Baader-Meinhof-Autos

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Baader-Meinhof-Autos

— 02.10.2008

Damals, als Baader meinen Porsche klaute

Der letzte Fluchtwagen des RAF-Anführers Andreas Baader war ein Porsche 911 Targa. Sein wirklicher Besitzer erinnert sich, wie ihn Deutschlands meistgesuchter Terrorist im Frühjahr 1972 um seinen Sportwagen brachte.

Bernhard Honke hatte gut gezielt. Aus dem Fenster einer Mietwohnung war dem Polizisten am Morgen des 1. Juni 1972 gelungen, was seine Kollegen mit der größten Fahndungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik vergeblich versucht hatten: Honke stellte den RAF-Anführer Andreas Baader und machte ihn mit einem Schuss in den Oberschenkel fluchtunfähig. "Baader schrie wie ein Schwein", erinnert sich ein Zeitzeuge. Und als Schweine beschimpfte Baader die Polizisten – bis ihn die Sanitäter in den Krankenwagen trugen. Zu sehen ist dies im Kinofilm "Der Baader Meinhof Komplex".

Der Top-Terrorist stand auf Autos des Klassenfeindes

RAF-Mitbegründer Andreas Baader galt als bestimmend, jährzornig und unberechenbar.

Honke war einer von über 150 Polizisten, die an diesem Junimorgen, dem Fronleichnamstag 1972, in den nördlichen Frankfurter Stadtteil Dornbusch ausgerückt waren. Ihr Ziel: eine Reihengarage, hinter deren Flügeltüren sie einen Stützpunkt der RAF-Terroristen vermuteten. Ein Rentner aus der Nachbarschaft hatte die Ermittler aufmerksam gemacht – ihm war aufgefallen, dass die jungen Garagenmieter mitten im Frühjahr stets Handschuhe trugen. Der Hinterhof im Frankfurter Hofeckweg: eine blasse Kulisse für den Showdown. Besonders für einen Typen wie Andreas Baader, Deutschlands Staatsfeind Nummer 1, der den grandiosen Auftritt liebte. Denn der Top-Terrorist stand nicht nur auf Samthosen und Designer-Sonnenbrillen, sondern auch auf die Autos des Klassenfeinds. Je teurer und schneller, desto besser – einen Führerschein hat er übrigens nie besessen.

Und doch passt es, dass Baader ganz in der Nähe seiner Lieblingsautos festgenommen wurde: Mit einem violetten Porsche 911 S Targa (180 PS, 230 km/h) war er zur Garage geröhrt, in der ein silberner Iso Rivolta wartete (300 PS, über 210 km/h) – ein exklusives Luxuscoupé aus Italien, keine 800-mal gebaut. Auf den Porsche, in dem neben Baader auch seine Kampfgenossen Holger Meins und Jan-Carl Raspe saßen, war die Polizei übrigens schnell aufmerksam geworden: Die Verdächtigen parkten entgegen der Fahrtrichtung. Und das in dieser durch und durch bürgerlichen Wohngegend.

Visitenkarte noch in der Seitentür

Der auffällige Targa war zwei Monate vorher noch gelb und gehörte dem Frankfurter Rennsport-Fotografen Rainer W. Schlegelmilch. "Ich hatte den 911 S erst im Juni 1971 bekommen", erinnert sich Schlegelmilch (67) heute. Doch die Freude am flotten Topless-Porsche – es war Schlegelmilchs dritter – war nur kurz. Im April 1972 verschwand er über Nacht vor seiner Haustür in Frankfurt, nur wenige Straßenzüge von Baaders Garage entfernt. Einfach so, einfach weg. Zeugen gab es nicht. "Der Wagen war ja gut versichert, da hab’ ich mir gleich einen Neuen bestellt", sagt Schlegelmilch.

Der 911 zwischen Iso Rivolta und einem NSU TT

Auffälliger ging es nicht: Mit diesem Iso Rivolta bewegte sich Andreas Baader durch Hessen.

Gedanken über den gestohlenen Targa habe er sich zunächst nicht mehr gemacht. Bis eines Tages – es war bereits September 1972 – das Bundeskriminalamt anrief. "Man bat mich, den Porsche beim BKA in Wiesbaden zu identifizieren." Und dort fand der Fotograf im Keller zwischen anderen Autos, dem Iso Rivolta und einem NSU TT, auch seinen 911. "Ich konnte den Wagen erst gar nicht erkennen, da er von Baader umlackiert worden war", sagt Schlegelmilch. Nicht besonders fachmännisch übrigens, eine typische Garagen-Lackierung. Dazu ein gestohlenes Kennzeichen aus dem fernen Konstanz, fertig war die Tarnung. Schlegelmilch stutzte. Doch es war sein Ex-Wagen, zweifellos: "Ich fand die Visitenkarte eines Lokals in Frankreich, wo ich ein halbes Jahr vorher war – die steckte noch in der Seitentür drin", erinnert sich der Fotograf schmunzelnd.

Im Kofferraum fanden sich eine Bombe und Handgranaten

Und er weiß auch noch genau, dass ihm der Besuch in der Wiesbadener Polizeigarage nicht leicht fiel: "Wenn du dann wieder in deinem Auto sitzt, denkste doch: So ein Mistkerl!" Zumal in den Hallen des Bundeskriminalamts auch ein Teil des Waffenarsenals lagerte, das die Terroristen im Porsche-Kofferraum mit sich herumgefahren hatten – selbst gebaute Handgranaten und eine Bombe in Form einer verschweißten Geldkassette. Neben dem silbernen Iso Rivolta in der Garage hatte die Polizei weitere Munition, Sprengsätze, Zünder und Kabel gefunden.

Es war das letzte Mal, dass Rainer Schlegelmilch seinen Ex-Porsche sah. Zwar habe das Bundeskriminalamt den Sportwagen aus Gründen der Spurensicherung noch zwei Jahre lang bei sich behalten, danach verlieren sich die Spuren des Porsche, dessen Fotos vor 36 Jahren durch alle Zeitungen gingen – und zeigten, wie empfänglich die Stadtguerilla für die Statussymbole des verhassten Systems war.

Autor: Jochen Perrey

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