Auf der Baillon-Auktion schnappten die Bieter über. Viele der Scheunenfunde gingen für aberwitzige Summen weg, allein der Delon-Ferrari für über 14 Millionen.
Das gelbe Licht macht's nicht besser: Der Talbot Lago T26 Grand Sport ist richtig fertig.
Der Medienrummel war enorm, das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: Bei der Auktion der 59 Oldtimer der Sammlung Baillon, dem spektakulären Scheunenfund aus dem Städtchen Echiré im westfranzösischen Departement Deux-Sèvres, gingen in Paris Abermillionen Euro über den Tisch. Der bemitleidenswerte Zustand der allermeisten Fahrzeuge schreckte die Bieter nicht ab. Sie schoben alle Bedenken beiseite. Alle Erwartungen toppte der Ferrari 250 California aus dem einstigen Besitz des Schauspielers Alain Delon: Er setzte den gleißenden Schlusspunkt der Auktion und erzielte nach einem spannenden Bietergefecht 14,2 Millionen Euro. Dazu kamen noch Nebenkosten wie Gebühren für Artcurial und Mehrwertsteuer, wodurch der Verkaufspreis des Gefährts auf 16,3 Millionen Euro summiert. Delon war über den Rummel um seine Person ungehalten und verwies darauf, er habe das Auto nur zwei Jahre besessen, und das sei schon 50 Jahre her. Aber nur wenige Autos der Artcurial-Auktion sind so gut erhalten wie der seltene Ferrari oder der Maserati A6G Gran Sport mit Frua-Karosserie, dem zweiten Highlight der Auktion, das immerhin 1,72 Millionen Euro (netto) erlöste.
Talbot Lago T26 Grand Sport mit Unfallschaden, er brachte 1,45 Millionen Euro..
Bild: Baillon
So hoch diese Summen auch sein mögen, immerhin gab es dafür fahrfähige Autos. Aberwitzig aber erscheinen die Erlöse, die echte Schrottautos erzielten. Denn auch hier gingen Hunderttausende von Euros weg, beispielsweise für ein Delahaye-Cabrio für 360.000 Euro, einen Bugatti Typ 57 für 250.000 Euro, oder ein Talbot Lago T26 Cabrio aus dem Besitz des ägyptischen Königs Faruk für 625.000 Euro (alle Preise ohne Nebenkosten). Den Vogel aber schoss ein Talbot Lago T26 Grand Sport SWB ab, mit massivem Unfallschaden am Heck und eingedrücktem Dach. Der Hammer fiel bei irren 1,45 Millionen Euro!
Bieter ohne Halt
Er brachte 75.000 Euro: ein Porsche 356 SC Coupé von 1963 in Emailblau.
Bild: Baillon
Die entfesselten Bieter lockte offenbar die Ansammlung der klangvollen Luxusmarken: Lagonda, Delage, Panhard-Levassor, ein früher Audi, ein Facel Vega sowie ein Hispano-Suiza waren dabei. Die allermeisten der Autos, die Fotos beweisen es, sind völlig verrottete Vehikel, viele nicht komplett. Sie standen für den Fotografen nur mühsam auf behutsam aufgepumpten Rädern. Für die Auktion wurden die Oldies aus ihren Unterständen und Verschlägen hervorgeholt, wo sie, nur provisorisch geschützt, jahrzehntelang standen.Die Verkaufsfotos zeigten den Verfall der Autos, vielleicht lockte genau das die kauflustigen Bieter an. Das Auktionshaus Artcurial pries viele der 59 angebotenen Fahrzeuge, darunter viele Vorkriegsoldtimer, als "höchst aufregende Restaurierungsobjekte" an, und genau das sind sie auch. Aber millionenteure.
Bildergalerie
Rares Porsche 901 Cabrio versteigert
Und so standen sie jahrzehntelang im Verschlag: Jaguar S-Type 3.4 und Porsche 356 SC Coupé.
Bild: Werk
Ersten Berechnungen zufolge erbrachten die Autos der Sammlung Baillon zufolge 21,6 Millionen Euro ein. Unabsehbar jedoch: der Aufwand fürs Restaurieren. Das nüchterne Studiolicht zeigte Autos in den unterschiedlichsten Stadien: vom erhaltungswürdigen Oldie bis zum Edel-Schrott ist alles dabei. Die Fotos dokumentieren den bedauernswerten Eindruck der Klassiker: Es sind schöne, morbide Bilder. Die Grundfarbe der allermeisten Autos ist Rostrot. Nur wenige Farbtupfer durchbrechen die Farben von Korrosion und Moosbefall: Ferrari-Rot und -Schwarz, Porsche-Emailblau. Die Bilder sind ein deutliches Gebot, dass die neuen Besitzer nicht nur finanziell, sondern auch technisch höchst durchsetzungsstark sein sollten. Selbst bei den weitgehend erhaltenen Fahrzeugen wie dem Porsche 356SC oder dem Ferrari 308 GTSi ist die Wiederherstellung sicher möglich, aber auch eine Frage des Investitionswillens. Der Porsche ging für aberwitzige 75.000 Euro weg.Heute fragt man sich, wie es dazu kommen konnte, dass die automobilen Preziosen so verkamen? Eine bedeutungslose Frage, schließlich bewies die Artcurial-Auktion, dass der Markt für einzigartige Oldtimer so heißgelaufen ist, dass der Erhaltungszustand keine Rolle spielt. Wichtiger ist, wenn ein Auto nur eine einzigartige Geschichte mit sich bringt. Und das taten alle hier versteigerten Autos. So gesehen hat Sammler Roger Baillon, obwohl die Auto in seinem Besitz verfielen, alles richtig gemacht.Es bleiben Fragen wie: Ist die Wiederherstellung aller Autos überhaupt erstrebenswert? Vielleicht erhalten einige der Käufer die wunderbare Patina der vierrädrigen Fundstücke. Hier der Blick auf die versteigerten Oldies samt deren Verkaufserlös.
Lesen Sie einen ausführlichen Bericht mit vielen neuen Fotos vom Scheunenfund der Sammlung Baillon in AUTO BILD KLASSIK Heft 3/2015.
Rares Porsche 901 Cabrio versteigert
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Nach der Entdeckung kehrte Nummer 57 von 82, der am 22. Oktober 1964 vom Band lief und als 911 ausgeliefert wurde, nach Stuttgart-Zuffenhausen zurück.
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Über 100.000 Euro soll das Porsche-Museum für die rostzerfressenen Überreste der 911-Ikone der erstaunten Besitzerin überwiesen haben.
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Seitdem wird der seltene 901 bei Porsche restauriert, um in die Porsche-Sammlung eingegliedert zu werden. Für das Porsche-Museum ist der 901 besonders wichtig, schließlich fehlte das Modell bislang.
Hier einige Blicke auf das unrestaurierte Fahrzeug. Die Karosse des verblichenen roten Coupés ist heftig korrodiert.
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Türen und Kotflügel sind schon weg, hinten links ist die Endspitze durchgerostet. Die entfernte Inneneinrichtung gibt den Blick frei auf großflächigen Rost im Innenraum.
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Immerhin scheinen die Armaturen samt grüner Beschriftung der Instrumente die vergangenen fünf Jahrzehnte überstanden zu haben.
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Auch das Holzlenkrad scheint noch passabel. Dem Verfall zum Trotz haftet dem 901 eine gewisse morbide Schönheit an, ...