner.