Baader-Meinhof-Autos
Damals, als Baader meinen Porsche klaute

Der letzte Fluchtwagen des RAF-Anführers Andreas Baader war ein Porsche 911 Targa. Sein wirklicher Besitzer erinnert sich, wie ihn Deutschlands meistgesuchter Terrorist im Frühjahr 1972 um seinen Sportwagen brachte.
- Jochen Perrey
Bernhard Honke hatte gut gezielt. Aus dem Fenster einer Mietwohnung war dem Polizisten am Morgen des 1. Juni 1972 gelungen, was seine Kollegen mit der größten Fahndungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik vergeblich versucht hatten: Honke stellte den RAF-Anführer Andreas Baader und machte ihn mit einem Schuss in den Oberschenkel fluchtunfähig. "Baader schrie wie ein Schwein", erinnert sich ein Zeitzeuge. Und als Schweine beschimpfte Baader die Polizisten – bis ihn die Sanitäter in den Krankenwagen trugen. Zu sehen ist dies im Kinofilm "Der Baader Meinhof Komplex".
Der Top-Terrorist stand auf Autos des Klassenfeindes

Bild: dpa
Und doch passt es, dass Baader ganz in der Nähe seiner Lieblingsautos festgenommen wurde: Mit einem violetten Porsche 911 S Targa (180 PS, 230 km/h) war er zur Garage geröhrt, in der ein silberner Iso Rivolta wartete (300 PS, über 210 km/h) – ein exklusives Luxuscoupé aus Italien, keine 800-mal gebaut. Auf den Porsche, in dem neben Baader auch seine Kampfgenossen Holger Meins und Jan-Carl Raspe saßen, war die Polizei übrigens schnell aufmerksam geworden: Die Verdächtigen parkten entgegen der Fahrtrichtung. Und das in dieser durch und durch bürgerlichen Wohngegend.
Visitenkarte noch in der Seitentür
Der auffällige Targa war zwei Monate vorher noch gelb und gehörte dem Frankfurter Rennsport-Fotografen Rainer W. Schlegelmilch. "Ich hatte den 911 S erst im Juni 1971 bekommen", erinnert sich Schlegelmilch (67) heute. Doch die Freude am flotten Topless-Porsche – es war Schlegelmilchs dritter – war nur kurz. Im April 1972 verschwand er über Nacht vor seiner Haustür in Frankfurt, nur wenige Straßenzüge von Baaders Garage entfernt. Einfach so, einfach weg. Zeugen gab es nicht. "Der Wagen war ja gut versichert, da hab’ ich mir gleich einen Neuen bestellt", sagt Schlegelmilch.
Der 911 zwischen Iso Rivolta und einem NSU TT

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Im Kofferraum fanden sich eine Bombe und Handgranaten
Und er weiß auch noch genau, dass ihm der Besuch in der Wiesbadener Polizeigarage nicht leicht fiel: "Wenn du dann wieder in deinem Auto sitzt, denkste doch: So ein Mistkerl!" Zumal in den Hallen des Bundeskriminalamts auch ein Teil des Waffenarsenals lagerte, das die Terroristen im Porsche-Kofferraum mit sich herumgefahren hatten – selbst gebaute Handgranaten und eine Bombe in Form einer verschweißten Geldkassette. Neben dem silbernen Iso Rivolta in der Garage hatte die Polizei weitere Munition, Sprengsätze, Zünder und Kabel gefunden.
Es war das letzte Mal, dass Rainer Schlegelmilch seinen Ex-Porsche sah. Zwar habe das Bundeskriminalamt den Sportwagen aus Gründen der Spurensicherung noch zwei Jahre lang bei sich behalten, danach verlieren sich die Spuren des Porsche, dessen Fotos vor 36 Jahren durch alle Zeitungen gingen – und zeigten, wie empfänglich die Stadtguerilla für die Statussymbole des verhassten Systems war.
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